Geldanlage: Wie nachhaltige Banken funktionieren

Geldanlage: Wie nachhaltige Banken funktionieren

Nachhaltige Banken brauchen nicht nur strenge Investitionskriterien, sondern auch kritische Anleger und aktive Aktionäre, schreibt Ekkehard Thiesler.

Nachhaltige Banken brauchen nicht nur strenge Investitionskriterien, sondern auch kritische Anleger und aktive Aktionäre, schreibt unser Gastautor Ekkehard Thiesler. Er ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Diakonie eG - KD Bank in Dortmund. In seinem Beitrag erklärt er, wie nachhaltige Banken arbeiten und an welchen Kritierien sie sich orientieren.

Wissen Sie, was Ihre Bank mit Ihrem Geld macht? Wie und wo sie Ihr Geld investiert? In Rüstung, Kinderarbeit oder spekulative Finanzgeschäfte? Wer sein Geld bei einer konventionellen Bank anlegt, erhält meistens keinen umfassenden Überblick darüber, in welchem Land oder in welchen Unternehmen sein Geld angelegt wird.

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Genau diese Transparenz aber bieten Banken, die sich ethisch und nachhaltig aufgestellt haben. Diese sehen es sogar als ihre Aufgabe an, ihre Kunden und Anleger dafür zu interessieren, was mit ihrem Geld geschieht. Ihr Ziel ist eben nicht allein das reine Kapital.

Es geht darum, Projekte, Unternehmen und Institutionen zu finanzieren, die dem Gemeinwohl dienen. Damit die Transparenz gelingt, brauchen die Finanzinstitute Kontrollinstrumente. Zum Beispiel einen Nachhaltigkeitsfilter. Aber vor allem kritische Anleger und aktive Aktionäre.

Das Best-in-Class-Prinzip Um nachhaltig zu investieren, gibt es bei Anlegern ganz unterschiedliche Erwartungen – und deswegen auch vielfältige Investitionskonzepte wie Spezialfonds und Vermögensverwaltungen, die die Banken und Beratungsagenturen für ihre Kunden entwickeln.

Um Unternehmen oder Staaten, in die investiert werden soll, auf ihr ökologisches und soziales Verhalten zu prüfen, ist der Best-in-Class-Ansatz zu empfehlen. Dieses Prinzip sorgt dafür, nur in die Konzerne zu investieren, die sich innerhalb der Branche vorbildlich verhalten. Zudem hat der Best-in-Class-Ansatz den schönen Nebeneffekt, dass innerhalb der Branchen ein Wettbewerb entsteht, wer ethisch, ökologisch oder sozial der beste Konzern ist.

In der zweiten Stufe der Nachhaltigkeitsprüfung kommen mit Hilfe eines Nachhaltigkeitsfilters Ausschlusskriterien zum Zuge: Dazu zählen massive Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, Kinderarbeit, Atomkraft, Waffenproduktion, Alkoholherstellung oder auch Embryonenforschung. So investieren wir beispielsweise wegen bestimmter Verstöße nicht in mehrere Dax-Konzerne – darunter Eon und RWE wegen des Ausschlusskriteriums Atomkraft oder ThyssenKrupp wegen des Ausschlusskriteriums Waffenproduktion.

Bei der Definition der Kriterien ist es wichtig, nicht realitätsfremd zu sein. Beim Kriterium Alkohol beispielsweise werden nur Unternehmen ausgeschlossen, die auch Umsatz mit der Produktion von Schnaps, wie z.B. Pernod Ricard, generieren. Wir können schlecht Weinerzeuger ausschließen, wenn in den Kirchen zum Abendmahl Wein getrunken wird. Auch Länder erhalten eine Bewertung. Ausschlusskriterien sind autoritäre Regime, Geldwäsche, Korruption, Todesstrafe, Verstoß gegen Pressefreiheit oder auch wenn ein Land mehr als drei Prozent seines BIPs in Rüstung investiert.

Für viele Kirchenbanken scheiden deswegen Länder wie Russland, China oder Indonesien aus Gründen wie schlechte Arbeitsbedingungen oder Menschenrechtsverletzungen schon von vornherein für Investitionen aus. Auch Staatsanleihen aus den USA fallen wegen der Todesstrafe in verschiedenen Bundesstaaten durch. Ebenso sind Geschäfte wie Agrarrohstoffderivate für die meisten Nachhaltigkeitsbanken tabu.

