Investment: Zocken oder Gutes tun?

Investment: Zocken oder Gutes tun?

Warum bei der Geldanlage Rendite nicht alles ist - und wir uns immer fragen sollten, ob unser Investment auch künftigen Generationen hilft.

Die heutige Mittagskolumne stammt von dem Autor Werner Schwanfelder, der sich in seinem neuen Buch "Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern. Gewinnbringend und nachhaltig investieren" mit den Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage auseinandersetzt. Wir werden in mehreren Folgen jeweils einen Auszug aus seinem Buch veröffentlichen.

Welchen Nutzen hat für uns die Philosophie? Sie hilft, für das eigene Leben Normen und Werte aufzustellen. Sie trägt dazu bei, der eigenen Person eine spezifische Identität zu geben. Sie hilft, sich zu verändern, die Chancen des Wandels wahrzunehmen, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen, ob man sich gemäß den eigenen Normen und Werten verhält. Die Philosophie hilft auch, die Zeit zu verstehen und zu nutzen.

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Was bedeutet das für die Geldanleger? Jede Entscheidung, auch die für eine Geldanlage, unterliegt einer Güterabwägung. Viele Menschen machen dies instinktiv, aus dem Bauch heraus. Die Philosophie kommt erst ins Spiel, wenn die Güterabwägung aufgrund eines Normen- und Wertekatalogs erfolgt. Die Vorgehensweise ist insbesondere dann bestimmend, wenn es um Entscheidungen für eine werteorientierte oder nachhaltige Geldanlage geht. Der Geldanleger überlegt, welches Investment welcher Ausprägung er tätigen will. Stehen diese Ausprägungen im Einklang mit seinen Normen und Werten? Wenn dies zutrifft, kann er den Entscheidungsprozess abschließen.

Die größte Erkenntnis, die einem die Philosophie zu schenken vermag, ist die, dass es eine absolute Wahrheit - und damit endgültiges Wissen - nicht gibt. Die eigenen Erkenntnisse sind nie wahr und eindeutig. Bei der Entscheidung für eine Geldanlage muss man auch erkennen, dass man nicht über alle notwendigen Informationen verfügt. Eine solche Entscheidung geschieht immer unter Bedingungen von Unsicherheit.

Ich habe dazu ein wunderbares Zitat gefunden. Als Papst Johannes XXIII. kurz nach seiner Wahl zur päpstlichen Unfehlbarkeit befragt wurde, antwortete er: »Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen.«

Die Philosophie erzieht zu Bescheidenheit, besonders wenn es um die Qualität des eigenen Wissens geht. Denn wenn ich weiß, dass meine Werte immer nur mich selbst verpflichten, kann ich auch akzeptieren, dass andere Werte genauso berechtigt sind wie meine eigenen. Dies trifft auch für die Definition des Begriffs Nachhaltigkeit zu, denn auch Nachhaltigkeit lässt viele Ausprägungen zu.

Mit Geld das Leben verbessernDie Philosophie kann helfen, die Sinnfrage zu klären. Mein Tun, insbesondere dann, wenn es zielgerichtet ist, hängt natürlich von meinem Lebenssinn ab. Welchen Sinn verbinde ich mit meiner Geldanlage? Will ich zocken oder Gutes tun? Und wenn ich Gutes tun will, was ist es dann? Die Beantwortung dieser Frage ist für die gesamte Geldanlage-Strategie verantwortlich.

Die Sinn-Kette könnte beispielsweise folgendermaßen lauten: Der Sinn meines Lebens ist, die Existenz meiner Familie zu sichern. Der Sinn meiner Arbeit ist, in einem Unternehmen die Krebsforschung zu beflügeln. Der Sinn meiner Geldanlage könnte sich daraus ergeben: Rendite, Bewahrung und Förderung des medizinischen Fortschritts.

Die Philosophie kann mich bei diesem Prozess unterstützen. Ihr kann man entnehmen: Dein Leben hat so viel Sinn, wie du ihm einräumst. Von diesem Sinn leiten sich alle Strategien und Maßnahmen deines Lebens (nicht nur der Geldanlage) ab. Die Geldanlage soll darum im Folgenden in die persönliche Lebensphilosophie integriert werden.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf die Geldanlage?

Der amerikanische Autohersteller Henry Ford hat einmal gesagt: »Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens.« Das bedeutet, wir haben mit unserer Geldanlage die Absicht, unser Leben und das der anderen zu verbessern.

Fragen wir uns: Welches profitable Handeln gewährleistet, dass mein Investment auch künftigen Generationen hilft, sie profitieren lässt oder dass sie zumindest keinen Schaden nehmen?

Dies sei anhand eines Beispiels erläutert: Ich stehe vor der Entscheidung, ob ich in eine Waffenfabrik oder in ein Krankenhaus investieren soll. Dies ist zunächst nur eine Differenzierung im jeweiligen Unternehmenszweck. Es hat noch nichts mit einer Renditeerwartung zu tun. Krankenhäuser können unter Umständen besser wirtschaften als Militärfabriken, die am Rande der Legalität operieren. Es ist aber meine persönliche, ethisch orientierte Entscheidung: töten oder helfen.

Nachhaltiges Investment ist als Protestbewegung entstanden. Aber es muss nicht nur Protest sein, es kann vielmehr profitables Investment in wertvolle Unternehmen sein. Die Vision ist sogar, dass nachhaltige Unternehmen besser abschneiden als nicht nachhaltige Unternehmen.Gregor Vogelsang, derzeit operativer Geschäftsführer der Burda Magazine Holding, sagte, als er noch Manager des US-Technologie-Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton war: "Ein Unternehmen, das auf Werte wert legt, ist langfristig gesehen auch am Ende mehr wert."

Man ist geneigt dem zuzustimmen. Was aber sind "wertvolle" Unternehmen, in die man investieren kann? Hierüber gehen die Meinungen auseinander. Es ist offensichtlich, dass der Geldanleger Wegweiser benötigt, um zu den wertvollen, nachhaltigen Unternehmen zu gelangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt vor einiger Zeit treffend: »Auf Dauer ist kein Wirtschaftswachstum vorstellbar, das auf Raubbau an der Natur oder auf sozialen Ungerechtigkeiten beruht. Diese Erkenntnis ist Ausdruck unserer Verantwortung nicht nur für die jetzige, sondern auch für künftige Generationen.«

Merksatz: Ich gehe in meiner Vision davon aus, dass nachhaltige Unternehmen beim Wirtschaften besser abschneiden als nicht nachhaltige Unternehmen.

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