Abenteuer-Windpark: Achterbahn um den Rotor

Abenteuer-Windpark: Achterbahn um den Rotor

von Malte Laub

Ein Energiekonzern aus den Niederlanden will einen Vergnügungspark aus Windrädern bauen, um für Erneuerbare Energien zu werben.

Windparks sind vielen Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie verschandeln die Landschaft und machen die Gegend unattraktiv, heißt es oft aus der Nachbarschaft. Der Gedanke, mit dem sich der niederländische Energiekonzern Qurrent derzeit beschäftigt, klingt daher zunächst paradox: Qurrent möchte einen Windpark zum Anziehungsobjekt einer ganzen Region machen.

In der Schublade des Energieversorgers, der zu 100 Prozent auf grüne Energie setzt, schlummert die Idee für einen 8000 Quadratmeter großen Windpark der besonderen Art: Das Konzept sieht vor, einen klassischen Vergnügungspark mit seinen Achterbahnen, Freifall-Türmen und Wildwasserbahnen mit Windrädern zu kombinieren - und das nicht nur in Sachen Energieversorgung: Die Windenergieanlagen sollen zu Attraktionen werden.

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Kabine am Rotorblatt

So hat Qurrent mit Unterstützung des auf Freizeitparkplanung spezialisierten Unternehmens Jora Vision unter anderem den Beaufort Buster entworfen, eine Wasserrutsche, die sich spiralförmig den Turm eines Windrades hinunterschlängelt. Der Blade Runner funktioniert wie eine Art Riesenrad – nur deutlich schneller und statt in einigen Dutzend Metern Höhe befinden sich die Fahrgäste in Kabinen an den Enden der Rotoren. Der Freifallturm Newton Nightmare soll Wagemutige innerhalb von 1,5 Sekunden aus 95 Metern Höhe, also von knapp unterhalb der Kabine der Windenergieanlage, kontrolliert abstürzen lassen. Und die Fahrgäste der Achterbahn Happy Hurricane rasen ebenfalls den Turm des Windrades hinunter.

Mehr als bloß ein Gag

Qurrent-Chef Richard Klatten sieht in der Parkidee mehr als einen PR-Gag: "Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die Windenergie allgegenwärtig sein. Wir möchten vorangehen und ihre Zukunft mitgestalten." Der Park sei eine Möglichkeit, der Öffentlichkeit saubere Energieproduktion auf lockere und gleichzeitig lehrreiche Art und Weise nahezubringen.

Dass das nötig ist, unterstreicht Marketingmanager Mattijs Winter: Man merke durchaus, dass es in den Niederlanden gewissen Widerstand gegen die Veränderung der Landschaft durch immer mehr Windräder gebe. "Allerdings sieht so die Zukunft aus. Die Turbinen werden bald schon Realität sein - ob es einem gefällt oder nicht."

Winter sieht nur zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: "Entweder sperrt man sich dagegen, oder man nimmt die Veränderung an und überlegt sich Möglichkeiten, sie lustiger, schöner und nützlicher zu gestalten."

Ob der Windenergie-Vergnügungspark tatsächlich mehr wird als eine kreative Idee, ist noch nicht entschieden. Erste Entwürfe für Attraktionen gibt es bereits und auf einer Branchenkonferenz in Florida hat Kooperationspartner Jora Vision die Idee bereits vorgestellt - doch beschlossen ist noch nichts. "Wir befinden uns noch in der Untersuchungsphase", sagt Winter. Erst wenn alle Optionen auf dem Tisch lägen, könne man entscheiden, ob, wann und wo das Projekt tatsächlich entstehe.

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