Kolumne: Wieso Hightech und Nachhaltigkeit zusammengehören

Kolumne: Wieso Hightech und Nachhaltigkeit zusammengehören

Ignoranz gegenüber Menschen und Umwelt macht weder eine Gesellschaft noch Unternehmen zukunftsfähig.

Am heutigen Freitag tagt der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) in Berlin, um den Deutschen Nachhaltigkeitskodex zu diskutieren. Dieser will die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen transparent und vergleichbar in einer Datenbank zusammen führen. Warum Gesellschaft, Unternehmen und Medien sich überhaupt mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen sollten, erklärt RNE-Generalsekretär Günther Bachmann in seinem Gastbeitrag.

Alle sagen, dass sie es wollen und bezweifeln zugleich, dass andere es ebenso wollen. Bei Bürgern und Konsumenten heißt es, die Politiker redeten nur und täten nichts; Unternehmen würden sich nur geschickt grün anstreichen; „bewusster Einkauf“ kompensiere nur das schlechte Gewissen und die Bequemlichkeit.

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Aber das ist falsch. Die Rede ist von Nachhaltigkeit und der Green Economy, der nachhaltigen Wirtschaft.

Im Maschinenraum der Politik geschieht mehr als auf der Kommandobrücke ankommt. In den Unternehmen werden Richtungsentscheidungen getroffen und Produktlinien verändert. Vielen Konsumenten ist es ernst und sie würden weit mehr tun, bekämen sie nur die Möglichkeit.

Natürlich, das geschieht nicht überall, nicht automatisch, nicht immer richtig, und selbst im Richtigen nicht immer richtig kommuniziert. Mitunter wird auch tatsächlich Schindluder getrieben. Noch gravierender: Wir lernen erst mühsam, mit der Ambivalenz unvollständiger und unsicherer, aber notwendiger Schritte zur Nachhaltigkeit umzugehen. Das macht die Sache oft schwer zu durchschauen, als wäre sie allein nicht schon kompliziert genug.

Hier ist auch die journalistische Praxis gefragt und herausgefordert. Das nachhaltige Wirtschaften braucht größere journalistische Aufmerksamkeit. Und es verdient sie auch. Schließlich sind Medienkonzerne auch Unternehmen, die sich wie alle anderen den Anforderungen einer nachhaltigen Unternehmensführung stellen. Wo journalistische Information und kritische Recherche Hand in Hand gehen, trägt dies zur verbürgten Nachhaltigkeit bei und macht Entscheidungen transparent und nachvollziehbar, das heißt glaubwürdig.

Neun Milliarden Menschen wollen Wohlstand und WachstumDas Engagement zur Nachhaltigkeit entsteht weder aus Zufall oder weil es sonst nichts zu tun gäbe noch aus purem Altruismus. Sondern weil Bonuskultur und Jobhopping, strohfeuernde Phantasiefinanzprodukte, das kleine Karo aus Steuerflucht und Subventionsshopping, die Ignoranz gegenüber Menschen und Umwelt keine Zukunftsbausteine sind. Sie vernachlässigen die Investitionen, die Weitblick und Mut erfordern. Gerade davon brauchen wir viele: in der Energiewende, in der Kreislaufwirtschaft, bei einer an die Demographie angepassten Wirtschaft.

Bald werden es neun Milliarden Menschen sein, die Wohlstand und Wachstum (nicht irgendwelcher Zahlen, sondern der Lebensqualität) verdienen und die das in einer enger werdenden Umwelt mit den Restriktionen aus dem Klimawandel und den natürlich vorhandenen Ressourcen bewerkstelligen müssen. Hier mit zu tun und Lösungen zu schaffen – gibt es einen sinnvolleren Ansporn für eine weltoffene und am Export interessierte Hightech-Gesellschaft?

Information, Infrastruktur und Innovation – die drei großen I - verursachen erst einmal Kosten und verhageln die normale betriebswirtschaftliche Bilanz. Die gute Nachricht ist, dass die ohnehin nicht stimmt, weil sie ohne den Wirt, sprich die Umwelt und die Sozialkosten aufgestellt ist.

Die zweite gute Nachricht ist, dass es unter den politischen Konzepten und im unternehmerischen Denken sowie in der Wissenschaft durchaus Anknüpfungspunkte für eine engagierte Ausgestaltung der nachhaltigen Wirtschaft gibt.

Die Nachhaltigkeitsstrategien von gesellschaftlichen Gruppen, Unternehmen und Staat werden besser, wenn sie technologische Exzellenz, soziales Engagement und ökologische Kompetenz mit einem Sinn für Symbolik, Ästhetik und Kultur verbinden. Nachhaltigkeit ist eine Frage des Selbstvertrauens, nicht der Opportunität und strategischer Spiele. Das gilt es zu verstehen und das Verstehen im Tun zu schärfen.

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