Investitionsschub: Erneuerbare profitieren von alternativen Kredit-Märkten

Investitionsschub: Erneuerbare profitieren von alternativen Kredit-Märkten

von Anna Gauto

Europas Märkte für alternative Kredite sind um 38 Milliarden Euro angewachsen. Die Erneuerbaren sind Nutznießer.

Europas Märkte für alternative Kredite sind im vergangenen Jahr um 38 Milliarden Euro angewachsen, wie eine Studie der US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) zeigt.

Darunter fällt Privatkapital (sogenannte "Private Placements") etwa in Form von Schuldscheinen sowie Direktdarlehen.

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Ein Unternehmen beschafft sich Geld dabei nicht über Kapitalmärkte sondern erhält Kapital von Privatpersonen. Privatplatzierungen haben im Vergleich zu großen Publikumsfonds den Vorteil, dass sie einem überschaubaren Investorenkreis die Möglichkeit bieten, Geld besonders kosteneffizient und nach individuellen Wünschen anzulegen.

Das kommt auch der Energiewende zugute.

KMU kommen leichter an Kredite

Laut S&P hat der deutsche Schuldschein-Markt 2014 ein Volumen von zwölf Milliarden Euro erreicht. Der europäische Markt für Direktanleihen hat sich in den vergangenen Jahren von fünf Milliarden Euro auf mehr als zehn Milliarden Euro verdoppelt.

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren von der privaten Kreditvergabe. Das wirkt sich auch auf die Branche der Erneuerbaren aus.

Denn der wesentliche Anteil der jährlichen Investitionen von 15 Milliarden Euro, die in die Erneuerbaren fließen, werde im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie in Bürgergesellschaften gestemmt, sagt der Geschäftsführer vom Bundesverband Erneuerbare Energie, Herman Falk.

Dabei gehe es etwa um Direktbeteiligungen, Fonds, Anleihen und Genussrechte oder auch Crowdfunding und privat gewährte Darlehen.

Erneuerbare profitieren von alternativen Krediten

Laut den Analysten von S&P macht das schwache Wachstum in Europa den KMU besonders zu schaffen.

Im Zuge der Finanzkrise und seit ihrem Höhepunkt 2009 seien Unternehmens-Kredite um fast 12 Prozent zurückgegangen, wie die Financial Times berichtet. Das niedrig verzinste Geld aus Privatkrediten, der historisch niedrige Ölpreis und der Juncker-Plan, der Geld in EU-Projekte pumpen soll, könnten die Konjunktur aber wieder anschieben.

Durch die Liquiditätsschwemme, die auch aus der Geldpolitik der Zentralbank resultiert, entstehe nun ein „massiver Anlagedruck auf Investoren", sagt S&P-Studienautor Mark Waehrisch. KMU, gerade auch im Bereich regenerativer Energieträger, können sich nun zu besseren Konditionen finanzieren.

"Die Erneuerbaren Energien sind inzwischen die stärkste Säule in der deutschen Energiewirtschaft. Entsprechend groß ist der Kapitalbedarf und vielfältig die Investitionsmöglichkeiten", sagt Verbandschef Falk.

Genau so wichtig wie Milliardeninvestments für Offshore-Windparks seien kleinere Genossenschaftsbeteiligungen. So lag der Anteil der "Bürgerenergie" an der installierten Leistung Erneuerbarer Energien in Deutschland bereits 2012 bei 47 Prozent (siehe Grafik).

Führen die Kredite automatisch zu mehr Wachstum?

Gleichzeitig sollten Anleger das Risiko einer Überhitzung der Märkte nicht unterschätzen, warnt S&P. Ob das Geld aus den alternativen Kreditmärkten tatsächlich zu mehr Wachstum führe, hänge auch davon ab, ob das Kapital den Unternehmen mit den größten Erfolgsaussichten zur Verfügung gestellt werde. Denn nur dann führe die private Kreditvergabe zu neuen Investitionen.

Von der expansiven EZB-Geldpolitik profitieren aus der Sicht von Falk vor allem solide Unternehmen mit klarem Energiewende-Fokus und entsprechendem Projektportfolio. "Umgekehrt lassen die Finanzinstitute diejenigen Versorger und Stadtwerke links liegen, die noch nicht in einer von Sonne, Wind und Speichern geprägten Energiewelt angekommen sind".

Allerdings ist auch Vorsicht bei Investitionen in KMU geboten. Kleinere Unternehmen haben nicht die Liquiditätspolster wie Konzerne. Da Investoren, die in KMU investieren, ein höheres Risiko tragen, sei Transparenz durch unabhängige Studien, die die Kreditwürdigkeit feststellen, essentiell, meint S&P-Autor Währisch.

Wir brauchen "soviel Verbraucherschutz wie nötig, so viel Investorenfreiheit und Verantwortung der Anleger wie möglich", sagt Falk.

In der Regel wüssten die Bürger, dass sie sich durch Genussrechte und Darlehen in ein unternehmerisches Risiko und ein langfristiges Infrastrukturprojekt begeben. Entscheidend ist laut Falk, die Qualität des Unternehmens selber sorgfältig zu prüfen.

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