150 Millionen Euro für Radler: Paris wird Fahrradmetropole

150 Millionen Euro für Radler: Paris wird Fahrradmetropole

von Felix Ehrenfried

Tempo 30 für Autos, Fahrradhighways, optimierte Ampelschaltung: In Paris haben Radfahrer bald Vorfahrt.

Bisher sorgte vor allem die britische Hauptstadt London bei deutschen Fahrradfans mit ihren Investitionen in die Radinfrastruktur für Neid. In der Bankenmetropole will die Stadtverwaltung in den nächsten Jahren mit mehr als einer Milliarde Euro Radwege ausbauen und das Radfahren fördern, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Bike zu bewegen.

Jetzt zieht die zweite europäische Metropole nach: mit Investitionen von rund 150 Millionen Euro soll Paris bis 2020 zum Fahrradmekka umgebaut werden und der Anteil der Radler am Straßenverkehr von derzeit fünf auf 15 Prozent steigen, wie der Blog Zukunft Mobilität berichtet.

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Radwegenetz verdoppelt sichDer größte Teil des Investitionsprogrammes soll dabei in die Errichtung von Fahrradhighways fließen, die Paris sowohl von West nach Ost wie auch von Nord nach Süd durchziehen sollen. Diese speziellen Schnellradwege ermöglichen Durchschnittsgeschwindigkeiten von rund 20 Stundenkilometern. Die Ampelschaltung soll zudem derart optimiert werden, dass Anhalten bestenfalls überflüssig wird.

Mit dem Programm soll zudem das bestehende Radwegenetz von derzeit rund 700 Kilometer auf rund 1400 Kilometer verdoppelt werden. Immerhin 80 Kilometer davon werden zu Fahrradhighways, die man in Paris Réseau Express Vélo (in etwa: Express-Netzwerk für Fahrräder) getauft hat.

30 Stundenkilometer-Limit für alleNeben den beiden geplanten Hauptachsen sollen drei Ring-Radwege die Innenstadt durchziehen, kleinere Wege sorgen für zügiges Vorankommen in den einzelnen Stadtvierteln. Zur Erhöhung der Sicherheit für Radler soll im gesamten Pariser Straßennetz eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde eingeführt werden, lediglich auf Hauptstraßen sollen noch die derzeit üblichen 50 Stundenkilometer erlaubt sein.

Auch der Verkehrsfluss wird optimiert. So wollen die Pariser Verkehrsplaner es Radlern in Zukunft auf allen städtischen Kreuzungen erlauben, rote Ampeln zu überfahren (natürlich wenn keine Autos kommen), wie der Zukunft Mobilität-Blog schreibt. Aktuell gilt diese Sonderregelung für lediglich 30 Pariser Kreuzungen. Die Erlaubnis soll verhindern, dass Radler in den toten Winkel von Fahrzeugen geraten.

Daneben plant die Stadt mehr als 70 sogenannte Fahrradschleusen einzurichten. Unter diesen Schleusen verstehen Verkehrsplaner gekennzeichnete Flächen, auf denen Radler an Ampeln vor den Autos auf das Grünsignal warten können. So sind sie für Autofahrer immer sichtbar und überfahren vor diesen die Kreuzung, was die Gefahr einer Kollision verringert.

10.000 neue Stellplätze für Pariser BikesAußerdem soll Paris mehr als 10.000 neue Stellplätze bekommen, an denen Pariser Bürger ihre Vélos sicher parken können. Diese liegen verkehrsgünstig an Metro-Stationen. Zuletzt plant die Stadt mit dem Etat die Förderung von E-Bikes und E-Lastenfahrrädern, um so auch ältere Zielgruppen und Gewerbetreibende aufs Rad zu locken.

Mit dem umfangreichen Investitionsprogramm macht Paris einen beherzten Schritt in Richtung von Fahrradmetropolen wie Amsterdam oder Kopenhagen. Ein wichtiger Punkt aber, der derzeit noch in den Plänen fehlt: Die baulichen Maßnahmen sollten mit Aufklärungsarbeit zum Thema Fahrradfahren im Stadtverkehr kombiniert werden.

Denn nur wenn ein Umdenken der Pariser Bevölkerung stattfindet, dürfte das Projekt den gewünschten Erfolg zeigen. Denn bisher dominieren auf Pariser Straßen immer noch die Autos – und die fahren nicht unbedingt so, dass man sich als Radfahrer sicher fühlt.

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