Lieberoser Heide: Diese Wüste lockt Forscher nach Brandenburg

Lieberoser Heide: Diese Wüste lockt Forscher nach Brandenburg

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Einzelne Kiefern wachsen am Rand der sogenannten Silbergrasflur in der Lieberoser Heide.

Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Brandenburg entwickelt sich die Vegetation nur langsam. Forscher zieht es hierher: Es soll sich um den größten wüstenähnlichen Landstrich in Deutschland handeln.

Die Luft flimmert in der Ferne. Die Sonne knallt auf den Boden - Schatten gibt es nicht. Und dann ist da ein pfeifender Wind, der über die staubtrockene Weite hinwegfegt. Der Ort wirkt auf den ersten Blick wie eine ferne Wüste, liegt aber mitten in Brandenburg. Auf dem rund 550 Hektar großen Areal in der Lieberoser Heide nördlich von Cottbus machten zu DDR-Zeiten Sowjet-Panzer Schießübungen. Die Vegetation auf dem Gebiet verändert sich seit dem Abzug der Truppen in den 1990er Jahren - aber nur ganz ganz langsam.

Um eine echte Wüste handelt es sich nicht, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn mitteilt. „Aber der Eindruck dort ist sehr wüstenähnlich“, sagt der BfN-Fachgebietsleiter für Biotopschutz, Peter Finck. Und: „Es ist wahrscheinlich die größte zusammenhängende vegetationsarme Fläche in Deutschland.“ Umgangssprachlich wird der bizarre Landstrich in der Region immer wieder als „Wüste“ bezeichnet.

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Finck zufolge gibt es größere vegetationsarme Flächen in Deutschland auch außerhalb von Brandenburg, insbesondere auf ehemaligen oder aktiven Truppenübungsplätzen - etwa in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Dort sei der Vegetationsaufwuchs allerdings ausgeprägter und die Flächen meistens schon zumindest mit Heide bedeckt.

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Ein Damm mit offenen Sandflächen, den Wildtiere wie der Wolf gerne als Weg benutzen.

Davon ist die „Wüste“ in der Lieberoser Heide mit ihren sandigen, nährstoffarmen Böden noch weit entfernt. Der Leiter der Oberförsterei Lieberose Axel Becker geht davon aus, dass dort in ein paar Hundert Jahren wieder Wald stehen könnte. Heute kaum vorstellbar. Nur vereinzelt sind an den äußeren Rändern des Gebiets kleine Kiefern zu sehen. Die Samen aus umliegenden Wäldern hatten wohl Glück, weil sie in Kuhlen gelangten, wo sie sich geschützt entwickeln konnten. Die Masse des Gebiets aber ist mit Flechten und Silbergräsern bedeckt. Und das ist schon ein riesiger Fortschritt. Denn zu Zeiten des Abzugs der sowjetischen Truppen war hier laut Becker so gut wie nur eines zu sehen: Sand. An einigen Stellen gibt es noch Sandhügel.

Ein Großbrand im Jahre 1942 und dann die Panzer-Übungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide machten aus dem Gebiet diese karge Landschaft, wie Becker berichtet. Das Areal steht unter Naturschutz und ist wegen der hohen Munitionsbelastung für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, wie die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg mitteilt. Ihr gehören große Teile des Gebiets.

Die Stiftung bietet für Besucher geführte Touren in die Lieberoser Heide an. Jährlich sind es mehrere Dutzend, wie die Leiterin der Außenstelle Lieberose, Jenny Eisenschmidt, sagt. Anfragen gebe es beinahe täglich, zum Beispiel auch von Firmen, die Werbefilme drehen wollen, oder von Musikgruppen für Videoclip-Aufnahmen. Die Stiftung verfolgt aber das Ziel, dass sich die Wildnis ohne menschlichen Eingriff in Ruhe wieder entfalten kann und hat deshalb nur punktuell einige Aussichtspunkte eingerichtet, zu der sie Besuchergruppen führt.

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Jenny Eisenschmidt und Axel Becker in der Silbergrasflur. Im Vordergrund liegt rostiger Draht aus Zeiten, als die Fläche noch als Truppenübungsplatz genutzt wurde.

In dem wüstenähnlichen Gebiet gibt es laut Stiftung extrem seltene Arten, die solche nährstoffarmen, offenen Böden benötigen und auf diese selten gewordenen Lebensräume angewiesen sind. Der Lebensraum sei unter anderem für Insekten (Ameisenjungfer), Spinnen, Vögel (Brachpieper) sowie Heuschrecken (Blauflügelige Ödlandschrecke) von hoher Bedeutung, erläutert Eisenschmidt. Aber auch Wölfe nutzen die Offenheit der Wüstenränder für die Jagd, wie sie ergänzt. „Grundsätzlich kommen mit den extremen Bedingungen nur wenige Arten klar.“

Das wüstenähnliche Gebiet hat ein Forscherteam angezogen, das die Aktivität der Flechten und Gräser beobachtet. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 sollen Versuchsflächen installiert werden, wie der Biologe Maik Veste von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) sagt. „Wir wollen mit modernsten bildgebenden Sensoren den Kohlenstoffeintrag messen, um herauszufinden, wie viel Kohlenstoff diese biologischen Krusten binden.“ Kohlenstoff sei eine Voraussetzung für die Entwicklung der armen Böden. Auch Bodenproben seien schon entnommen worden, sagt Veste. Im Labor der BTU werden demnach nun erste Tests gemacht.

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