Active Ownership wird populärer Wenn Unternehmen in den Nachhaltigkeitsfiltern hängen bleiben, ist es üblich, zunächst einmal mit dem betroffenen Konzern hinter den Kulissen zu sprechen. Erst wenn Gespräche gar nicht weiterführen, hilft der Weg an die Öffentlichkeit. Zunehmend nutzen dafür Großanleger ihre Macht als Aktionäre.

„Engagement“ oder „Active Ownership“ heißt dieser Ansatz, der vor allem bei Investoren in den angelsächsischen Ländern populär ist, aber auch in Deutschland immer mehr an Verbreitung gewinnt. Ob es sich nun um Unternehmensführung, Menschenrechte oder Umweltzerstörung handelt – auf Hauptversammlungen werden die Unternehmen direkt mit den Problemen konfrontiert.

Auch in Deutschland drohen die Aktionäre den Unternehmen durchaus mit dem Entzug von Kapital, wenn sie beispielsweise die Höhe ihrer Treibhausgas-Emissionen verschweigen oder nicht nachhaltig und transparent genug entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette arbeiten.

Nicht immer gelingt es, sogleich Wirkung zu erzielen. Aber doch manchmal. Zum Beispiel im Fall von RWE und dem Atomkraftwerk Belene in Bulgarien. Viele kirchliche Institutionen und Gruppen hatten einen Ausstieg des Unternehmens aus dem umstrittenen Atomkraftwerk in dem Erdbebengebiet gefordert. Auch die Kapitalanlagegesellschaft Union Investment hatte den Vorstand von RWE bei Investorengesprächen auf die Problematik deutlich angesprochen und bei der Hauptversammlung zum Rückzug aufgerufen. Im Oktober 2009 gab RWE schließlich den Ausstieg bekannt.

In Deutschland beauftragen auch immer mehr institutionelle – auch kirchliche – Anleger meist spezialisierte Kapitalmarktpartner für die Kontrolle von Nachhaltigkeitskriterien. Diese prüfen regelmäßig, ob sich im Depot ihrer Auftraggeber Unternehmensbereiche befinden, die ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien nicht genügen. Stellt sich ein Fehlverhalten heraus, suchen auch sie das Gespräch mit den Firmen oder üben Druck bei den Aktionärsversammlungen aus.

Schnell wachsender Markt für nachhaltige Anlagen Auch wenn nachhaltige Anlagekonzepte im gesamten deutschen Fondsmarkt noch einen kleinen Teil ausmachen, gewinnen sie an Bedeutung. So wächst der Markt für nachhaltige Anlagen sehr viel schneller als der sonstige Fondsmarkt: Zwischen dem Jahr 2000 und Ende März 2007 hat sich dem Sustainable Business Institut (SBI) zufolge das Anlagevolumen von 1,6 Milliarden Euro auf 22,2 Milliarden Euro vervielfacht.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz waren im dritten Quartal des vergangenen Jahres 372 nachhaltige Publikumsfonds zugelassen – mit einem Anlagevolumen von etwa 38 Milliarden Euro.

Laut dem von Union Investment in Auftrag gegebenen „Stimmungsindex für nachhaltige Kapitalanlagen 2013berücksichtigt heute bereits knapp die Hälfte der befragten Unternehmen und Institutionen für ihre Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien. Dies gilt vor allem für Stiftungen, kirchliche Anleger und Großunternehmen. Kirchen und Stiftungen setzten bereits bei 74 Prozent des investierten Kapitals auf Nachhaltigkeitsstrategien. Die Anlagen lohnen sich: Wer sie nutzt, muss keine wirtschaftlichen Leistungseinbußen fürchten. Die Renditen sind teilweise überdurchschnittlich hoch.

Auch wenn in diesen Tagen in der Presse von einem Rückfall der Finanzmärkte in alte Zeiten zu lesen ist, in denen viele Anleger der Sucht nach Rendite neu verfallen sind, bin ich überzeugt, dass die Integration von Umwelt- und Sozialleistungen in die Finanzanalyse zukünftig bei seriösen Unternehmen und Institutionen eine immer wichtigere Rolle spielen wird.

Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, hat weder „Greenwashing“ zum Ziel noch sich als Gutmensch aufzuspielen. Nachhaltigkeit muss auch für Finanzdienstleister Kerngeschäft werden. Wer sich dem nicht stellt, wird früher oder später vom Aktionär bestraft. Es dreht sich bei nachhaltigen Finanzanlagen eben nicht allein darum, Ressourcen zu schonen und Menschen zu schützen. Es geht darum, Geld so sicher und effektiv wie möglich anzulegen – es geht um gesellschaftliche Akzeptanz und um unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.

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