Energiesparen: Für die Umwelt und Wirtschaft ist es unverzichtbar

Energiesparen: Für die Umwelt und Wirtschaft ist es unverzichtbar

Trotz endlicher Ressourcen kann die Wirtschaft weiter wachsen. Aber nur, wenn sie effizienter wird, sagt Karl Tragl.

Ein Gastbeitrag von Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG

Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, weiß, dass nur eine konsequente und vor allem systematische Umstellung der eigenen Gewohnheiten zum gewünschten Ergebnis führt. Ähnlich verhält es sich beim Umgang mit dem Energie- und Rohstoffbedarf in der industriellen Produktion.

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Punktuelle Einzelmaßnahmen können vielleicht für kurzfristige Einsparungen sorgen, auf lange Sicht wirkt aber nur konsequentes Umdenken. Genau das forderte auch der ehemalige Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Hans-Jörg Bullinger: „An die Stelle maximalen Gewinns aus minimalem Kapitaleinsatz muss maximaler Gewinn aus minimalem Ressourcenaufwand treten.“

Übersetzt in die industrielle Wirklichkeit bedeutet dies: Energieverbrauch systematisch senken, Emissionen reduzieren, Materialausnutzung optimieren, Prozesse flexibilisieren, Produktivität halten – mindestens! Das klingt nach einem olympischen Mehrkampf mit reduzierter Kalorien- und Sauerstoffzufuhr bei stürmischem Wetter. Es ist aber nach Einschätzung vieler Experten das einzig wahre Fitnessprogramm für eine sichere industrielle Zukunft.

Genau deshalb ist Energieeffizienz rund um den Globus derzeit ein Megathema:

- Die neue EU-Energieeffizienz-Richtlinie vom Juni 2012 verordnet den Mitgliedern eine Energieeinsparung um 1,5 Prozent pro Jahr.- China kann trotz zahlreicher neuer Kraftwerke und des Ausbaus der Windenergie die Nachfragesteigerung kaum ausgleichen. Der zwölfte chinesische Fünfjahresplan sieht daher vor, die Energieintensität (Energieverbrauch in Bezug zum damit erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt) bis 2015 um 16 Prozent zu senken.- In Japan musste die Industrie quasi über Nacht mit dem Abschalten von 50 Kernkraftwerken ihren Stromverbrauch dauerhaft um 15 Prozent verringern.- Und Brasilien will bis 2020 die klimaschädlichen Emissionen um 36 Prozent reduzieren.

Bester Schub für die Energiewende? Effizienz!

Bis der Energiebedarf der industrialisierten Welt mit erneuerbaren Ressourcen gedeckt werden kann, ist es ein weiter Weg. Ein großer Teil der Stromerzeugung erfolgt heute noch durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Gas, Erdöl oder Kohle. Der effiziente Umgang mit der Ressource Energie ist daher das wirkungsvollste Mittel, die CO2-Emissionen zu senken, die Umwelt zu schonen und die Kosten zu bremsen.

Gerade auch in Asien fordern deshalb Unternehmen aller Branchen immer deutlicher eine höhere Energieeffizienz von Maschinen und Anlagen. Nur so können sie staatliche Vorgaben erfüllen und gleichzeitig Preissteigerungen für Strom auffangen.

Unternehmen können mit technischen Mitteln heute schon Energie und Ressourcen sparen. Hier nur drei aus einer großen Menge von Beispielen:

Hydraulik:In China nutzen zum Beispiel immer mehr Hersteller drehzahlvariable Pumpenantriebe. Damit senken sie den Energieverbrauch der Hydraulik in Kunststoff- oder Werkzeugmaschinen um bis zu 70 Prozent. Diese Lösungen passen auch in bestehende Maschinenkonzepte und werden schon entsprechend häufig nachgerüstet.

Aber nicht nur in Fernost lässt sich feststellen: Von neuen Maschinen erwarten die Kunden eine noch höhere Energieeffizienz bei maximaler Produktivität. Aus diesem Grund schauen die Verantwortlichen schon bei der Anschaffung der Maschinen auf ihren Verbrauch.

Software:Ein wichtiger Ansatz zur Senkung des Energie- und Materialverbrauchs sind innovative Softwarefunktionen. Beispiel Rollendruckmaschine: In der Vergangenheit verbanden mechanische Gestänge, Kupplungen und Getriebe die einzelnen Walzen mit dem zentralen Motor. Heute genügt dazu ein Kommunikationskabel, die einzeln angetriebenen Walzen werden via Software verschleißfrei und in hoher Präzision synchronisiert. Die mechanischen Bauteile der Königswelle entfallen komplett. Software kann zur Energieeinsparung beitragen, indem sie Zykluszeiten sowie Energieverbrauch misst, analysiert und optimiert.

Stanzmaschinen:Höhere Produktivität bei geringerem Material- und Energieverbrauch bieten auch neue Stanzmaschinen. Bislang blieb nach dem Stanzen einer Blechtafel immer ein sperriger, L-förmiger Rest, der von Hand entnommen werden musste. Die neue Maschine dagegen knabbert sich Reihe für Reihe durch das Blech wie durch eine Tafel Schokolade und trennt gleichzeitig die Stanzteile und die Reststücke einer Zeile restlos ab. So verringert sich der Materialverbrauch um durchschnittlich zehn Prozent, bei einigen Anwendungen sogar um bis zu ein Drittel.

Ökoeffizienz zahlt sich zunehmend ausVon all diesen Maßnahmen profitiert aber nicht nur, wie oben schon erwähnt, die Umwelt. Ein kurzer Blick auf die wichtigsten Preisindizes für Energie und Rohstoffe zeigt, dass sich eine hohe Ökoeffizienz zunehmend auszahlt. Wer möglichst wenig Energie verbraucht, seine Materialien optimal ausnutzt und den Einsatz von Hilfsstoffen minimiert, senkt damit seine Kosten. Das Potenzial, mit weniger Ressourceneinsatz zu produzieren, ist noch lange nicht ausgereizt. Insbesondere das komplexe Thema Materialeffizienz steht noch am Anfang.

Neben diesen auf der Hand liegenden finanziellen Vorteilen können ökoeffiziente Betriebe aber noch einen weiteren dicken Trumpf ausspielen: ihren guten Ruf. Unternehmen, die sich systematisch mit der Energie- und Materialeffizienz auseinandersetzen, können damit langfristig Reputation bei Kunden und Investoren aufbauen, ihre Marke stärken und nicht zuletzt bei den Talenten punkten, die sie halten oder haben wollen.

Die Erfolge bei der Energieeffizienz in den letzten Jahren zeigen, dass bei einem systematischen Vorgehen Fortschritte relativ schnell und wirtschaftlich erreichbar sind. Dabei gibt es einige Leitfragen: Lassen sich knappe Materialien durch andere ersetzen? Wie können Produkte rohstoffeffizienter produziert werden? Gibt es ganz neue Fertigungstechniken, um rohstoffintensive Produkte durch andere zu ersetzen?

Wer sich frühzeitig und systematisch um Antworten auf diese Zukunftsfragen bemüht, reduziert nicht nur künftige Risiken, er schafft neue Geschäftschancen. Denn neue Produkte und Technologien zur Rohstoff- und Materialeffizienz werden in Zukunft auch neue Umsatzmöglichkeiten bieten. Öko ist also nicht nur rentabel, Öko verbessert auch die Wettbewerbsfähigkeit.

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