Landwirtschaft: Umweltministerin fordert "radikales Umdenken"

Landwirtschaft: Umweltministerin fordert "radikales Umdenken"

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)

Bauern sollten viel stärker gefördert werden, wenn sie etwas für den Naturschutz tun, meint Umweltministerin Hendricks. Insbesondere der Anbau von Energiepflanzen trage zum Verlust bedrohter Arten bei.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fordert deutlich mehr Artenschutz in der Landwirtschaft. Trotz vieler Bemühungen im Naturschutz gebe es weiter große Artenverluste etwa bei Schmetterlingen und Vögeln. „Das ist vor allem auf die Art und Weise zurückzuführen, wie wir Landwirtschaft betreiben. Wir brauchen also in diesem Bereich ein radikales Umdenken, damit wir endlich Erfolg beim Artenschutz haben“, sagte Hendricks dem Magazin „Mehrwert“ (München), das von ihrem Ministerium gefördert wurde.

Landwirte sollten daher für Leistungen im Naturschutz deutlich mehr EU-Fördermittel erhalten. „Jährlich bekommen die europäischen Landwirte knapp 60 Milliarden Euro“, sagte Hendricks. Die Umweltanforderungen seien dabei aber nicht sehr anspruchsvoll. „Mein Ziel ist es, dass ab 2021 - also in der nächsten EU-Förderperiode - die flächenbezogenen Agrarsubventionen schrittweise abgebaut werden und die frei werdenden Mittel den Landwirten für Naturschutzmaßnahmen und andere öffentliche Leistungen zugute kommen.“

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Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) mahnte, Kernaufgabe der Bauern bleibe die Ernährungsversorgung. „Weitere Verbesserungen bei der Biodiversität und des Artenschutzes erreicht man nur gemeinsam mit der Landwirtschaft.“ Gerade kleine und mittlere Betriebe bräuchten stabile Einkommen, um auch gesellschaftliche Aufgaben leisten zu können. „Deshalb werden wir auch in Zukunft nicht auf die flächenbezogenen Direktzahlungen verzichten“, sagte Schmidt.

Hendricks sprach sich zudem dafür aus, die Produktion von Energiepflanzen zurückzudrängen. „Das war in Teilen ein Irrweg in der Energiewende.“ Der Anbau trage ebenfalls zum Artenverlust bei. „Da steuern wir jetzt um. Neue Anlagen werden nur noch gefördert, wenn sie Reststoffe nutzen. Wir Entscheidungsträger haben damals einen Fehler gemacht.“ Energiepflanzen wachsen auf 17,5 Prozent der deutschen Ackerfläche.

Hendricks verwies auch auf materielle Schäden durch Artenverlust und den Wert etwa von Bienen für die Bestäubung von 71 der 100 wichtigsten Nahrungspflanzen. „Die Biene ist also ein echter Wirtschaftsfaktor, den Forscher allein für Deutschland mit rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr bemessen“, sagte Hendricks.

Von hohem Wert seien aber etwa intakte Böden, die Nahrung lieferten, oder die Artenvielfalt als Basis für neue Medikamente. „Es geht bei dieser Betrachtung nicht darum, der Natur ein Preisschild umzuhängen. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass wir Menschen ohne diese Ökosystemdienstleistungen gar nicht überleben könnten.“

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