Agrihood: Ökologisch wohnen rund um den Bauernhof

Agrihood: Ökologisch wohnen rund um den Bauernhof

von Malte Laub

In Kalifornien entsteht ein grünes Wohnviertel: Die sogenannte Agrihood erstreckt sich rund um eine Farm und wartet mit jeder Menge Öko-Spielereien auf.

Eines vorweg: Günstig wird es nicht, im kalifornischen Davis den Traum vom grünen, nachhaltigen, ja geradezu vorbildhaften Öko-Wohnen zu leben. Zwischen 400.000 und einer Million US-Dollar soll ein Haus in dem Wohnviertel The Cannery kosten. Dafür ist dann aber auch alles rundum grün.

Doch der Reihe nach. Davis liegt einige Kilometer außerhalb der Metropole Sacramento, ein typisch amerikanischer Suburb. In Zukunft soll die 65.000-Einwohner-Stadt aber vor allem für eines bekannt sein: Ihr neues Wohnviertel The Cannery.

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Auf dem Gelände einer ehemaligen Tomaten-Konservenfabrik (daher der Name – Cannery bedeutet Konservenfabrik) entsteht gerade ein sogenanntes „Agrihood“, also ein rundum einen Bauernhof künstlich angelegtes Wohnviertel.  Etwa 200 dieser Siedlungen gibt es Zahlen des Urban Land Instituts zufolge derzeit in den USA. The Cannery ist aber die erste, die auf einer ehemaligen Gewerbefläche entsteht.

Von der Farm auf  den TischDer Startschuss für den Bau fiel 2014, nachdem das Projekt 2013 durch die zuständigen Gremien gewunken wurde. Seitdem baut die Projektentwicklungsgesellschaft The New Home Company (NHM) auf dem Gelände. Die ersten 14 von geplanten 547 Wohneinheiten sind seit Anfang August bereits fertig gestellt und können besichtigt werden.

The Cannery soll letztlich so etwas wie eine rundum grüne Stadt werden. Die Farm, betrieben von der gemeinnützigen Organisation Center for Land-based Learning, soll einerseits Schulungsort für angehende Landwirte werden, die den Hof bewirtschaften. Anderseits sollen auch die Anwohner, Restaurants und Läden des Orts mit saisonalem Gemüse versorgt werden. Dieser Ansatz nennt sich farm-to-table.

Auch die Häuser sollen nachhaltig konzipiert werden. So gehört ein Anschluss für Solaranlagen auf dem Dach standardmäßig dazu, ein Upgrade auf das Konzept "net zero living", bei dem das Haus sich quasi selbstversorgt, sei möglich, heißt es von NHM. Ebenso gehören Anschlüsse für Elektroautos zum Programm, die Isolierung der Häuser sei entsprechend fortschrittlich und Wasserspar-Vorrichtungen kämen ebenfalls flächendeckend zum Einsatz.

LED-Laternen erleuchten den FahrradwegDadurch, dass das Wohngebiet am Reißbrett entsteht, ist es außerdem möglich, die Verkehrswege kurzzuhalten, um so Emissionen zu sparen. Der Weg zum Stadtzentrum von Davis sei kurz, The Cannery selbst wird von einem dichten Radwege- und Parknetz durchzogen, um so den Autoverkehr unnötig zu machen. Beleuchtet werden die Routen mit sparsamen LED-Laternen.

Die Wohnhäuser entstehen nun nach und nach und auch die Farm hat erste Arbeiten aufgenommen. Bevor in Davis aber die Cannerys die Früchte ihrer Farm verspeisen, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Zwar sei der ehemalige Industrieboden nicht kontaminiert, man brauche aber dennoch einige Zeit, bis er soweit entwickelt sei, dass dort eine regelmäßige Ernte eingefahren wird, schreiben die Betreiber. Auch die erste Klasse Schulungsfarmer muss noch geworben werden. Untergebracht werden die Landwirte allerdings nicht in dem ökologischen Neubaugebiet - es sei denn sie haben zwischen 400.000 und 1 Million US-Dollar auf der hohen Kante.

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