Baubotanik: Pflanzen ersetzen Beton

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So wachsen Stahl und Holz ineinander. (Foto: SFD Heine & Becker)

von Kathrin Zeller

Das Stuttgarter Bureau Baubotanik schafft Bauwerke aus Pflanzen. Diese sind sofort nutzbar, wachsen aber noch viele Jahre weiter.

Konstruieren, einpflanzen, abstützen, gießen, schneiden, gießen, nachschneiden, wachsen lassen. So ähnlich kann man sich das Bauen mit lebenden Pflanzen in vereinfachter Form vorstellen. Die Praxis des Bauens mit Pflanzen existiert schon seit Jahrhunderten.

Das Volk der Khasi in Nordindien beispielsweise baut lebende Brücken aus den Wurzeln von Gummibäumen. Ein Vorteil von vielen: Das Material verrottet im Gegensatz zu normalem Holz nicht.

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Noch sind die Stämme dünn, in einigen Jahren dürfte diese Brücke von dicken Ästen gehalten werden. (Foto: Sebastian Becker)

Am Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen IGMA der Universität Stuttgart forscht weltweit erstmals ein Team zu dieser Art zu bauen. Ergeben haben sich zahlreiche Projekte, die nun von Teilen des Teams durch das Architekturbüro Bureau Baubotanik umgesetzt werden.

Bauwerke bestehen aus einer Tragstruktur aus Stahl und wachsenden Bäumen verschiedenster Arten, die je nach Stabilität und Wachstumsverhalten für den jeweiligen Standort ausgewählt werden. Nach und nach verwachsen Stahl und Baum, und bilden gemeinsam ein Bauwerk, eine Brücke, etwa, oder eine Aussichtsplattform.

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Bau- oder Kunstprojekt? Die Unterscheidung ist nicht immer ganz deutlich. (Foto: SFD Heine & Becker)

Damit diese Bauwerke von Anfang an benutzt werden können, werden sie solange gestützt, bis die Bäume miteinander verwachsen sind, und alle Lasten aufnehmen können. Dass zu Anfang nicht feststeht, wie das Ergebnis am Ende exakt aussieht, gehört zum Konzept - Baubotanik ist damit nicht für jedes Projekt geeignet.

Bauen mit geplantem Kontrollverlust

Die Begleitung eines baubotanischen Bauwerks über Jahre langsamen Wachstums, das mit erstaunlicher Kraft Metallstrukturen umwächst und sogar verschluckt, irgendwann jedoch auch abstirbt und verfällt, vermittelt ein Gefühl für die Stärke und den Rhythmus der Natur, aber auch von nachhaltigem Wachstum und damit verbundenen Entscheidungen.

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Tolles Schauspiel: Licht und Natur geben den Bauwerken ein ganz eigenes Aussehen. (Foto: SFD Heine & Becker)

Mehr noch als das fertige Bauwerk steht der Prozess im Mittelpunkt. Baubotanik produziere ausdrücklich nicht ein Produkt, sondern eine Dienstleistung, so Hannes Schwertfeger, einer der Gründer von Bureau Baubotanik. Es geht damit um Lernprozesse und die Deutung von Architektur innerhalb ihres Einflusskreises.

Die Baubotaniker sind ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Ingenieuren, Geistes- und Naturwissenschaftlern und stellen ihr Wissen für Schulklassen, Firmen oder andere Interessierte zur Verfügung.

Forschung der Universität Stuttgart ist auch im Ausland gefragt

Für die Zukunft hat das Bureau Baubotanik noch große Ziele, und will baubotanisch konstruierte Bauwerke wie Chalets, Ausstellungsräume oder dreidimensionale Parks schaffen, die als Showcases für Umweltbewusstsein sowie für Klimaanpassungsmaßnahmen genutzt werden können.

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Ungewöhnliche Perspektive. (Zum Vergrößern klicken, Foto: SFD Heine & Becker)

Und auch im Ausland ist das Büro aktiv. In Rio de Janeiro soll beispielsweise ein altes Kasino am Fuß des Zuckerhutes klimagerecht umgebaut werden, und den Nutzern und Nachbarn des Gebäudes einen sozialen Interaktionsraum bieten. Zugleich soll dieses Projekt ein Vorzeigeprojekt und Kommunikationsplattform für nachhaltiges Bauen in Rio sein.

Bisher realisierte Projekte der Stuttgarter können in vielen Teilen Deutschlands besucht werden. Informationen finden sich auf der Homepage von Bureau Baubotanik.

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