Artenschutz: Nur ein globaler Pakt kann Elefanten und Nashörner retten

Artenschutz: Nur ein globaler Pakt kann Elefanten und Nashörner retten

von Bradnee Chambers

Wilderer töten pro Tag 100 Elefanten - unser Gastautor fordert einen globalen Pakt zum Schutz wandernder Tierarten.

Von Dr. Bradnee Chambers. Der Autor leitet das “Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder, wildlebender Tierarten” (UNEP/CMS) der Vereinten Nationen in Bonn. Am heutigen UN-Welt-Wildtier-Tag ruft die Bonner Konvention dazu auf, den illegalen Handel mit wandernden Tierarten wie Elefanten und Nashörnern einzudämmen und die Wilderei zu stoppen.

London war der Ort, an dem man Mitte Februar hätte sein müssen: Dort schloss sich eine beeindruckende Koalition von Regierungschefs, Ministern und Beamten aus 50 Ländern den Royals Prinz Charles und Prinz William an, um die Wilderei von bedrohten Tieren zu beenden. Gleiches gilt für den illegalen Handel mit ihnen.

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Der Gipfel war das Ergebnis des Aufrufs der beiden Royals, der Wildtier-Kriminalität den Kampf anzusagen. Ihre Sorge ist völlig gerechtfertigt, denn die Statistiken sind erschreckend.

In Afrika gab es 1979 1,3 Millionen Elefanten in freier Wildbahn, heute vielleicht 500.000. Durchschnittlich 100 von ihnen werden jeden Tag von Wilderern getötet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es weltweit noch 500.000 Nashörner, heute sind es weniger als 30.000. Besonders in Südafrika hat die Wilderei alarmierende Ausmaße erreicht: 2007 wurden hier 13 Nashörner getötet, im vergangenen Jahr waren es über 1.000.

Auch andere, weniger gut erforschte Säugetiere wie die Mendes-Antilopen und Dama-Gazellen erleiden einen dramatischen Rückgang ihrer Bestände in Nordafrika. Gründe dafür sind Wilderei und Raubbau an ihren Lebensräumen. Nur ein paar hundert Tiere beider Arten gibt es noch im Niger und im Tschad.

Nachfrage scheint unersättlichDer illegale Handel mit Wildtieren ist ein großes Geschäft, der Umsatz beträgt rund 20 Milliarden US-Dollar jährlich. Interpol zufolge wird ein großer Teil von kriminellen Organisationen kontrolliert. Der internationale Handel mit Elfenbein wurde unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) im Jahr 1989 verboten. Bei Elfenbein-Preisen von 3.000 US-Dollar pro Kilo und dem Zwanzigfachen für Nashorn stiften die Gewinne viele dazu an, sich über das Gesetz hinwegzusetzen. Die Nachfrage scheint unersättlich, vor allem auf asiatischen Märkten.

In London haben sich die Regierungen im Febuar auf die Umsetzung vereinbarter Maßnahmen und die Verschärfung von Wildtier-Gesetzen verständigt. Naturschützer auf einem Symposium der Zoologischen Gesellschaft London riefen zum Handeln auf breiter Front auf: stärkere Gesetzgebung, besser ausgerüstete Wildhüter an vorderster Front und Aufklärungskampagnen zur Senkung der Nachfrage.

Praktische Maßnahmen wurden bereits ergriffen: Großbritannien schickte 25 Fallschirmjäger, die kenianische Ranger im Kampf gegen gut bewaffnete Wilderer ausbilden sollen. Die EU unterstützt jetzt eine Initiative zur Eindämmung des Handels mit bedrohten Tierarten (CITES).

Ein Teil der SchlachtDie Kontrolle der Wilderei ist nur ein Teil der Schlacht. Umfassenderer und international vereinbarter Artenschutz ist ebenfalls vonnöten, vor allem um den Handel mit den Tieren oder gewilderten Produkten zu stoppen.

CITES arbeitet eng mit dem UN-Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (Bonner Konvention) zusammen. Beide Konventionen ergänzen sich. Erstere legt den Schwerpunkt auf die Regelung des internationalen Handels, während die zweite den Auftrag hat, die internationale Zusammenarbeit zu fördern, um grenzüberschreitende und wandernde Tierarten wie Elefanten und Nashörner zu schützen.

Unter der Bonner Konvention haben sich mittlerweile auch alle dreizehn Länder Westafrikas, in denen Elefanten leben, darauf verständigt, ihre verbleibenden Populationen zu retten. Hier sind zerstückelte Lebensräume und Konflikte mit industrieller und landwirtschaftlicher Entwicklung die größten Bedrohungen, nicht die Wilderei.

Ganz anders sieht es derzeit im Krisenstaat Zentralafrika aus. Hier wären schnelle Maßnahmen dringend erforderlich. Das bringt uns zu einem weiteren Problem: Einige der weltweit größten Hotspots für biologische Vielfalt sind Kriegsgebiete. Wilderei begünstigt politische Instabilität und lässt einen Teufelskreis entstehen, indem die Gewinne aus Elfenbein Unruhe schüren.

Gewinne aus Elfenbein schüren UnruheDas macht deutlich, dass es vielfältige Herausforderungen beim Schutz wandernder Tierarten gibt. Um sie global zu schützen könnten die Regierungen die Bonner Konvention einbeziehen, um die Bedeutung, die sie wandernden Tierarten beimessen, zu signalisieren und dabei ein klares Bekenntnis zum Schutz ihrer bedrohten Tierwelt ablegen. Vorbild könnte die Initiative zum Schutz der Saiga Antilope sein. Nach einem Einbruch der Bestände um 95 Prozent nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, erholen sich die Saiga-Antilopen langsam.

Die Listung der am meisten gefährdeten Populationen afrikanischer Elefanten auf den Anhängen der Bonner Konvention könnte ein positiver Schritt der internationalen Staatengemeinschaft noch in diesem Jahr in Ecuador sein. Die Umsetzung von international vereinbarten konzertierten Schutzmaßnahmen wäre ein weiterer. Beide würden die Bausteine ​​für die Erholung der Elefantenbestände bilden.

Aber der Kampf muss noch an vielen weiteren Fronten geführt werden: im tatsächlichen Kampf gegen die Wilderer in Afrika und im Kampf um die Herzen und Köpfe in den Ländern. Es muss dort gekämpft und gewonnen werden, wo die Nachfrage nach Elfenbein den Elefanten an den Rand der Ausrottung treibt.

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