Investment: Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Geldanlagen?

Investment: Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Geldanlagen?

Immer mehr Kunden verlangen nachhaltige Geldanlagen. Wie Banken und Fonds darauf reagieren.

Die heutige Mittagskolumne stammt von dem Autor Werner Schwanfelder, der sich in seinem neuen Buch “Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Gewinnbringend und nachhaltig investieren” mit den Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage auseinandersetzt. Dies ist die zweite Folge seiner Kolumne. Die erste findet man hier.

Die Definition von Nachhaltigkeit ist mittlerweile gesichert. Trotzdem will ich sie hier noch einmal wiederholen. Ich halte mich an die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags: Nachhaltigkeit besteht aus drei Komponenten ‒ einer ökologischen, ökonomischen und sozialen. Damit sind wir beim Drei-Säulen-Modell: 

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Die ökologische Nachhaltigkeit beschäftigt sich mit der Erhaltung von Natur und Umwelt für die nachfolgende Generation. Die ökonomische Nachhaltigkeit beschreibt wirtschaftliches Handeln mit dem Ziel eines dauerhaften Wohlstands. Hierzu gehört der Schutz wirtschaftlicher Ressourcen vor der Ausbeutung. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet, dass man zum einen Kostenbewusstsein entwickelt, zum anderen aber auch die Notwendigkeit von sinnvollen Investitionen erkennt. Die soziale Nachhaltigkeit bezieht sich auf der möglichen Teilnahme aller Menschen an der Gemeinschaft. Vermutlich sollte man den sozialen Begriff aber weiter fassen. Es geht darum, wie wir unsere Mitmenschen behandeln.

Nachhaltigkeit ist aber ein ganzheitlicher Ansatz und darf nicht nur ökologisch betrachtet werden (was häufig geschieht), sondern in enger Verbindung mit sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Die zentrale Frage lautet: Welches Handeln gewährleistet, dass auch künftige Generationen davon profitieren oder zumindest keinen Schaden nehmen?

In dem Abschlussdokument der von den Vereinten Nationen eingesetzten Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, dem sogenannten Brundtland-Bericht, "Unsere gemeinsame Zukunft" aus dem Jahr 1987 wird das Konzept der Nachhaltigkeit wie folgt definiert: "Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."

Das von diesem Leitgedanken inspirierte Konzept der Dauerhaftigkeit und Zukunftsfähigkeit stellt einen Paradigmenwechsel dar und wird zum Schlüsselbegriff für so manche Entscheidung für oder gegen eine Geldanlage. Für eine neue Generation von Anlegern steht an erster Stelle die Erfüllung von Nachhaltigkeit, und dann erst folgen die bekannten Parameter wie Sicherheit, Rendite und Liquidität.

Finanzkrise ändert AnlegerverhaltenSomit werden "nachhaltige Vermögensanlagen" aus ihrem Nischendasein befreit und gelangen in die Gunst der Anleger. Diese veränderte Einstellung der Geldanleger ist nichts anderes als ein Abbild des gesellschaftlichen Wandels. Die ersten Veränderungen konnte man bereits Mitte der Neunzigerjahre beobachten, aber erst durch die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise hat diese Idee größeren Zuspruch erhalten. Den Investoren liegt es zunehmend am Herzen, bei ihrer Anlageentscheidung neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien zu berücksichtigen.

Mittlerweile haben auch die Unternehmen (als Investitionsobjekt) und die Banken (als Investitionsvermittler) dies erkannt und sich auf die Nachfrage eingestellt. Sie müssen sich diesem neuen Trend stellen, da die Geldanleger, also die Kunden, nachhaltige Produkte verlangen. Geschäfte in dieser Sparte macht nur der, der im Trend ist. Darum beugen sich die Banker dem Druck ihrer Kunden ‒ ein Zeichen dafür, dass die Geldanleger eine Chance haben, mit ihrem Geld Einfluss zu nehmen.

Ehe wir ganz pragmatisch die Parameter nachhaltiger Geldanlagen untersuchen noch eine generelle Aussage: Die einfachste Lösung scheint mir (für alle Menschen, die am wirtschaftlichen Geschehen beteiligt sind), verantwortliches Handeln zu sein. Verantwortliches Handeln beinhaltet Umsicht und Überlegung. Jeder Mensch sollte sich um sachgerechtes Handeln bemühen, bei dem die Interessen und Bedürfnisse der anderen angemessen berücksichtigt werden.

Merksatz: Meine Geldanlage muss in einem ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn nachhaltig sein. Es ist die Verantwortung der Banken, solche Angebote zu unterbreiten. Es ist meine Verantwortung nach solchen Angeboten zu suchen, sie zu verstehen und ausschließlich in sie zu investieren.

Toprendite versus Ethik?Inwieweit rentiert sich eine nachhaltige Geldanlage? Ethische Geldanlagen weisen nicht immer Toprenditen auf. Wer sich mit ethischen Geldanlagen beschäftigt, der hat nicht nur die eigenen Interessen im Blick, sondern denkt ganzheitlich. Durch dieses Investment soll in einzelnen Unternehmen und in der Gesellschaft eine Veränderung stattfinden, die die Welt ‒ im Großen und im Kleinen ‒ wertvoller machen soll.

