Frage der Woche: Welches ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel?

Frage der Woche: Welches ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel?

von Felix Ehrenfried

Die Antwort ist Definitionssache. Dennoch gibt es Möglichkeiten, klimafreundlich von A nach B zu kommen.

In unserer neuen Rubrik „Frage der Woche“ gehen wir ab sofort regelmäßig einer spannenden Frage nach. Heute beginnen wir die Serie mit der Analyse, welches das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie uns an die Adresse green@wiwo.de

Die Frage nach dem umweltfreundlichsten Verkehrsmittel klingt banal, lernt doch schon jedes Kind: Fliegen ist schlecht fürs Klima, Bahnfahren ist gut. Das klingt logisch, stößt doch ein Flugzeug pro Kilometer am meisten umweltschädliche Treibhausgase wie CO2 aus.

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Zu diesem Ergebnis kommt auch das Umweltbundesamt, das einen Vergleich der Verkehrsmittel und ihrer Emissionen herausgegeben hat.  Als Auslastung, also Anzahl der Reisenden, werden verwendet das UBA Durchschnittswerte. Hier zeigt sich: Der Reisebus ist das sauberste Verkehrsmittel. Die Emissionen des Reisebuses liegen bei 30 Gramm CO2 pro Person und Kilometer. Dicht gefolgt wird der Bus vom Fernverkehr der Eisenbahn mit 45 Gramm und dem öffentlichen Nahverkehr, der zwischen 75 Gramm und 78 Gramm ausstößt. Mit einigem Abstand folgt das private Auto. Schlusslicht ist das Flugzeug, das pro Kopf und Kilometer ganze 228 Gramm Treibhausgase freisetzt.

Umweltfreundlichkeit ist meist eine Frage der DefinitionDoch ist das Ganze wirklich so einfach?

Udo Becker ist Professor an der Technischen Universität (TU) Dresden und Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsökologie. Auf die Frage, wie wir uns am umweltfreundlichsten fortbewegen können, antwortet er nach kurzem Lachen: „Wenn Sie mir sagen, welches Ergebnis heraus kommen soll, sage ich Ihnen, wie wir die dazu passende wissenschaftliche Untersuchung so zurecht schneidern, dass genau dieses Ergebnis herauskommt.“

Kurz: Welches das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist, ist Definitionssache.

Nehmen wir das, als Klimaretter bejubelten Elektroauto. Es wird, scheinbar ganz sauber, mit Strom betrieben. Kein Verbrennungsmotor bläst Abgase in die Umwelt. Die Frage ist aber: Woher kommt der Strom? Und der kommt in Deutschland nur zu knapp 23 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser-und Windkraft. Ein wesentlich größerer Teil des Stroms wird durch fossile Energieträger wie Kohle oder Gas erzeugt. Das sind wahre Klimakiller. Ist das E-Auto dann wirklich noch so gut für das Klima?

E-Autos: Klimakiller oder Retter?Auch sind die Produktionskosten der Elektroautos hoch, speziell die Herstellung der Akkublocks kostet viel Energie. „Schaut man sich also die Energiebilanz eines E-Autos im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor über die ganze Lebensdauer an, kann es schon sein, dass das klassische Auto umweltfreundlicher ist als ein E-Car“, sagt Becker.

Ein weiteres Beispiel, wie man die Umweltfreundlichkeit eines Verkehrsmittel beeinflussen kann ist die Infrastruktur. Wenn beispielsweise beim Flugzeug auch Flughäfen und Autobahnzufahrten in die Klimabilanz mit einbezogen werden, ist es klar, dass ein Flug extrem umweltbelastend ist. Aber: Der CO2-Ausstoß von Flugzeugen wird im Gegensatz zu dem von Bussen und PKW über das Emissionshandelssystem der EU abgegolten - deshalb ist der Flieger auf Fernstrecken doch klimafreundlicher.

Doch auch die scheinbar wasserdichte Messung des Umweltbundesamtes ist relativ. Sobald die Rahmenbedingungen geändert werden, kann das Bild ganz anders aussehen. Ein Beispiel: Die Bahn setzt seit kurzem neben klassischen Energieträgern auch auf Strom aus erneuerbaren Energien. Damit sollte die CO2-Bilanz dieser, mit grünem Strom betriebenen, Züge nahe bei null liegen. Schon würde die Rangliste der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel anders aussehen.

Auch ist die Auslastung ein wichtiger Faktor, der ein Verkehrsmittel grüner machen kann. Je mehr Personen im Fahrzeug, Flieger oder Bahn, destso weniger belastet jeder einzelne durch seine Reise die Umwelt. Will man also umweltfreundlich reisen, sollte man auch auf viele Mitreisende achten, nicht nur auf das Verkehrsmittel.

Die Suche nach einer umweltfreundlichen Reisemöglichkeit - Ein Ding der Unmöglichkeit?Wenn aber die ganze Suche nach dem umweltfreundlichsten Verkehrsmittel oftmals viel Zahlenschieberei ist, lohnt es sich dann überhaupt noch in die Forschung auf dem Gebiet zu investieren? Wozu neue Motoren und E-Autos entwickeln, wenn die alte Spritschleuder am Ende dem Klima auch nicht mehr schadet?

So aussichtslos sei die Lage nicht, sagt Udo Becker. Es gehe um die Verbindung von vier Bereichen, die den gesamten Verkehr schlussendlich umweltfreundlicher machen. Zum einen durch bessere Technik, wie energiesparende Motoren. Außerdem geht es darum, das Verhalten der Leute zu beeinflussen: Muss ich überhaupt so weite Strecken zurücklegen? Der dritte Bereich ist die sogenannte Raumordnung: Wenn alle Bedürfnisse, wie Einkaufsläden und medizinische Versorgung, in unmittelbarer Nähe liegen, muss man weniger reisen und die Umwelt wird geschont.

Ein letzter, entscheidender Punkt ist der Preis für Mobilität. „Wenn in den Preisen für Verkehrsmitteln wirklich alle Kosten, wie Klimaschäden oder Verkehrsunfälle, berücksichtigt werden und man alternative Reisemöglichkeiten für die Bürger schafft, profitieren die Menschen aber auch die Umwelt davon“, erklärt Becker.

Ein Beispiel: Der Spritpreis wird durch eine Steuer auf zwei Euro erhöht und mit diesen Mehreinnahmen werden beispielsweise Wiederaufforstungsprojekte finanziert. Gleichzeitig werden mehr Fahrradwege gebaut. Das Ergebnis: Das Auto bleibt häufiger stehen und mehr Personen radeln - Die Menschen sparen Geld und die Umwelt wird geschont.

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