Investment: Markt für grüne Anleihen verdoppelt sich auf 20 Milliarden Dollar

Investment: Markt für grüne Anleihen verdoppelt sich auf 20 Milliarden Dollar

von Caspar Schlenk

Unternehmen leihen sich immer mehr Geld am Kapitalmarkt für ihre grünen Projekte – die Anleihen sind unter Investoren beliebt.

Die internationalen Wirtschaftsmedien schreiben euphorisch über grüne Anleihen. „Bond markets join the  green revolution“ war kürzlich in der Financial Times zu lesen. Der britische Economist titelte: „Green Bonds – Spring in the air.“

Die Jubelarien scheinen berechtigt: Auf 20 Milliarden US-Dollar (14,7 Milliarden Euro) soll der Markt für grüne Unternehmensanleihen in diesem Jahr wachsen, sagt die Ratingagentur Standard & Poor’s in einem aktuellen Bericht voraus. Damit würde sich der Markt im Vergleich zu 2013 verdoppeln.

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Anleihen für den Kampf gegen den KlimawandelMit den sogenannten grünen Anleihen sollen die Unternehmen Projekte anschieben, die die Erderwärmung aufhalten und den Klimawandel abschwächen. Sie leihen sich also am Kapitalmarkt Geld, um etwa ein Solarkraftwerk oder Windparks zu finanzieren.

Um Trittbrettfahrer auszubremsen, die es mit der Mittelverwendung nicht so genau nehmen, haben 25 Institute wie die Deutsche Bank oder Morgan Stanley sich selber Green-Bond-Principles auferlegt (hier ist das Dokument als PDF). Diese forderten etwa eine regelmäßige Berichterstattung über die Mittelverwendung, sagte Navindu Katugampola von Morgan Stanley der Neuen Züricher Zeitung.

Wer Wert darauf legt, dass die finanzierten Projekte einen möglichst hohen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sollte sich die einzelnen Vorhaben immer genau anschauen, raten Experten. Bislang stecken vor allem institutionelle Investoren wie Pensionsfonds ihr Geld in die grünen Anleihen.

Boom der Green BondsGrüne Finanzprodukte sind noch vergleichsweise jung: 2008 gab die Weltbank Anleihen heraus, um ihre Umweltprojekte damit zu finanzieren. Die Summen beliefen sich auf einige Millionen Dollar, es gab wenig Anleger.

Seit dem vergangenen Jahr boomt der Markt. Der privatwirtschaftliche Arm der Weltbank sammelte eine Milliarde US-Dollar (735 Millionen Euro) mit einer grünen Anleihe ein. Im November folgte das französische Energieunternehmen EDF, das sich 1,4 Milliarden Euro für Grünstromprojekte am Kapitalmarkt lieh. Die Anleger waren begeistert: Die Unternehmensanleihe war zweifach überzeichnet.

Weitere internationale Unternehmen folgten: Der Autobauer Toyota sammelt etwa Geld, um Kundenkredite für seine Hybrid- und Elektroautos zu finanzieren. Und der Konsumgüterhersteller Unilever wollte mit dem Geld der Anleger sein Abfallaufkommen reduzieren und weniger Wasser verbrauchen. Erst kürzlich hat sich der französische Energiekonzern GDF Suez mit 2,5 Milliarden Euro an grünen Anleihen eine Rekordsumme am Kapitalmarkt geholt. Das Unternehmen will damit etwa eine Windfarm finanzieren. Experten sehen die grünen Anleihen auf dem Weg zu einem Mainstream-Finanzprodukt.

Jedes Jahr eine Billion US-DollarDerzeit kämen immer neue grüne Finanzprodukte auf den Markt, sagt Katugampola von Morgan Stanley. Auch Vorhaben für Gebäude- und Produkteffizienz, Energiespeicherung, Wasseraufbereitung oder Landwirtschaft würden künftig mit den grünen Anleihen finanziert.

Das ist dringend nötig, wie die Internationale Energiebehörde (IEA) in einer Analyse festgestellt hat. Bis 2020 müssten die jährlichen Investitionen in grüne Technik auf ungefähr eine halbe Billionen US-Dollar steigen und bis 2050 auf eine Billion, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Gehe es weiter wie bisher, sieht die Organisation eine globalen Erwärmung von sechs Grad mit katastrophalen Folgen voraus (hier der Report als PDF).

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