Kolumne: Wie nachhaltig ist Coca-Cola?

Kolumne: Wie nachhaltig ist Coca-Cola?

Coca-Cola ist weltweit wahrscheinlich bekannter als der liebe Gott. Doch immer wieder erntet der Konzern heftige Kritik. Wie grün ist das Unternehmen wirklich?

Frank Wiebe ist Autor des Buches “Wie fair sind Apple & Co? – 50 Weltkonzerne im Ethik-Test”, das am 1.Februar erscheint. Wiebe ist Redakteur und Kolumnist des “Handelsblatts” und lebt in New York. Bei WiWo Green lesen Sie in den nächsten Wochen Auszüge aus seinem Buch. Im Buch wird der Text ergänzt durch Kennzahlen, ein exklusives Rating von Oekom Research und andere Einschätzungen sowie eine eigene Bewertung des Autors nach einem fünfstufigen System.

Coca-Cola ist weltweit wahrscheinlich bekannter als der liebe Gott. Nach Angaben des Konzerns ist das Getränk in mehr als 200 Ländern zu kaufen, offiziell nicht zu kaufen ist es in Nord-korea und Kuba, Bolivien kündigte 2012 ebenfalls ein Verbot an. Dabei ist Coca-Cola nur eine der rund 500 Marken des Konzerns, mit allen Varianten sind 3500 verschiedene Getränke im Angebot. Bei einem derart bekannten Unternehmen wundert es nicht, dass sich darum allerlei Mythen ranken.

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Zum Beispiel heißt es, Coca-Cola habe den Weihnachtsmann erfunden. Tatsächlich hat der Konzern ab 1931 den Weihnachtsmann, oder Santa Claus, wie ihn die Amerikaner nennen, in seiner Werbung eingesetzt. Nach einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" aus dem Dezember 2007 gab es ihn allerdings in ganz ähnlicher Verkleidung schon im 19. Jahrhundert. Umwölkt von Geschichten ist auch das Thema Kokain. Offenbar hat Coca-Cola in den ersten Jahren geringe Mengen davon enthalten. Und manchmal heißt es, noch heute würden bestimmte Bestandteile der Coca-Pflanze verwendet. Das Unternehmen streitet das ab, hält aber die Mischung geheim, was die Mythenbildung natürlich beflügelt und so wahrscheinlich dem Absatz nützt.

Dann gibt es Geschichten über die Wirkung von Cola. Der Berliner "Tagesspiegel" hat dazu im Mai 2011 den Ernährungsmediziner Helmut Rottka befragt. Der bestätigt, dass sich ein Stück Fleisch in Cola auflöst und führt das auf die darin enthaltene Phosphorsäure zurück, die auch Calcium aus den Knochen zieht. Er rät daher Kindern von dem Getränk ab. Den hohen Zuckergehalt hält er für weniger dramatisch – der sei bei Orangensaft auch gegeben. Und der Koffeingehalt sei nur halb so hoch wie bei Kaffee.

Cola macht dick? Von wegen, behaupten die BrausemacherDas Unternehmen selbst zitiert Studien, nach denen es keinen Zusammenhang zwischen Softdrinks und Fettleibigkeit bei Kindern geben soll. Allerdings mehrt sich die Kritik an süßen Getränken, vor allem in Südamerika. Die Stadt New York verbietet sogar demnächst den Verkauf in XXL-Pappbechern, um das Übergewicht der Bürger zu bekämpfen.

Das schwierigste Thema für das Unternehmen heißt Wasser. Eines muss man zwar einräumen: Bei den meisten Marken des Konzerns handelt es sich nicht um Mineralwasser, es wird also nicht aufwendig Wasser von einem Teil der Welt in einen anderen transportiert – eine Übung, die aus ökologischer Sicht nicht gerade vorteilhaft ist. Abgefüllt wird regional. Das schafft auch regionale Arbeitsplätze und reduziert den Aufwand für den Transport.

