Geldanlage: Investieren und gleichzeitig die Welt verbessern

Geldanlage: Investieren und gleichzeitig die Welt verbessern

In seiner Kolumne verrät Autor Werner Schwanfelder, wie man am besten nachhaltig investiert.

Die heutige Mittagskolumne stammt von dem Autor Werner Schwanfelder, der sich in seinem neuen Buch "Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Gewinnbringend und nachhaltig investieren" mit den Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage auseinandersetzt. Wir werden in zehn Folgen und jede Woche jeweils einen Auszug aus seinem Buch veröffentlichen.

"Geld regiert die Welt". Diesen Spruch kennt jeder. Wenngleich diese Aussage berechtigten Anlass zur Kritik gibt, bestimmt das Geld das Leben in unserer Gesellschaft grundlegend. Es ist offensichtlich, dass derjenige, der kein Geld hat, "arm dran" ist. Da nützt es nicht, wenn sich Politiker, Kirchenleute oder Gutmenschen Einwände dagegen erheben.

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Von Franz Müntefering, dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales, ist der Satz überliefert: "Geld regiert die Welt, da kann man halt nix machen ‒ das akzeptiere ich nicht." Man könnte sich fragen, ob diese Meinung nicht etwas realitätsfern ist. Ich gehe davon aus, dass dieser Satz stimmt. Aber ich ziehe daraus eine andere Schlussfolgerung: Wenn Geld tatsächlich die Welt regiert, dann können doch die, die Geld, haben, versuchen, mitzuregieren.

Was heißt das für mich? Ich versuche mein Geld so anzulegen, dass es die Gesellschaft verändert – nach meinen Vorstellungen natürlich. (Ich gehe davon aus, dass meine Vorstellungen "gut" sind.)

Ich denke darüber seit geraumer Zeit nach. Aus meinen Überlegungen ist mein Buch (siehe Kasten) entstanden: Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Ich habe das Buch zunächst ganz egoistisch für mich geschrieben. Weil ich mir Klarheit verschaffen wollte.

Meine erste Maßgabe war, das ich mich nicht schämen muss, wenn ich mein Geld investiere. Dass ich dann immer noch ein gutes Gewissen haben kann. Und dass ich auch mit meiner Geldanlage Profit erwirtschafte. Das soll schließlich meine Altersversorgung werden.

Über die Ergebnisse war ich selbst erstaunt. Ich habe sehr interessante Anlagemöglichkeiten gefunden und zu meiner sehr großen Befriedigung, konnte man mit diesen Investments auch richtig gutes Geld verdienen.

Ich versuche Ihnen in dieser Kolumne, den Prozess nahe zu bringen, wie man nachhaltig investieren kann. Am Schluss stehen natürlich Ergebnisse (also konkrete WKNs). Das sind aber keine Empfehlungen. Das sind Ergebnisse, die ich für mich, aufgrund meiner Definition von Nachhaltigkeit gefunden habe. Sie müssen den Prozess ebenfalls beschreiten, dann kommen sie zu ihren individuellen Ergebnissen und Empfehlungen. Ich versuche, Ihnen den Prozess zu erklären.

Wie viel Macht haben wir?Die Macht der Geldanleger sollte man weder über- noch unterschätzen. Dies sei anhand eines Beispiels erklärt: Die Organisation Foodwatch hat eine Studie herausgebracht, in der nachgewiesen wird, dass Finanzinvestoren durch Spekulation auf den Agrar-Rohstoff-Märkten die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben. Unter den Spekulanten wurde namentlich auch die Deutsche Bank aufgeführt.

Als Reaktion auf diese Studie haben über 60 000 Deutsche per E-Mail oder Post die Deutsche Bank aufgefordert, aus dieser Art von Finanzgeschäften auszusteigen. Der damalige Noch-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sagte zumindest zu, den Sachverhalt gründlich zu überdenken. Wir werden sicherlich in der Presse nachlesen können, ob sich die Deutsche Bank dem Druck der nachhaltigen Geldanleger beugt. Wenn nicht, müssen wir den Druck erhöhen.

Wahrscheinlich ist es besser, die Herrschaft des Geldes zu akzeptieren und selbst die richtige Einstellung zum Geld zu finden. Es gibt den alten Spruch aus der Militärgeschichte: "Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihm." Wenn man das Geld als Feind betrachtet (wobei ich nicht so weit gehen möchte), dann sollte man sich überlegen, wie man den Feind, also das Geld, bestmöglich nutzen kann.

Geldanleger sind auch für faire Löhne verantwortlichGeld arbeitet. Eine Werbung will uns suggerieren, dass Geld dies sogar tut, wenn wir schlafen. Aber das stimmt nicht. Es vermehrt sich auch nicht von selbst. Mit Geld werden Projekte finanziert, die einen Mehrwert erwirtschaften. An den Projekten arbeiten Menschen. Ihr Können und ihre Fähigkeiten generieren den Mehrwert. Nicht das Geld arbeitet, sondern Menschen arbeiten, und ich beteilige mich als Geldanleger an den Löhnen, den Materialien, der Ausbildung und an allem, was zur Vermehrung dieses Wertes beiträgt.

Die wichtigsten Geld-Player sind zugegebenermaßen die Banken. Sie sind die Repräsentanten des Geldsystems. Sie wirtschaften mit Geld. Man muss aber über die Rolle der Banken gründlich nachdenken und sich die Frage stellen: Sind die Banken die Player, oder bin ich der Player, wenn ich der Bank sage, was sie mit meinem Geld machen soll? Wer bewegt das Geld? Verfügen die Banken über eigenes Geld? Eigentlich nicht, denn es ist das Geld der Anleger und Aktionäre. Damit bin ich unwiderruflich in der Rolle des Players.

Theoretisch ‒ und auch praktisch ‒ kann jeder Einzelne der Bank sagen, was sie mit seinem Geld machen soll. Als Aktionär kann ich die Politik der Bank oder eines anderen Unternehmens mitbestimmen. So mancher vertritt jedoch die Auffassung: Ich bin nur ein armes Würstchen, was bringt mein Spargroschen? Wer so denkt, hat sich bereits aufgegeben.

Merksatz: Ich bin für mein Geld und was ich damit mache selbst verantwortlich. Daher muss ich mich darum kümmern und mir dafür auch ausreichend Zeit nehmen. In welche Projekte ich mein Geld genau investiert habe, werde ich Ihnen in den kommenden Wochen bei WiWo Green präsentieren.

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