Gute Vorsätze: Wie unsere Leser ihr Leben nachhaltig machen

Gute Vorsätze: Wie unsere Leser ihr Leben nachhaltig machen

von Sebastian Matthes

Über ein nachhaltiges Leben spricht man so leicht. Aber was tun wir wirklich? Die interessantesten Konzepte.

Im Newsletter vergangene Woche haben wir uns mit dem Boomerang-Effekt beschäftigt, der Beobachtung, dass technische Effizienzgewinne oft mit zusätzlichem Verbrauch einhergehen. Wer Energiesparlampen besitzt, lässt mitunter das Licht länger brennen und wer ein besser gedämmtes Haus hat, lässt die Heizung angedreht.

Wir haben unsere Leserinnen und Leser vergangene Woche gefragt, was sie 2013 tun wollen, um diesen Effekt zu verringern. Die Antwort war eine Flut von E-Mails, von denen wir Ihnen die spannendsten Antworten hier zusammengestellt haben.

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Rolf Bernhard Geißmann etwa schreibt:Zuerst schränke ich meinen Fleisch- und Schinkenbedarf stark ein. Die Energiesparlampen werden einfach mal bewusst eine oder zwei Stunden weniger eingeschaltet sein. Unsere Fahrzeuge werden bewusster genutzt, es werden zunächst einmal mehrere Fahrten zusammengelegt und Fahrzeuge werden doppelt besetzt. Ein Auslandsurlaub mit dem Flieger wird eingespart, dafür geht es an den Königsee und den Chiemsee.Martin Strautz aus Bochum fokussiert sich auf den Sektor Mobilität:Meine persönliche Sparseite liegt darin, dass ich kein Auto habe. Hier im Ruhrgebiet lässt sich diese Einschränkung durch einen klugen Mix von Öffis (wie wir hier sagen), Carsharing (möglichst selten! Bei mir rund 1x monatlich) und natürlich der Lage der Wohnung bewältigen. Fahrrad natürlich auch, ab und an. Dabei bin ich im „Außendienst“, denn ich arbeite für eine Finanzvermittlung. Und habe ein Kind im Alter 4. Das ist machbar.

Aber: warum grade das? Für mich sind Autos einfach viel zu teuer! Nicht nur Einkauf, Instandhaltung, Sprit, Versicherungen und Steuern – sondern auch die Summe an CO2 und anderen Altlasten, die wir der Volkswirtschaft damit hinterlassen. Die Kosten rechnet doch keiner aus. Zu Recht. Sonst würde uns bei JEDER Autofahrt schlecht werden.Bahnfahren ist für viele unserer Leserinnern und Leser ein großes Thema:Meine nachhaltige Energieeinsparstrategie ist zugegebener Maßen auch nicht aus der vorhandenen Einsicht geboren, sondern aus Erschöpfung und Ungeduld entstanden. Als Unternehmensberater und Wirtschaftspsychologe betreue ich unsere Klienten vorrangig im gesamten deutschsprachigen Raum.

In der Vergangenheit bin ich wie viele geflogen, mit dem eigenen oder gemieteten PKW gefahren und habe dabei enorme Zeiten für das Check in, mit Warten auf Anschlussflüge und in Staus verbracht.

Dann habe ich mir eine Bahncard geleistet, denn die Züge fahren ohnehin und wesentlich ökologischer. Dabei habe ich festgestellt, dass die viel beklagten Verspätungen der Bahn zwar im Einzelfall immer ärgerlich sind, aber denn doch nicht so häufig vorkommen. Gemessen an den Verzögerungen und Zeitverlusten mit anderen Reisemitteln, sind die Reisezeiten, wie auch die Wartezeiten in der DB-Longe doch eher durch Stressarmut gekennzeichnet. Mit dem DB-App habe ich immer eine gute Übersicht. Der Rest ist persönliches Management von Metropole zu Metropole, sogar auch von und nach Paderborn, schreibt Leopold K. Fara aus Paderborn.Aber auch mit Auto gehts, findet Hanns Günther aus Stuttgart:Sie wollten wissen, was ich tue. Seit Sommer bin ich stolzer Besitzer eines Skoda Fabia Greenline. Das Auto ist nicht besonders groß, viel kleiner als der Opel Omega Caravan, den ich bisher gefahren habe. Es wird wohl kaum einen Design-Preis gewinnen, die Höchstgeschwindigkeit ist bescheiden. Aber ich habe das Fahrzeug in der Tat streng nach ökologischen Gesichtspunkten ausgesucht. Einfach in die eEco-Topten des Ökoinstituts Freiburg geschaut. Und damals stand der Wagen dort auf Platz 1. Er verbraucht nicht einmal halb so viel Treibstoff wie mein altes Fahrzeug.

