Auf dem Rad durch die USA: Ein Student sucht die „echte“ Sharing Economy

Auf dem Rad durch die USA: Ein Student sucht die „echte“ Sharing Economy

von Robert Habi

Ein Student will einmal quer durch die USA radeln, um zu beweisen, dass Menschen gerne teilen.

Gut 7700 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Sam Bliss in Seattle und seinem baldigen Wohnsitz London. In der britischen Hauptstadt will er im Herbst studieren. Mit einem Direktflug wäre er in etwa zehn Stunden am Flughafen in Heathrow.

Aber Sam Bliss sucht nicht den schnellsten Weg. Sein eigentliches Ziel ist der Weg dorthin. Bevor er im September in einem Hörsaal der englischen Hauptstadt sitzen wird, hat er noch eine Mission zu erfüllen: Er will beweisen, dass  die echte Sharing Economy, auch Shareconomy, funktioniert – fremde Menschen, die sich gegenseitig helfen, ohne dass Geld im Spiel ist.

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Sein Plan: Anfang August will der Amerikaner zusammen mit seinem Freund Neil in Seattle aufs Fahrrad steigen und quer durch die USA Richtung Ostküste rollen. Unterwegs wollen die beiden Abenteurer in der freien Wildbahn zelten, in Seen baden und essen, was sie finden. Vor allem aber setzen sie auf die Generosität der Mitmenschen, die sie entlang ihrer etwa 4700 Kilometer langen Route treffen werden.

Das Prinzip: Reisen durch Teilen. Je mehr Menschen eine warme Mahlzeit oder einen Schlafplatz anbieten und ihre Habgüter so mit Bliss und seinem Freund teilen, desto stärker bewahrheitet sich Bliss‘ These. Denn der US-Amerikaner glaubt fest an die Kraft des Teilens. Schon vor der Reise hat er seinen eigenen Beitrag zur Sharing Economy geleistet und den Großteil seiner Kleidung und Bücher verschenkt. Er sei glücklich mit dem Gedanken, dass sie einem anderen Menschen nützen, schreibt er in seinem Beitrag für Grist.

Auf seiner Reise ist er nun selbst auf hilfsbereite Angebote angewiesen. Helfen sollen ihm bei der Fahrradtour Plattformen wie beispielsweise das Warm-Shower-Netzwerk. Über das Portal organisieren sich Radfahrer eine kostenlose Dusche. Dieses Angebot kann Bliss genauso nutzen wie Seiten zum Couchsurfen – sofern er einen kostenlosen Internetzugang findet. Smartphones sind nicht im Gepäck eingeplant.

Echtes Teilen statt ProfitstrebenDass die Sharing Economy helfen kann, durfte Bliss schon vor dem Beginn seines Monstertrips erfahren: In einer Gemeinschaftswerkstatt, in der man sich gegenseitig hilft, ohne dafür Geld zu verlangen, präparierte der US-Amerikaner seinen Drahtesel für die Reise. Allein das brachte ihm schon neue Bekanntschaften.

Menschen kennenlernen, teilen ohne es monetär aufzuwiegen, einfach nur weil es glücklich macht oder wie in Sam Bliss‘ Fall auch noch Ressourcen und das Klima schont – das unterscheidet das echte vom gewinnorientierten Teilen.

Denn Sharing Economy ist für Bliss nicht gleich Sharing Economy: Portale wie der Online-Wohnungsmarkt AirBnB oder die Privattaxi-Plattform Uber sind für ihn Teil der „Bullshit Sharing Economy“. So titulierte er die profitorientierten Nutznießer des Tauschprinzips in einem Beitrag für Grist.

Für Bliss ist das gemeinsame Nutzen eines Gutes langfristig und ökonomisch sinnvoller als ständig wachsende Gewinne für ein oft verkauftes Produkt. Als Anhänger der „Degrowth“-Idee (deutsch: Schrumpfen) meint er, Wachstum sollte eher im Bereich sozialer Interaktionen und Kooperationen entstehen und nicht nur auf steigende Absatzahlen abzielen.

So könne man globalen CO2-Emissionen und Ressourcenverschwendungen vorbeugen, indem etwa mehrere Menschen ein Auto nutzen. Für diese Prinzipien tritt er ab August in die Pedale.

Vorbild Rob GreenfieldInspiriert hat ihn Rob Greenfield, der ebenfalls auf dem Rad quer durch die USA fuhr, ohne einen Cent auszugeben. Greenfield verwandelte sich durch einen radikalen Bewusstseinswandel – nach eigenen Angaben – in einen komplett anderen Menschen (hier nachzulesen in seinem Blog).

So extrem konsequent wie Greenfield wird Sam Bliss sein Projekt nicht umsetzen, denn er hat ein paar kleine Geldreserven dabei, falls es einmal zu eng werden sollte.

Aber genau wie Greenfield wird auch Bliss seine Reise medial begleiten. Das grüne Nachrichtenportal Grist will regelmäßig Fotos und Texte des US-Amerikaners aus die Seite stelllen, um den Trip zu dokumentieren. Neil, der zweite Radler, sorgt für das Bildmaterial – sofern jemand mit ihm seinen Internetzugang teilt.

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