Architektur: Bauteile aus Mikroalgen passen sich der Umwelt an

Architektur: Bauteile aus Mikroalgen passen sich der Umwelt an

von Nora Marie Zaremba

Ein britisches Architekturbüro hat Fassadenelemente aus Algen entwickelt, die auf äußere Bedingungen reagieren.

Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit bei Kosmetika, Nahrungsmitteln oder bei Gebäuden geht, sind Mikroalgen längst nicht mehr wegzudenken. Zumindest bei den Gebäuden ist die Entwicklung jetzt einen Schritt weiter gekommen. Das britische Architekturbüro ecoLogic Studio baut mithilfe von Mikroalgen Fassadenelemente, die sich der Umwelt anpassen. Sie sollen ihre Transparenz je nach Wetter und Besucherzahl des Gebäudes ändern können.

Zusammenspiel von Biologie und TechnikDas Ergebnis ist ein zeltartiges Konstrukt aus mehreren Fassadenteilen in Dreiecksform, das auf der Expo 2015 in Mailand als Teil der Ausstellung „Future Food“ zu sehen sein wird. Derzeit wird die Technik an der Universität von Mailand gezeigt.

Die Mikroalgen wachsen dabei in Röhren und speichern Kohlenstoffdioxid und produzieren Sauerstoff. In Bioreaktoren kann aus den Algenresten Methan gemacht werden, theoretisch ließen sich die Pflänzchen auch verspeisen.

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Das Neue an dem Projekt sei das umfassende Zusammenspiel von Biologie und Technik, erklärt Claudia Pasquero von ecoLogic Studio. „Das hat massiven Einfluss auf die Beschaffenheit der Fassaden", sagt die Architektin.

Ein digitales Kontrollsystem regelt, wie viel Wasser aus dem eigens angeschlossenen Kanister in die Röhren fließt. Äußere Bedingungen wie Temperatur und Sonnenschein beeinflussen das Wachstum der Algen zusätzlich und steuern dadurch auch, wie durchsichtig die Fassaden sind.

Bei viel Sonnenschein nämlich wachsen die Algen schneller und die Fassaden werden undurchsichtiger. Auch die Anzahl der Besucher wirkt sich theoretisch auf den Kohlenstoffdioxidgehalt und die Temperatur und damit ebenfalls auf das Algenwachstum aus.

Ob Menschen allerdings das Raumklima dann tatsächlich genug beeinflussen, dass die Algen darauf reagieren, bleibt offen (vor allem, wenn die Frontseite des Verschlags nicht verschlossen ist, wie auf den Fotos des Projektes zu sehen).

Noch ist die Konstruktion ein Prototyp, Ziel ist aber der Bau einer großflächigen Überdachung. Diese produziere die gleiche Menge an Sauerstoff wie ein vier Hektar großer Wald, sagt ecoLogic.

Passivhäuser mit Algenfassade auch in Deutschland

Wie viele Quadratmeter die Überdachung genau umfasst und was ihr Bau kostet, steht noch nicht fest. Sechs Jahre hat das Architektenbüro mit Sitz in London geforscht, bis das gewünschte Zusammenspiel aus Biologie und Technik endlich gelungen ist.

In Deutschland gibt es bereits ganze Häuser, die sich dank Mikroalgen selbst mit Energie versorgen. In Hamburg beispielsweise steht das BIQ Algenhaus.

Das Methan entsteht in Hamburg aus den Algen, die geernet und in einen kleinen Biogasreaktor gesteckt werden. Das Gas wird zum Betrieb von Blockheizkraftwerken genutzt. Das dabei entstehende CO2 landet erneut als Wachstumsbeschleuniger bei den Algen, so dass ein Kreislauf entsteht. Neu ist die Idee von ecoLogic Studio also nicht, eine spannende Weiterentwicklung für den Architekturbereich stellt sie dennoch dar.

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