Artenschutz: Wie Meeresmüll seltene Tierarten bedroht

Artenschutz: Wie Meeresmüll seltene Tierarten bedroht

von Bradnee Chambers

Viele Inselstaaten schützen seltene Tierarten, um den Tourismus zu fördern. Die Vermüllung der Meere macht diese Bemühungen zunichte.

Von Dr. Bradnee Chambers. Der Autor leitet das Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (UNEP/CMS) der Vereinten Nationen in Bonn.

Einige der fragilsten tropischen Paradiese der Erde werden durch die Nebenerscheinungen der Moderne verunstaltet: Kunststoff-Flaschen, Plastiktüten und im Meer entsorgte Fischereigeräte werden tonnenweise an den Stränden der Inseln angeschwemmt oder treiben vor ihren Küsten.

Anzeige

Nur ein winziger Bruchteil des Mülls stammt allerdings von den Inseln selbst, sondern aus den großen Industrienationen. Der Rest stammt von Passagier- und Frachtschiffen und Fischtrawlern, deren Besatzungen die Meere oftmals als eine riesige Müllhalde nutzen.

Die Inselentwicklungsländer (Small Island Development States, SIDS) wurden im Jahr 1992 als eigenständige Gruppe von Nationen von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung anerkannt. Ihnen fehlt der Raum für Mülldeponien und sie haben nicht die Ressourcen, um sich mit dem großen Problem des Meeresmülls zu befassen, den Gezeiten und Strömungen an ihre Strände spülen.

Verursacher müssen sich um den Müll kümmernIm Inland können die Inselstaaten Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass das Problem nicht weiter verschärft wird. Amerikanisch-Samoa hat beispielsweise Plastiktüten verboten. Aber das "Verursacherprinzip" würde erfordern, dass die Verursacher der Abfälle für die Entsorgung verantwortlich gemacht werden.

Da der Tourismus eine wichtige Rolle in der Wirtschaft von vielen Inselstaaten spielt, kann Meeresmüll erhebliche Nachteile für Unternehmen und den Tourismus vor Ort haben. Denn in vielen Inselstaaten ist der Tourismus mittlerweile eine wichtige Einnahmequelle – der auch auf eine intakte Umwelt angewiesen ist.

Palau hat genau deshalb die gewerbliche Fischerei in seinen riesigen Hoheitsgewässern verboten und dabei auf lukrative Lizenzeinnahmen verzichtet. Stattdessen will der Inselstaat Ökotourismus basierend auf Schnorcheln und Tauchen als nachhaltige Alternative entwickeln. Lebende Haie in Palaus Gewässern sind über ihre Lebenszeit gerechnet bis zu 1,9 Millionen US-Dollar wert, weil sie Unterwasserbegeisterte anlocken.

Ein toter Hai ist jedoch nicht mehr wert als ein paar hundert Dollar und das auch nur wegen der Flossen, die als Delikatesse in Teilen Ostasiens begehrt sind.

Artenschutz wird torpediertIm Februar rief Indonesien in seinen Hoheitsgewässern das weltweit größte Schutzgebiet für Mantarochen aus und verbot die Fischerei und die Ausfuhr dieser Art innerhalb der 2,2 Millionen Quadratmeilen rund um den Archipel. Als Touristenattraktion ist ein Mantarochen mehr als eine Million Dollar wert, als Fleisch oder Medizin nicht mehr als 500 Dollar.

Aber der Meeresmüll droht die positiven Wechselwirkungen zwischen Artenschutz und Tourismus zu zerstören.

Beispiel Meeresschildkröten: Ihre bevorzugte Beute sind Quallen, aber oft verwechseln sie Plastiktüten mit ihrer Lieblingsnahrung – mit verhängnisvollem Ergebniss. Für größere Arten wie Wale, Delfine und Robben, sind wiederum im Meer entsorgte Fischereigeräte wie Fangnetze ein Problem, da die Tiere sich in ihnen verfangen.

Dies kann die Bewegung der Tiere und ihre Fähigkeit zu jagen behindern und schwere Verletzungen oder sogar den Tod durch Ertrinken verursachen.

Weniger bekannt ist das Phänomen des "Rafting" – an den Stränden angeschwemmte Plastikflaschen zum Beispiel beherbergen für die Tierwelt auf den Inseln ein potenziell verheerendes Sortiment von Würmern, Insektenlarven, Muscheln und Bakterien.

Eine der Faszinationen in der Beschäftigung mit den Tierarten, die unter dem Schutz der Bonner Konvention stehen, ist wie diese andere Länder und sogar Kontinente verbinden. Viele dieser Arten sind vom Aussterben bedroht und ihre Erhaltung erfordert international abgestimmte Maßnahmen. Dies gilt für auch Meeresmüll, eine einzigartig unerwünschte "wandernde Art", für dessen Beseitigung noch mehr Länder als bisher zusammen arbeiten müssen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%