Grüne Investments: Nachhaltige Geldanlagen sind besser als ihr Ruf

Grüne Investments: Nachhaltige Geldanlagen sind besser als ihr Ruf

von Daniel Schönwitz

Kostet ein gutes Gewissen bei Geldanlagen Rendite? Nein, zeigt eine Studie. Allerdings müssen Anleger wichtige Regeln beachten.

Für Freunde grüner Investments sind es harte Zeiten. Erst schmierten zwischen 2006 und 2011 die Kurse hochgelobter Solaraktien ab, etliche Firmen rutschten gar in die Insolvenz.

Kurz darauf wiederholte sich die Pleitewelle bei Ökounternehmen, die die Anleger mit Mittelstandsanleihen gelockt hatten. Zu allem Überfluss erwischte es Anfang des Jahres auch noch Prokon. Das Itzehoer Unternehmen hat rund 1,4 Milliarden Euro für Windparks eingesammelt, 75 000 Anleger zittern derzeit um ihr Geld. Spätestens seit diesem Skandal gelten grüne Investments vielen Anlegern als Verlustbringer.

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Umso überraschender ist das Ergebnis einer Meta-Studie von Christian Klein, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Universität Kassel (wir haben berichtet): In den vergangenen Jahren zeigten 14 Analysen, dass nachhaltige Fonds langfristig aussichtsreicher sind.

Nur sechs sahen konventionelle Portfolios vorn. 15 Studien stellten keinen nennenswerten Performance-Unterschied fest. „Nachhaltige Geldanlagen liefern langfristig keine schlechtere Performance als traditionelle Investments. In vielen Fällen schneiden sie sogar besser ab.“

Grüne Anleger müssen wichtige Regeln beachtenDer Praktiker Jürgen Döppeler kann die Erkenntnis bestätigen. Allerdings müssten Anleger ein paar wichtige Regeln beachten. Döppeler ist Finanzmakler in Ratingen nahe Düsseldorf und stellvertretender Vorsitzender von Ökofinanz-21, einem bundesweiten Netzwerk für nachhaltige Vermögensverwaltung.

So sei eine breite Streuung empfehlenswert. Das ist mit Fonds möglich, die den Best-in-class-Ansatz verfolgen. Deren Manager investieren in alle Branchen, suchen aber gezielt nach Firmen mit den höchsten Standards in Sachen Ökologie und Ethik. Um glaubwürdig zu bleiben, schließen sie Unternehmen aus, die etwa Waffen herstellen, Atomkraftwerke betreiben oder gefährliche Chemikalien produzieren.

Döppeler empfiehlt zudem, in mehrere Fonds zu investieren. Für einen Kunden hat er vor drei Jahren 69 100 Euro in Aktien-, Anleihen- und Mischfonds angelegt. Der Wert des Portfolios ist auf 91 600 Euro gestiegen, ein Wertzuwachs von rund 31 Prozent. „Damit hat sich das Portfolio genauso gut entwickelt wie der europäische Aktienmarkt – trotz des Anleihenanteils“, sagt Döppeler.

Eine breite Streuung ist aber nicht alles. Wichtig ist vor allem eins – Zeit. Denn wer an der Börse investiert, sollte Schwächephasen aussitzen können. Döppeler: „Wer in nachhaltige Fonds investiert, sollte sein Geld mindestens fünf Jahre arbeiten lassen können.“

Studie widerspricht klassischer TheorieOb ethisch-soziale Geldanlagen langfristig gleichwertig zu herkömmlichen sind, bleibt umstritten. Experten wie Andreas Beck vom Münchner Institut für Vermögensaufbau halten sie „fast zwingend“ für schlechter. Wer derart investiere, so das Argument, könne weniger breit streuen – und gehe daher höhere Risiken ein.

Klein kann die Vorbehalte verstehen: „Unsere Metastudie widerspricht der klassischen Kapitalmarkttheorie. Aber sie ist eindeutig.“ Makler Döppeler erklärt sich das Versagen des Lehrbuchwissens bei nachhaltigen Fonds so: „Inzwischen gibt es sehr viele nachhaltige Unternehmen. Die Beschränkung auf deren Aktien und Anleihen ist daher kein Nachteil mehr.“

Auf Ebene einzelner Aktien zeichnet sich schon länger ab, dass Nachhaltigkeit einen positiven Einfluss hat. So laufen diese Werte laut einer aktuellen Metastudie der Universität Oxford besser als andere. Bereits 2012 hatte die Münchner Ratingagentur Oekom Research Ähnliches ermittelt: Ein Portfolio aus 300 Aktien von Firmen mit guten Nachhaltigkeitsnoten lieferte demnach binnen sieben Jahren 31 Prozent Rendite – im Marktdurchschnitt waren es nur 27 Prozent.

Nachhaltige Aktien laufen also auf lange Sicht besser, bei Anleihen gilt das nur zum Teil. Demnach sollten Fonds, die in diese Werte investieren, tendenziell besser abschneiden – vorausgesetzt sie legen das Geld ihrer Investoren breit an. Dagegen sind Fonds mit einem Branchenfokus, etwa auf erneuerbare Energien, laut Klein „riskant“. Noch gefährlicher seien Investments in einzelne Firmen oder Projekte. Prokon-Anleger wissen nur zu gut, was Klein meint.

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Dieser Text ist leicht gekürzt und stammt aus der aktuellen Wirtschaftswoche-Beilage Green Economy “Rohstoffe ohne Raubbau”, die hier bestellt werden kann.

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