Grünes Geld: Verbraucher finden Ethik wichtiger als Umweltschutz

Grünes Geld: Verbraucher finden Ethik wichtiger als Umweltschutz

von Jan Willmroth

Erst die Ethik, dann die Ökologie: Eine neue Umfrage zu grünen Geldanlagen zeigt, worauf Anleger Wert legen.

Auf der Suche nach ethisch-ökologischen Geldanlagen haben Anleger mehr Auswahl denn je – doch es dürfte vielen schwerfallen, den Überblick zu behalten. Denn was als „grün“ betitelt ist, entspricht oft nicht dem, was sie sich wünschen. Jeder Anbieter definiert seine eigenen Kriterien, einheitliche Siegel gibt es nicht.

Ein solches zu erfinden wäre einerseits schwierig, weil der Begriff der Nachhaltigkeit im Finanzsektor nicht klar zu definieren ist. Darf man noch in Billig-Modehäuser investieren, aber nicht in einen Fonds, der in fossile Brennstoffe investiert? Ist die Umwelt wichtiger, oder soziale Kriterien wie der Umgang mit Mitarbeitern? Eine höchst willkürliche Sache.

Anzeige

Andererseits haben auch die Anleger selbst sehr unterschiedliche Vorstellungen, wenn es um grünes Geld geht. Im Rahmen des Projekts „Klimafreundliche Geldanlage“ haben die Verbraucherzentrale Bremen und die Stiftung Warentest jetzt die bundesweit erste Umfrage zu den inhaltlichen Erwartungen der Verbraucher an ethisch-ökologische Geldanlagen veröffentlicht. Die zentrale Erkenntnis: Je nach Bildungsstand und Wohnort sind den Anlegern viele verschiedene Dinge wichtig, mit einer klaren Tendenz zu ethischen Kriterien.

Waffen und Rüstung sind absolutes No-GoEinig sind sich die 1.014 Befragten darin, dass Waffen und Rüstung in einem nachhaltigen Depot nichts zu suchen haben – das ist auch der kleinste gemeinsame Nenner der meisten nachhaltigen Angebote bei Banken. Nur jeder Zwanzigste hat schon selbst Erfahrungen mit solchen Anlagemöglichkeiten gesammelt. Ein Drittel der Befragten zeigt sich generell interessiert. Aus der Nische kommen die Ethik-Investments dennoch nicht. Denn 58 Prozent der Verbraucher haben überhaupt kein oder nur ein geringes Interesse an solchen Qualitätskriterien:

Im Osten Deutschlands scheint das Interesse an grünen Anlagen generell geringer zu sein. Auch Befragte jenseits der 60 interessieren sich weniger für das Thema als Jüngere. Die strengsten Kriterien wünsche sich laut Umfrage Unter-30-Jährige und dabei vor allem Verbraucher mit höherem Bildungsabschluss. Im Schnitt sind die Befragten ethische Kriterien wichtiger als der Umweltschutz.

Vier Branchen hat die Mehrheit die Anleger ausmacht, in die bei ethisch-ökologischen Geldanlagen auf keinen Fall Geld fließen soll: Außer der Waffen- und Rüstungsindustrie sind das die Glücksspielbranche, Pornografie, Atomkraft und die industrielle Tierhaltung. Eher ökologisch bedenkliche Bereiche wie Kohlekraft, die Erdöl-Branche oder der Bergbau landen auf den hinteren Plätzen – nach den Finanzdienstleistern.

Dazu passt: Gefragt nach den wichtigsten Bereichen, in denen Anleger ihr Geld sehen wollen, nannten die meisten die Armutsbekämpfung, gefolgt von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und Bildungsangeboten. Erst danach folgen Öko-Themen wie erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Forstwirtschaft. Laut Verbraucherzentrale Bremen galten Krankenhäuser bislang nicht als Schwerpunkt ethisch korrekter Investment-Angebote.

Als Ausschlusskriterien nannte die Mehrheit der Befragten ausbeuterische Kinderarbeit, gefolgt von Urwaldzerstörung, Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln ist sehr unbeliebt. Auch dabei zeigt sich: Bei den meisten kommt erst die Ethik – und dann der Umweltschutz.

Die Verbraucherzentrale Bremen hält eine Marktübersicht mit den wichtigsten klimafreundlichen Anlagemöglichkeiten in Deutschland bereit.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%