Investment: Staatsanleihen nachhaltiger Länder bringen mehr Rendite

Investment: Staatsanleihen nachhaltiger Länder bringen mehr Rendite

von Jan Willmroth

Schuldpapiere von nachhaltig wirtschaftenden Ländern entwickeln sich langfristig besser, zeigt eine Analyse.

Die europäische Schuldenkrise ist noch lange nicht vorüber, die USA kämpfen mit einer Rekordverschuldung und einem innenpolitischen Streit, der den Ausweg aus den Schulden schwierig macht. Welchen Staaten kann man noch guten Gewissens sein Geld leihen, ohne mit Niedrigstzinsen leben zu müssen? Wo verdient man langfristig am meisten Geld? Diese Fragen treiben weltweit Investoren um – und eindeutige Antworten kennt bei so viel Unsicherheit niemand.

Ein aktueller Report der Schweizer Bank Sarasin bietet zumindest ein paar Anhaltspunkte: Langfristig laufen Staatsanleihen von Ländern besser, die nachhaltig wirtschaften. Analysten der Bank haben dazu errechnet, welche Länder nach heutigen Kenntnissen eher in der Lage sind, ein langfristiges Wachstum zu ermöglichen. Das sei nämlich eine Grundvoraussetzung, die Schulden auch zurückzuzahlen. In den vergangenen sieben Jahren haben sich die Schuldpapiere nachhaltiger Staaten besser entwickelt als der weltweite Durchschnitt – und sehr viel besser als Staatsanleihen nicht-nachhaltiger Länder.

Anzeige

Im Zentrum der Analyse stehen die Verfügbarkeit und die effiziente Nutzung von natürlichen, sozialen und wirtschaftslichen Ressourcen. Dazu gehören beispielsweise Rohstoffe, Land, Wasser, Demografie und öffentliche Verschuldung. Ebenso fließen ökonomische und politische Größen wie Inflation, Korruption oder die Kluft zwsichen Arm und Reich in die Berechnungen ein. Während eine große Menge an fossilen Rohstoffen die Bewertung verbessert, wirken sich Korruptionisprobleme negativ aus.

Das Ergebnis verwundert zunächst nicht – und es hat auch nicht direkt etwas mit Nachhaltigkeit zu tun: Länder mit vielen Ressourcen wachsen mittelfristig schneller, mit positivem Einfluss auf deren Staatsanleihen. Während in den vergangenen Jahren vor allem die Menge an Ressourcen in einem Land ausschlaggebend gewesen sei, erwarten die Analysten, in Zukunft werde deren effiziente Verwendung immer wichtiger. Die Idee: Wenn Rohstoffe knapp werden, profitieren am Ende jene Länder, die sie am nachhaltigsten bewirtschaften und deshalb möglichst lange davon haben.

Bei den Industrieländern nennt die Bank Deutschland, Schweden und die Schweiz als positive Beispiele. Zu den nicht-nachhaltigen Industrieländern zählen die Analysten etwa die USA und die Krisenstaaten Spanien, Portugal und Griechenland. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise und im Verlauf der europäischen Schuldenmisere haben sich die beiden Kategorien deutlich auseinanderentwickelt, wie die Grafik zeigt:

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Autoren bei Schwellenländern. Nach den Sarasin-Kriterien zählen zum Beispiel Brasilien, Peru und Indonesien als nachhaltige Länder, Negativbeispiele sind etwa China und Südafrika. Bei den Schwellenländern war die Differenz noch deutlicher ausgeprägt: Ende Dezember waren die Staatsanleihen nachhaltiger Schwellenländer um 77 Prozentpunkte mehr wert als die ihrer nicht-nachhaltigen Pendants. Im Schnitt waren Investments in Papiere nachhaltiger Staaten zudem weniger riskant.

Der Analyse zufolge könnte sich also ein Blick auf Nachhaltigkeitsrankings lohnen, bevor man sein Geld in Staatspapiere steckt. Das tun seit einiger Zeit auch vermehrt institutionelle Anleger, also zum Beispiel Rentenfonds und Versicherungen. Die hatten nun ein paar Jahre Zeit, um nicht mehr nur den Bonitätsnoten von Moody’s und Co. zu vertrauen. Das gilt auch für Privatanleger. Und nicht zuletzt tut es dem Gewissen gut – denn in nachhaltig wirtschaftenden Ländern sind die privaten Ersparnisse im Zweifel besser angelegt.

Linktipps: Nachhaltigkeitsrankings gibt es bei verschiedenen Ratingagenturen, zum Beispiel bei der Münchner Agentur Oekom Research. Der Weltenergierat hat kürzlich Staaten anhand der Nachhaltigkeit ihrer Energieversorgung bewertet (pdf).

 

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%