Abfall-Ale: Briten brauen Bier aus Essensresten

Abfall-Ale: Briten brauen Bier aus Essensresten

Bild vergrößern

Mmmmmh, dieser Pint schmeckt nach ... Croissants und Birnen? Das kann einem in Nordengland künftig passieren.

von Marius Hasenheit

Eine nordenglische Brauerei hat ein Ale aus Abfallresten kreiert. Eine von vielen kleinen Maßnahmen, die der Lebensmittelverschwendung in Europa etwas entgegensetzen.

Es ist inzwischen kein Selbstläufer mehr für Craftbierproduzenten. Wer heutzutage mit einer kleiner kleinen Bierbrauerei auffallen will, muss sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Auffallen und nebenbei etwas die Welt retten – das hat das Team der Northern Monk Brewery im britischen Leeds definitiv geschafft: Sie brauen ihr neuestes Bier mit Lebensmittelresten.

Es waren 60 Kilogramm alte Croissants und 60 Kilogramm aussortierte Birnen eines nahe gelegenen Supermarkts, die es als Basis für das Bier brauchte. Das mag erst einmal gewöhnungsbedürftig klingen – besonders in Deutschland, wo das Reinheitsgebot eine solche Wiederverwertung erschweren würde. Doch die Mikrobrauerei überzeugte und konnte die 1800 Flaschen "Null-Müll-Bier" innerhalb von anderthalb Wochen verkaufen. (Leider bedeutete das auch, dass wir uns bei WiWo Green nicht mehr selbst vom Geschmack überzeugen konnten.)

Anzeige

Hopfen, Malz und Hefe können die alten Lebensmittel nicht komplett ersetzen. Doch die Birnen und Croissants liefern wichtigen Zucker für das Bier und haben natürlich auch einen Einfluss auf den Geschmack.

Um dieses ganz besondere Bier zu brauen, kooperierte das Team der Northern Monk Brewery mit dem Real Junk Food Project. Dieses betreibt wiederum 150 Cafés weltweit, in denen Lebensmittel verarbeitet werden, die etwa im Supermarkt nicht mehr verkauft werden können.

Bei der Wiederverwertung von Essensresten, die auch das Real Junk Food Project nicht mehr verkaufen konnte, wollte es die Brauerei aber nicht belassen: Die Überbleibsel des Brauvorgangs wurden ebenfalls recycelt. Das Malz ging an eine Wurmfarm, wo schlussendlich Humus daraus wurde. Der Hopfen wurde in diversen Bauernhöfen verarbeitet.

Viele neue Projekte gegen Verschwendung

Hinter den Lebensmitteln selber steht auch ein großer Ressourcen- und Energieverbrauch – Dünger, Wasser, aber auch Pestizide und andere Agrochemikalien werden verwendet um die Lebensmittel zu produzieren, die wir dann teilweise wegwerfen. Immerhin 11 Millionen Tonnen landen nach einer Studie der Universität Stuttgart in Deutschland jährlich auf dem Müll. Nun etwas Bier aus Lebensmittelresten in Deutschland zu brauen wäre ein Tropfen auf den heißen Stein - aber vielleicht braucht es eine große Anzahl von solchen Ideen, um Lebensmittelverschwendung wirksam einzudämmen.

Das beginnt schon auf dem Acker, wo Bauern Gemüse, das sich nicht verkauft wird, einfach unterpflügen. Dagegen gehen Initiativen und Unternehmen wie Querfeld oder Restlos Glücklich vor. Auch Plattformen für Foodsharing, auf denen Lebensmittel "gerettet" werden können, die ansonsten in der Tonne landen, sind eine Lösung. Einen anderen Ansatz bietet die App Too Good To Go: Sparfüchse und umweltbewusste Menschen könne sich mit Too Good To Go kurz vor Ladenschluss Restaurantspeisen zum Vorteilspreis holen.

Kann die Bierbrauerei nun bald ebenfalls Lebensmittelreste im großen Stil verarbeiten? Wir werden sehen. Zumindest in Deutschland sollte das Reinheitsgebot etwas hinderlich sein. Andererseits: Die Brauereien überraschten schon oft mit ihren grünen Ideen – wie beispielsweise der Bierflasche aus Altpapier. Na dann: Prost!

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%