Wirtschaftlicher Erfolg wird aber nicht nur mit ethisch motiviertem Handeln erzielt. Er gründet auf drei Säulen: auf der ökonomischen Kompetenz von Unternehmern und Managern (wirtschaftliches Handeln), auf der wissenschaftlichen oder technischen Intelligenz der Produktentwickler, Techniker, Forscher (technologische Fähigkeiten) und auf den juristischen und organisatorischen Kenntnissen (Unternehmensführung).

Die Unternehmensverantwortlichen müssen über diese drei Kompetenzen verfügen. Wir ergänzen sie nun durch eine vierte Säule: eine ethische Unternehmenskultur. Sie verbindet Mitarbeiter mit dem Unternehmen, also mit Produkten und Prozessen. Unternehmenskultur ist messbar an der Mitarbeiterzufriedenheit, am Betriebsklima. Wirtschaftliches Handeln ist dann besonders erfolgreich, wenn das Unternehmen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit aufweist.

Profit und Ethik ergänzen sich gegenseitig und bedingen einander. Eine gut funktionierende Ethik im Wirtschaftsbereich ist ohne Profit nicht finanzierbar, und Gewinnmaximierung ist ohne Ethik suboptimal. Unter dieser Voraussetzung verhilft ethisch motiviertes unternehmerisches Handeln zu mehr Erfolg. Dann wird auch Ingun Spiecker-Verscharens Aussage aus dem Jahr 2010 keine Relevanz mehr haben: »Ökonomie verhält sich zu Ökologie wie Geldanlage zu Grünanlage.«

Norwegen als VorbildAus dem Vortrag des ausgeschiedenen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann über »Profit und Moral« in der Evangelischen Akademie Tutzing am 15.03.2009 (wiedergegeben u.a. in der Süddeutschen Zeitung) ist mir eine gute Bemerkung im Gedächtnis geblieben: Nach seiner Einschätzung stellt sich die Frage nach Ethik und Moral nicht beim Gewinn an sich, wohl aber bei der Art der Gewinnerzielung.

Diese Art der Gewinnerzielung möchte ich an einem Beispiel aus dem Jahr 2007 erläutern. In Norwegen gibt es einen staatlichen Pensionsfonds, der Beteiligungen an sieben Unternehmen verkauft hat, weil sie an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind. Das ist aufgrund einer Empfehlung des nationalen Ethikrats geschehen.

Die Begründung erscheint mir besonders wichtig: »In den Richtlinien für den Ethikrat ist klar festgeschrieben, dass es zwei Grundlagen für die ethischen Richtlinien gibt: Als Erstes sollen die Fonds ordentlich Profit abwerfen – für unsere Zukunft. Es ist ein Sparbuch, das den künftigen Generationen Freude bereiten soll. Denn das ist auch ethisch. Und als Zweites wollen wir unethisches Handeln nicht unterstützen. Viele meinten, diese beiden Grundsätze seien schwer zu vereinbaren, doch unsere Regelung baut eine Brücke zwischen den Zielen, so dass man beides auf einmal erreichen kann.« (Gro Nystuen, Tagesschau, 25.08.2007)

Auch Schwergewichte satteln umEs gibt eine ähnliche Meldung vom niederländischen Pensionsfonds ABP. Er hat die Unternehmen Wal-Mart und Petrochina ausgeschlossen, weil diese Konzerne nicht die Prinzipien des UN Global Compact erfüllen. Der Fonds legt immerhin ca. 240 Milliarden Euro an, ist also ein »Schwergewicht« unter den Anlegern.

Ethik ist also kein verlorenes Paradies, kein fernes Elysium, sondern stellt eine kühne neue Rangordnung der Werte dar. Profit und Reputation werden nun als unternehmerische Herausforderungen gleichgestellt. »Ethik ist fortan mit der Legitimation der Wall Street als Thema der Unternehmenskommunikation und des Risikomanagements etabliert«, erklärte Peter Seele, der Vorsitzende des Schweizer Netzwerks Wirtschaftsethik, in seinem Jahresbericht Ende Februar 2010. Sein Bericht sei ein »Meilenstein der Anerkennung und Berechtigung einer Wirtschaftsethik«, war in der Neuen Zürcher Zeitung am 28.04.2010 zu lesen.

Merksatz: Ich will in erfolgreiche Unternehmen investieren. Das sind Unternehmen mit ökonomischer Kompetenz (wirtschaftliches Handeln), mit wissenschaftlicher oder technischer Intelligenz (technologische Fähigkeiten) und ausgezeichneten juristischen und organisatorischen Kenntnissen (Unternehmensführung). Aber sie müssen auch eine ethische Unternehmenskultur aufweisen. Das werden die Sieger der Zukunft sein.

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