Hybrid-Triebwagen: Leiser und sparsamer auf der Schiene

Hybrid-Triebwagen: Leiser und sparsamer auf der Schiene

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Elektromotoren könnten eine Ergänzung zu sogenannten Flüsterbremsen sein, wie sie dieser Techniker einbaut.

von Wolfgang Kempkens

Durch einen zusätzlichen Elektromotor soll sich der Geräuschpegel beim Bahnfahren in Zukunft verringern. Auch der Verbrauch sinkt deutlich, zeigt der Praxistest.

Wenn künftig Hybrid-Diesel-Triebwagen durch Wohngebiete fahren, ist nur noch das Rollgeräusch zu hören. Wenn sie im Bahnhof stehen, sind sie nahezu lautlos. In beiden Fällen ist der Dieselmotor ausgeschaltet. Den Antrieb übernimmt ein Elektromotor, der sich die Arbeit mit dem Dieselaggregat teilt.

Rolls-Royce Power Systems, ein Großmotorenhersteller aus Friedrichshafen, hat jetzt unter dem Markennamen MTU – so hieß das Unternehmen früher – ein Hybrid-PowerPack vorgestellt, das eine komplette Antriebsgruppe für Triebwagen enthält: Motoren, Katalysator zur Verringerung der Stickoxid-Emissionen, einen Partikelfilter und einen Akku und natürlich vier Räder einschließlich Bremsen.

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Kraftstoffeinsparung bei bis zu 25 Prozent

Primär wird das Fahrzeug wie ein Hybrid-Pkw elektrisch gebremst. Dazu verwandelt sich der Elektromotor in einen Generator, der die Bremsenergie in Strom umwandelt, mit dem die Batterie versorgt wird. Nur wenn diese Bremswirkung nicht ausreicht, schaltet sich eine konventionelle Bremse zu. Auf Strecken mit vielen Haltepunkten beträgt die Kraftstoffeinsparung bis zu 25 Prozent. Das Hybrid-PowerPack entspricht mit EU IIIB der zweitschärfsten europäischen Emissionsrichtlinie.

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Für Kurzstreckenflüge könnte es nun eine umweltfreundliche Alternative mit Wasserstofftank und Elektromotor geben.

So soll das "HY4" künftig Passagiere lautlos über kurze Strecken transportieren. (Bild: DLR)

Der Preis des Hybrid-PowerPacks liegt um etwa 50 Prozent über dem des Antriebs ohne Elektro-Option. Klingt happig, ist es nach Aussage des Herstellers aber nicht. Schon nach zwei Jahren könne sich der Mehrpreis bezahlt gemacht haben. Weiterer Vorteil: Kleine Verspätungen können derart ausgestattete Triebwagen aufholen, indem Elektro- und Dieselmotor parallel betrieben werden. Das verbessert die Beschleunigung, reduziert jedoch die Treibstoffeinsparung.

Deutsche Bahn testete zwischen Augsburg und Türkheim

Nachdem Rolls-Royce den Antrieb bereits seit 2012 erfolgreich getestet hatte, wurde es 2015 ernst. Die Deutsche Bahn setzte einen Triebwagen mit Hybrid-PowerPack auf der Staudenbahn ein, die Augsburg und Türkheim eingleisig miteinander verbindet. 2300 Kilometer spulte der Triebwagen ab.

Die Lärmentwicklung reduzierte sich um fünf Dezibel, wenn der Zugführer auf reinen Elektroantrieb umschaltete. Das ist beinahe eine Halbierung der Lautstärke. „Das Ergebnis von gut 15 Prozent Einsparung ist hervorragend und zeigt, dass unter optimalen Bedingungen auch 20 bis 25 Prozent Kraftstoffeinsparung möglich sind,“ sagt Ingo Wintruff, Vice President Antriebe und Energieerzeugung bei Rolls-Royce Power Systems.

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