Alternatives Mautkonzept: Stadt zahlt Geld, wenn man sein Auto stehen lässt

Alternatives Mautkonzept: Stadt zahlt Geld, wenn man sein Auto stehen lässt

von Felix Ehrenfried

Um umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern, überlegte sich die norwegische Stadt Lillestrøm etwas ganz Besonderes …

Während hierzulande aktuell viel über eine generelle Maut für PKW diskutiert wird, hat die kleine norwegische Stadt Lillestrøm einen anderen Weg gewählt, um die Benutzung von Autos unattraktiver zu gestalten: Sie zahlte eine Woche lang Fußgängern und Radfahrern einen geringen Geldbetrag, da sie statt des Autos ein umweltfreundlicheres Fortbewegungsmittel gewählt hatten – eine Art Positiv-Maut also.

Die Norweger präsentierten das Projekt während der European Mobility Week im September. Die Stadtverwaltung zahlte insgesamt rund 1200 Euro an Fußgänger und Fahrradfahrer aus, die an Infoständen vorbeikamen.

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So erhielten in der 14.000 Einwohner zählenden Gemeinde Radler ungefähr 12 Euro, Fußgänger bekamen einen Euro weniger. Dass es sich dabei nicht einfach um einen willkürlichen Betrag handelt, erklärt der Stadt-Blogger Eric Britton: "Laut einer Berechnung des norwegischen Gesundheitsministeriums spart der Staat durch jeden gelaufenen Kilometer eines Bürgers sechs Euro, ein Kilometer auf dem Rad spart in etwa die Hälfte ein."

Da ein Radtrip in Norwegen im Schnitt vier Kilometer zähle und ein Fußgänger rund 1,7 Kilometer weit laufe, ergäben sich je Trip Einsparungen von rund 12 Euro (Fahrradfahrer) beziehungsweise 11 Euro (Fußgänger). Diese Einsparungen wurden dann einfach an die betreffenden Bürger weitergegeben.

Ob die Radler und Fußgänger allerdings wirklich diese Distanzen zurückgelegt haben, hat in Lillestrøm niemand nachgeprüft. Vielmehr ging es bei dem Projekt darum, die Vor- und Nachteile einzelner Verkehrsmittel aufzuzeigen – auch für die Staats- und Stadtkasse.

Im Klartext heißt das in den meisten Fällen: Bei Autofahrten zahlt der Staat drauf, da sie Umwelt- und Luftverschmutzung nach sich ziehen. Radler und Fußgänger hingegen schonen die Umwelt und verbessern ihre Fitness; hier spart der Staat.

Damit ist das Prämien-Projekt in Lillestrøm sicherlich ein interessanter und witziger Ansatz um zu demonstrieren, dass Fahrradfahrer und Fußgänger auch die Staatskasse freuen, da sie fitter sind.

Jedoch ist auch klar, dass ein solches Projekt auf Dauer in der Realität so gut wie nicht umzusetzen ist. Denn: Wie lassen sich die zurückgelegten Distanzen überprüfen und wie berechnen sich die persönlichen Einsparungen, die jeder Radler und Fußgänger in Wirklichkeit mit sich bringen? Und wie lässt sich feststellen, ob jemand nur zur Freude herumflaniert und gar nicht die Absicht hatte, das Auto zu benutzen?

Vielleicht ist ein System wie Londons City-Maut für PKW doch besser geeignet, um Autofahrern Alternativen schmackhaft zu machen.

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