Aquakulturen boomen: Menschen essen immer mehr Fisch aus "Käfighaltung"

Aquakulturen boomen: Menschen essen immer mehr Fisch aus "Käfighaltung"

von Anna Gauto

Rekordverdächtige 90 Millionen Tonnen Zuchtfisch wurden 2012 verspeist. Dem Artenschutz hilft das nicht unbedingt.

Ob Lachs, Garnele der Dorade. Was auf unseren Tellern dampft, wird meist nicht in freier Wildbahn gefangen sondern herangezüchtet: Den 80 Millionen Tonnen „Wildfang“ aus dem Jahr 2012 stehen laut einer aktuellen Studie der Welternährungsorganisation (FAO) rekordreife 90 Millionen Tonnen Fisch aus Aquakulturen, also Fischzucht, gegenüber. In der Menge enthalten sind allerdings 24 Millionen Tonnen essbarer Wasserpflanzen wie Meeresalgen.

Insgesamt betrug die globale Fischproduktion im Jahr 2012 158 Millionen Tonnen und damit zehn Millionen Tonnen mehr als 2010. Heruntergebrochen auf den Einzelnen Erdenbewohner macht das 19 Kilo Fischverzehr – was fast doppelt so viel ist, wie noch in den 1960er-Jahren.

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Menschen sind vom Meer abhängigIn der Fischzucht sieht die FAO ein „gewaltiges Versprechen“, um auf den Bedarf einer wachsenden Weltbevölkerung nach Nahrung zu reagieren. Besonders in ärmeren Regionen ist die Fischerei nicht nur eine wichtige Einnahmequelle. Fisch ist auch eine lebensnotwendige Ernährungsgrundlage. Schon heute deckt er 17 Prozent der globalen Proteinzufuhr ab – an Küsten und in Inselgegenden sind es bisweilen sogar 70 Prozent.

Ökologische Fischfarmen können zudem helfen, den Druck auf Wildfischbestände zu senken. In der Nord- und Ostsee ist laut der roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) jedes Dritte Meerestier gefährdet. Und laut FAO-Report kommen immer noch knapp 30 Prozent des Fisches, der auf den Tellern landet, aus Wildbeständen, die als überfischt gelten.

Aber auch konventionelle Aquakulturen sind nicht automatisch eine Lösung, denn auch sie ziehen Umweltprobleme nach sich. Denn sie sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert, wie die Massentierhaltung an Land. Sie können etwa Ökosysteme verschmutzen, wenn aus ihren Netzkäfigen Chemikalien, Fischkot und Antibiotika in Flüsse und Meere fließen.

Zudem kann die Vorliebe besonders der Wohlstandsnationen für Raubfische wie Lachs oder Thunfisch dem Schutz der Meere einen Bärendienst erweisen. Denn um einen Lachs mit einem Kilogramm Gewicht heranzuziehen, benötigen die Farmbetreiber zwischen zwei bis vier Kilo Wildfisch als Futter.

Daher fordert der FAO-Generalsekretär José Graziano da Silva ein „verantwortungsvolles und nachhaltiges blaues Wachstum“.

Für Anna Holl vom World Wide Fund For Nature (WWF) ist der Aquafarming-Boom daher „eine zweischneidige Entwicklung“. Bislang stammen in Europa 20 Prozent der Fische aus Aquafarmen. Trete die Europäische Union hier künftig ungebremst aufs Gas, um mit dem weltweiten Wachstum besonders in Asien Schritt zu halten, könne das den Schutz der Wildfischbestände in Europa torpedieren, warnt sie.

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