Fracking: Drei Gründe, warum wir es lassen sollten

Fracking: Drei Gründe, warum wir es lassen sollten

Bekommen wir durch Fracking billige Energie, Wirtschaftswachstum und mehr Selbstversorgung? Nein, schreibt unser Gastautor Uwe Albrecht.

Von Uwe Albrecht, Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), einem international tätigen Beratungsunternehmen für nachhaltige Energie und Mobilität in München. Bis 2008 arbeitete Albrecht für Siemens.

Fracking, also die Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen, die in tiefen Gesteinsschichten gebunden sind und nur durch massives hydraulisches Zerbrechen des Gesteins förderbar werden, ist mittlerweile auch in Deutschland ein vieldiskutiertes Thema. Grund dafür ist zum einen die massive Ausweitung der Erdgasförderung in den USA durch diese Technik, was dort einen starken Erdgaspreisverfall auslöste. Zum anderen existieren aber auch in Deutschland potenzielle Fördergebiete - insbesondere in Teilen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie am Bodensee.

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Allerdings stoßen mögliche Aktivitäten hier auf starken Widerstand der Kommunen und der lokalen Bevölkerung. Auch innerhalb der Bundesregierung bestehen trotz der vor kurzem erzielten Einigung über einen Verordnungsentwurf zu dieser Fördertechnik deutlich unterschiedliche Bewertungen von Chancen und Risiken zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium.

Fakt ist: Fracking kann erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und Trinkwasserversorgung haben, denen Rechnung getragen werden muss. Aber welchen Beitrag kann Fracking dann langfristig zu unserer Energieversorgung leisten? In der öffentlichen Diskussion wird hierzu gerne mit Annahmen argumentiert, die einer Überprüfung nicht standhalten.

Annahme 1: „Durch Fracking wird die Energie billiger.“Der im Vergleich zu unserem aktuell niedrige Gaspreis in den USA hat nur indirekt mit Fracking zu tun. Gaspreise bilden sich in lokalen Märkten, die über eine leistungsfähige Pipelinestruktur verbunden sind. Zwischen diesen Märkten kann Gas in nennenswerten Mengen nur in Flüssiggastankern mit heute stark begrenzten Kapazitäten transportiert werden. Der Preisverfall in Nordamerika ist jedoch vor allem eine Folge der derzeitigen Überversorgung des US-Marktes mit Gas durch Fracking. Tatsächlich liegen die aktuellen Marktpreise in Nordamerika weit unter den Förderkosten und praktisch alle Gasproduzenten dort schreiben im reinen Fördergeschäft massive Verluste.

Annahme 2: „Wir verlieren im internationalen Wettbewerb.“Klar profitieren Teile der Wirtschaft in Nordamerika derzeit von den niedrigen Gaspreisen. Es kann aber aus den bereits genannten Gründen weder erwartet werden, dass diese so niedrig bleiben, noch dass Fracking in Europa zu vergleichbar niedrigen Preisen führen wird. Da die Förderrate einzelner Fracking-Bohrungen sehr schnell abfällt, müssen für eine gleichmäßige Gasproduktion in kurzen Abständen immer neue Bohrungen gesetzt werden. Das macht Fracking grundsätzlich deutlich teurer als konventionelle Gasförderung. Auch ist in den nordamerikanischen Fördergebieten die Bevölkerungsdichte wesentlich geringer als bei uns. Nur das aber ermöglicht die dort hohe Bohraktivität. Zusätzlich liegen die Umweltstandards weit unter dem, was in Europa akzeptabel wäre – in den USA hat erst die Ausnahme der Öl- und Gasindustrie insbesondere von z.B. den Auflagen des Trinkwasserschutzgesetzes Fracking im großen Stil ermöglicht.

Annahme 3: „Fracking macht uns unabhängiger von Gasimporten.“Der potenzielle Beitrag von Fracking zur deutschen Energieversorgung wird stark überbewertet. Zum einen würden allein für die Vorbereitungen noch einige Jahre ins Land gehen. Die Förderfirmen sind noch in der frühen Erkundungsphase. Auch gibt es in Deutschland nur eine begrenzte Anzahl an Bohranlagen und Marktteilnehmern. Zum anderen würde Fracking selbst dann keinen großen Einfluss in Deutschland haben, wenn es bei Umweltauflagen und verfügbarer Technik keine Einschränkungen gäbe. Realistisch könnten lediglich 3-5 Prozent des deutschen Gasverbrauchs nach unserer Analyse für ein bis zwei Jahrzehnte über Fracking gedeckt werden.

Natürlich gibt es ein berechtigtes Interesse der beteiligten Industrie an Fracking. Auch können sich - abhängig vom Gaspreis und den Genehmigungsauflagen - potenziell neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Aber dadurch wird weder eine neue Ausgangssituation für die deutsche Energieversorgung geschaffen, noch erhalten wir dadurch die Möglichkeit, große Gasmengen in Deutschland kostengünstig und dabei auch sicher zu fördern. Der Wunsch nach sauberer und gleichzeitig billiger Energie wird durch Fracking sicher nicht erfüllt.

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