Ackerbau in der Stadt: Architekt entwirft vertikale Reisfarm

Ackerbau in der Stadt: Architekt entwirft vertikale Reisfarm

von Jürgen Klöckner

Ein britischer Architekt will Reis dort anbauen, wo es bislang undenkbar war: Im Zentrum von Megametropolen wie der philippinischen Hauptstadt Manila.

Für den britischen Architekten Jin Ho Kim ist eine der größten Herausforderungen für Asien nicht der zunehmende Verkehr, nicht die Umweltverschmutzung - sondern das unscheinbare Lebensmittel Reis. Drei Milliarden Menschen ernähren sich weltweit hauptsächlich davon, bis 2025 sollen es laut Weltbank schon eine Milliarde mehr sein. So steigt auch der Preis, was vor allem die arme Bevölkerung hart trifft.

Die Philippinen sind ein gutes Beispiel dafür, was steigende Reispreise anrichten könnten. 90 Prozent der Einwohner des Inselstaates gelten hier als arm und sie ernähren sich hauptsächlich von Reis. Im Schnitt verspeisen sie pro Kopf 100 Kilogramm pro Jahr, in Deutschland sind es laut dem Statistischen Bundesamt gerade mal drei Kilo. Steigende Reispreise können hier also verheerende Folgen haben.

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Jin Ho Kim hatte nun eine beachtenswerte Idee, die das Problem entschärfen könnte. Er hat eine sogenannte vertikale Farm entworfen, eine Art urbanes Reisfeld für Megametropolen wie die philippinischen Hauptstadt Manila. Dort ist eigentlich nicht an Reisanbau zu denken. Der Kern der Millionen-Stadt ist dicht besiedelt und soll sich bis 2015 in der Größe verdoppeln.

98 Prozent kleinerFür riesige Reisfelder ist hier kein Platz, für die Feldpyramide allerdings schon. Bislang kommt laut Jin Ho Kim im Schnitt auf eine philippinische Familie eine Anbaufläche von 6724 Quadratmeter, auf der 1,5 Tonnen Reis pro Jahr angebaut werden. Auf einer vertikalen Farm hingegen könnte diese Menge auf nur 105 Quadratmeter wachsen, also auf weniger als zwei Prozent der Fläche.

Der große Vorteil: Reisfelder werden in Ostasien staatlich kontrolliert; mit der vertikalen Farm könnten arme Städter ihren eigenen Reis anbauen und sich so den steigenden Preisen entziehen. So stellt es sich zumindest der Designer Jin Ho Kim vor.

Das hat einen praktischen Nebeneffekt: Lange Transportwege im LKW werden unnötig und der Reis muss nicht mehr aufwendig lagern.

Und so funktioniert die vertikale Farm: Sie besteht aus bis zu acht Terrassen und ist aus Bambus. Von vorne sieht sie aus, als sei sie aus zahlreichen Parallelogrammen zusammengesteckt. Die Wurzeln der Reispflanzen stecken nicht im Boden, sondern hängen an der frischen Luft. Sie werden mit nährstoffhaltigem Wasser bestäubt.

Diese relativ moderne Anbaumethode nennen Fachleute auch Aeroponik. Sie gilt als besonders effizient - und spart bis zu 95 Prozent an Energie und Wasser im Vergleich zum herkömmlichen Reisanbau. Jin Ho Kim ist nicht der erste der mit dieser Art urbanem Ackerbau experimentiert. Weltweit entstehen Farmen auf Dächern von Fabriken, auf ungenutzten Brachen. In Singapur eröffnete vergangenes Jahr auch tatsächlich die erste vertikale Stadtfarm; die Bürger sind begeistert.

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