Der Gedanke, jetzt könne man ja mehr fahren hat sich schon ab und zu bei mir eingeschlichen. Im Endeffekt hat sich die Km-Leistung aber nach einem halben Jahr, in dem ich den Wagen nun fahre, nicht erhöht. Übrigens ein ganz tolles Argument, mit dem man viele Angeber, gerade Männer, immer noch gut auf’s Kreuz legen kann, wenn sie mit technischen Raffinessen ihrer tollen Potenzprothesen, denn das sind die meisten Autos, prahlen. Kaum einer kennt den Wert, er weiß aber genau wieviel KW / PS die Karre hat. Und bei diesem Wert hat noch keiner einen Stich gegen mich gemacht. 89 g/km. Das schafft kein noch so toller BMW … Auch da müsste man umdenken. Welche Werte hat man denn im Kopf. Ich habe mir inzwischen einen Sport daraus gemacht, die CO2-Werte verschiedener Fahrzeuge zu kennen. Deshalb weiß ich auch, dass die meisten über 100 g/km liegen. Der Bundestag wolte den Grenzwert für seine Flotte nun gar auf 140 g/km anheben. Absurd.Auch Bernd Kortschak, der regelmäßig von Erfurt nach Wien pendelt, setzt auf die Schiene:1996 habe ich meinen eigenen Pkw an den Nagel gehängt. Seitdem fahre ich einen Großteil meiner Personenkilometer auf der Schiene. Wenn ich - meistens aus Gepäck-Gründen ein Automobil benötige, nehme ich einen Mietwagen, aber als "one-way-rental", sodass ich dann vom Zielort aus wieder die Eisenbahn nehmen kann.Die Bundestagspolitikerin Johanna Voß hat da noch ein umfassenderes Programm:...also keine Dienstreisen per Flieger mehr, obwohl MdB. Sommerurlaub und Sommertour durch den Wahlkreis per Rad. Second Hand Klamotten sowieso. Eigener Garten mit Bienen- und Hühnerhaltung und Mitgründen eines Mitgliederladens im Dorf, der durch regionale Versorgung die Fahrt zum Supermarkt überflüssig macht. Wenn Wochenende ist und Brot knapp, backe ich welches. Kein Fisch, Fleisch selten und nur regional von Bekannten, genauso achtsam beim Käse oder Milch Einkauf.

Ich nutze ein altes Telefon mit Kabel und möglichst keine Geräte, denen die Obsolenz schon anzusehen ist. LED - Leuchten. Fällt schwer, alles zu erfassen, weil alles schon längst selbstverständlich. Wie gesagt: weniger ist mehr. Heute gab´s Kürbiseintopf. Lecker. Und aus dem eigenen Garten.Das Thema Ernährung ist auch für Leser wie Siegfried Park ein Thema:Wir sind keine ideologischen Weltenretter. Dennoch denke ich, dass wir ressourcenärmer leben, als all die vollmundigen und unglaubwürdigen Weltenretter.Wir kaufen keine Bio-Produkte, da diese Lebensmittel den doppelten Flächenverbrauch haben als konventionelle. Außerdem bedingt Bio-Landwirtschaft eine stärkere Viehhaltung, da diese zur Düngung gebraucht werden. Wir haben zwar ein Auto, fahren aber nur ca. 6000 km im Jahr.

Wir erledigen alles was möglich ist, mit dem Fahrrad. Wir fahren oder fliegen nicht in Urlaub, da hier der größte CO2-Verbrauch entsteht. Wir heizen nur die Räume, die wir benutzen und das nur mit ca. 20 Grad. Elektrogeräte sind bei uns energieeffizent. Mich kotzt es an, wenn zur Klimakonferenz 17000 Weltenretter fahren, die natürlich alle in klimatisierten Räumen leben. Ich wüsste nicht, wo bei unserer Lebensweise noch nennenswerte Einsparungen möglich sind; vielleicht noch bei der Gebäudesanierung. Aber diese sind so kostenaufwendig, dass es sich für uns nicht lohnt, zumal wir vor 20 Jahren schon einmal Sanierungsmaßnahmen durchgeführt haben.

Die Menschen sollten erst mal selber glaubwürdig werden.Wir haben uns sehr über die vielen Zuschriften gefreut. Wer noch weitere Ideen hat, seine Erfahrungen beschreiben will oder der Community von WiWo Green zeigen will, was noch besser funktioniert, sollte das nun hier in den Kommentaren tun - und allen Teilnehmern (auch wenn wir längst nicht alle hier einfügen können) herzlichen Dank für Ihre interessanten Mails!

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