Architektur: Das wohl ungewöhnlichste Ökohaus der Welt

Architektur: Das wohl ungewöhnlichste Ökohaus der Welt

von Sabrina Keßler

Ein Haus für Frau und Kind? Nicht für einen Tübinger Forstwirt. Er ließ sich ein Ökohaus passend zum Unimog bauen.

Ob Energiesparhaus, Villa oder Altbau-Wohnung in der Stadt: Die Wohnträume der Deutschen sind vielseitig. Je nach Familienstand und Geldbeutel zieht es die Bürger raus aufs Land oder mitten rein in die Metropolen der Republik. Denn nicht nur Gesundheit und Sicherheit im Alter, sondern vor allem ein schönes Zuhause zählt für die meisten Deutschen zu den wichtigsten Dingen im Leben.

Klarer Favorit: Ein Einfamilienhaus in einer ruhigen, familienfreundlichen Siedlung am Stadtrand. Dazu helle Räume, praktisch aufgeteilt und eine moderne Einbauküche mit Blick in den Garten. Das belegt die „Wohntraumstudie 2013“ des Baufinanzierers Interhyp. Doch nicht alle wollen so klischeehaft wohnen.

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Ein Haus für ein Kult-ObjektIn einem kleinen Ort in der Nähe Tübingens steht der persönliche Wohntraum eines Forstwirts: 120 Quadratmeter groß, 170.000 Euro teuer und alles andere als familiengerecht. Denn im Gegensatz zu den meisten Deutschen, wollte er ein Haus, das zu seinem Auto passt: Ein Unimog, der Kult-LKW schlechthin.

Auslöser für den ungewöhnlichen Bau war die Kündigung seines Mietvertrags: Jahrelang lebte der Forstwirt zur Miete und parkte sein Arbeitsfahrzeug in einer nahegelegenen Scheune. Tag für Tag fuhr er mit dem Unimog in den Wald, schlug Holz, verarbeitete es zu Brennholz und verkaufte es anschließend. Als er die Wohnung allerdings räumen und umziehen musste, fand er keinen passenden Stellplatz für sein Gefährt. „Daraufhin entschloss sich der Bauherr, nach seinen eigenen Vorstellungen zu bauen“, sagt Fabian Evers, Leiter des gleichnamigen Architekturbüros, der sich um die Umsetzung des Auftrags kümmerte. [nggallery id=29]‏

Rund acht Monate arbeiteten die Stuttgarter Architekten Fabian Evers und Wezel an den Entwürfen für ein Haus der ganz besonderen Art. Bis auf die Bodenplatte aus Stahlbeton besteht das Gebäude aus einer reinen Holzkonstruktion. Dadurch konnten die meisten Teile schon im Vorfeld produziert und die Bauzeit auf drei Monate begrenzt werden. Klingt simpel - doch ganz so einfach war die Planung dann doch nicht.

Das Problem: Das Grundstück liegt an einer stark befahrenen Bundesstraße zwischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Das Budget war knapp und der Unimog musste irgendwo untergebracht werden.

Zwei Geschosse: Oben leben, unten parken.Statt in die Breite, bauten die Architekten deshalb einfach in die Höhe. So sparten sie enorm viel Grundfläche. Im oberen Stockwerk entwarfen die Architekten einen großzügigen Wohnraum mit einem sehr klaren, schlichten Design. „Die ökologischen Kriterien waren uns weitaus wichtiger als das Design“, erklärt Fabian Evers. Statt aufwendigen Formen und Mustern sind die Farben eher zurückhaltend. Lediglich weiß lasierte Grobspanplatten prangen an den Wänden und ersetzen die sonst so übliche Tapete. Auf dem Boden liegen einfache, aber schöne Holzplatten.

Das eigentliche Highlight des Ökohauses befindet sich allerdings ein Stockwerk tiefer. Im Grunde genommen ist es nichts anderes als eine Garage, doch die Dimension und die Nutzung ist eine ganz andere. Denn hier parkt weder die Familienkutsche noch ein Sportwagen, sondern der Unimog des Bauherrn, der seine ganze Leidenschaft ist. Die Architekten verkleideten die Garage mit einer Lichtplatte, die nachts wie eine Leuchtreklame in die Stadt strahlt. So kann der Besitzer die Garage sowohl tagsüber als auch nachts als Werkstatthalle nutzen und optimal darin arbeiten.

Geheizt wird sowohl oben als auch unten mit einem energiesparenden Heizkamin. „Das Haus ist heiztechnisch vollkommen autark“, sagt Evers, denn das Holz zum Heizen schlage der Hausherr selbst.  Dadurch verbraucht das Haus gerade einmal 67,7 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter im Jahr. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Einfamilienhaus benötigt jährlich rund 220 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Das Konzept des Hauses scheint jedenfalls schon Anhänger gefunden zu haben. „Erfreulicherweise gibt es schon Anfragen von potentiellen Bauherren, die das Projekt faszinierend finden und sich auch gerne so ein Haus bauen würden“, sagt Evers. Darunter zum Beispiel eine Künstlerin, die wegen der guten Beleuchtung gerne ein Atelier im Erdgeschoss einrichten würde. Das wohl ungewöhnlichste Holzhaus der Welt scheint also bald schon einen Nachfolger zu bekommen.

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