Agrarwissenschaft: So schützt man Ackerböden gegen Erosion

Agrarwissenschaft: So schützt man Ackerböden gegen Erosion

von Wolfgang Kempkens

Ackerböden können austrocknen, eine Versuchsserie testet wirksame Gegenmaßnahmen.

Bei längerer Trockenheit nach einer Ernte kann der Wind dem Ackerboden schaden: Wenn eine Böe die obere Schicht wegpustet, vernichtet sie ausgerechnet den Teil, der am wertvollsten für den nächsten Anbau ist. Auf Dauer werden die Böden dadurch unfruchtbar.

In Mecklenburg-Vorpommern etwa weht der Wind pro Hektar – wer es aus der Schule nicht mehr weiß: 10.000 Quadratmeter – und Jahr bis zu 170 Tonnen Erde weg, so das dortige Landesumweltamt. Nach Angaben der Welthungerhilfe gehen durch Erosion, Versalzung, Austrocknung oder Versiegelung jährlich zwischen fünf und sieben Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren.

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Die gute Nachricht: Zumindest die Erosion lässt sich verhindern. Das ist das Ergebnis einer vier Jahre dauernden Versuchsserie an der Universität Kassel. Unter der Leitung der Agrarwissenschaftlerin Maria Finckh nahmen Kollegen aus neun europäischen Ländern sowie aus Marokko und Brasilien an der Studie namens OSCAR teil.

Zwischenfrüchte als ErosionsschutzOSCAR steht für „Optimizing Subsidiary Crop Applications in Rotations“, zu Deutsch würde man von der „Optimierung der Anwendung von ergänzenden Pflanzen in Fruchtfolgen“ sprechen. Was rätselhaft klingt, ist ganz einfach: Wenn die Landwirte zwischen Ernte und Neubestellung der Äcker sogenannte Zwischenfrüchte aussähen, ist der Boden weit länger geschützt, also weniger erosionsgefährdet.

Natürlich sollen die Zwischenfrüchte den Acker nicht auslaugen, im Gegenteil: Sie sollen ihn wertvoller und fruchtbarer machen. Als besonders geeignet erwiesen sich Wicken und Platterbsen.

Beides sind Leguminosen-Arten, die eine wertvolle Eigenschaft haben: Ihre Wurzeln leben in Symbiose mit so genannten Knöllchenbakterien, die elementaren Stickstoff binden und in das Düngemittel Ammonium umwandeln. Wenn es dann an die nächste Aussaat geht, ist der Boden bereits mit Nährstoffen versorgt, zumal die Pflanzenreste den Boden zusätzlich verbessern.

Auch Ölrettich kann helfen„Es ist klar, dass die Zwischenfrüchte einen erheblichen Beitrag dazu leisten können, Böden zu schützen“, so Finckh. „Der Effekt ist viel größer als bislang angenommen und in allen Klimazonen nachweisbar.“

In Mitteleuropa und Teilen Nordamerikas eignet sich auch Ölrettich als Zwischenfrucht. Diese Pflanze dringt mit ihren Wurzeln in eine Tiefe von bis zu 1,5 Metern vor, sodass der Boden aufgelockert wird. Zuckerrübenbauern setzen die Pflanze auch als Waffe gegen Boden-Nematoden ein. Die Ölrettich-Wurzeln binden sie an sich, sodass die Rübe ungestört wachsen kann und nicht verkümmert.

 

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