Im Jahr 2004 brauchte das Unternehmen im Durchschnitt noch 2,7 Liter Wasser, um einen Liter Cola herzustellen. Nach eigenen Angaben wurden 1,7 Liter für den Produktionsprozess benötigt, vor allem fürs Spülen, Säubern und Kühlen. 2010 war eine Verbesserung auf 2,26 Liter erreicht, für 2012 lag das Soll bei 2,17 Litern. Das bedeutet aber: Man benötigt immer noch die doppelte Wassermenge, um diese Getränke herzustellen. Der Konzern bemüht sich aber, möglichst viel Wasser aus dem Produktionsprozess entweder gesäubert an die Umwelt zurückzugeben oder selbst wiederzuverwenden. Und ab dem Jahr 2013 sollen die Abfüller – es gibt rund 900 weltweit – jeweils einen "Wasserschutzplan" vorlegen.

Wasser wird auch bei der Produktion von Zucker benötigt. Der Konzern hat hierzu eine umfangreiche Studie erstellt und verschiedene Anbaugebiete in mehr und in weniger problematische Regionen unterteilt. Dabei werden unter anderem Gegenden in Griechenland und Spanien als problematisch eingestuft. In Indien gab es auch immer wieder Ärger, weil Behörden Coca-Cola und dem Konkurrenten Pepsi vorwarfen, dass ihre Getränke zu viele Schadstoffe enthielten.

Wasser, Zucker, Energie sind die Ökobaustellen des KonzernsDer Konzern stritt das zum Teil ab und verwies darauf, die einheimischen Getränke seien nicht entsprechend geprüft worden. Interessant ist ein Artikel der "Süddeutschen Zeitung" von August 2003, der auf einem Gespräch mit der damaligen Direktorin des Zentrums für Wissenschaft und Umwelt in Neu Delhi beruht. Sie sagt, dass praktisch alle Getränke wegen der schlechten Wasserqualität zu hohe Belastungen aufwiesen – man habe aber Coca-Cola und Pepsi herausgegriffen, um so möglichst viel Aufmerksamkeit für das Problem zu erregen.

Neben Wasser und Zucker gibt es noch weitere Probleme. Einmal spielt Energie eine große Rolle – Cola wird meist gekühlt getrunken, und das kostet sehr viel Strom. Der Klima-Fußabdruck, also der Ausstoß von CO2, wird hiervon vor allem geprägt. Der Konzern bemüht sich aber um mehr Energieeffizienz.

Ein weiterer Punkt sind die Verpackungen. Rund die Hälfte der Getränke wird in PET-Flaschen ausgeliefert. Das Ziel lautet, bis 2020 möglichst alles aus pflanzlichem Material herzustellen. Außerdem soll bis 2015 die Hälfte aller Verpackungen recycelt werden.

Auch Arbeitnehmer klagenWie werden Mitarbeiter behandelt? Hier gab es immer wieder Vorwürfe, Gewerkschafter aus Kolumbien, die bei Coca-Cola arbeiteten, seien in den 90er-Jahren Opfer von Gewalt geworden. Der Konzern machte sich nur sehr halbherzig an die Aufklärung der Vorgänge und setzte sich damit selbst in ein schlechtes Licht – einer der Gründe dafür, dass es immer wieder gerade aus dem Bereich der Universitäten und zum Teil auch der Kirchen Aufrufe zum Boykott gegeben hat.

Der Konzern selbst kontrolliert seine Zulieferer und führt darüber auch Buch. Er räumt allerdings ein, dass es in El Salvador zum Teil Kinderarbeit auf Zuckerfarmen gebe. Von Oxfam ließ er sich für dieses Land und für Sambia eine Studie erstellen, nach der die Anwesenheit des Konzerns die Armut in dem Land lindert. Oxfam ist sicherlich eine glaubwürdige Organisation.

Auf der anderen Seite fragt sich doch, ob ohne Coca-Cola nicht andere Getränke in ähnlicher Weise zur Schaffung von Arbeitsplätzen führen würden. Darüber hinaus gibt es ein Programm zur Förderung von Frauen – es soll 2020 rund fünf Millionen Frauen erreichen. Dazu hat der Konzern ein Video gedreht, das glückliche afrikanische Frauen beim Verkauf von Coca-Cola zeigt. Auch hier fragt sich: Könnten die nicht genauso gut andere Getränke verkaufen? Und bringt dieser Verkauf wirklich eine wertvolle Qualifikation?

Das Video wirkt eher peinlich.

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