Baumschulen: Das Millionengeschäft mit den Pflanzen

Baumschulen: Das Millionengeschäft mit den Pflanzen

von Jennifer Garic

Investments in Holz gelten als riskant - für Baumschulen sind sie aber ein Millionengeschäft.

Tropenholz-Investments sind berüchtigt: Extrem hohe Renditen – bei einer häufig nur klein gedruckten ebenfalls hohen Ausfallwahrscheinlichkeit. Doch auch im kleineren Rahmen kann mit Pflanzen großes Geld gemacht werden:

Baumschulen verdienen mit jahrelangem Bewässern, Stutzen, Umpflanzen und Düngen ihr Geld. Sie warten bis das Kapital in Form von Bäumen und Hecken gewachsen ist und verkaufen es an Andere die nicht warten wollen.

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Wird die Elbphilharmonie eröffnet wird, dann sollen dort keine kümmerlichen Setzlinge in viel zu großen Fassungen stehen, sondern richtige Bäume. Geliefert hat diese Stefan Lorberg (siehe Foto). Er leitet in Ketzin bei Potsdam eine der größten Baumschulen Deutschlands.

Wer mit Bäumen sein Geld verdienen möchte, muss weitaus mehr als einen grünen Daumen haben. Lorberg leitet die Baumschule nun in der sechsten Generation und profitiert somit auch von der Erfahrung der Familie im Geschäft.

Gerade bei Bäumen geht es mehr um Nachhaltigkeit als in vielen anderen Branchen – nicht zuletzt kommt der Begriff ja auch aus der Forstwirtschaft. Bis heute stehen zum Beispiel Bäume auf den Lorberg-Feldern, die noch Stefans Vater gepflanzt wurden. Und heute bis zu 26.000 Euro wert sind.

Ein weiterer Schatz der Baumschule sind 40 Jahre alte Eichen. Für diese muss man schon jeweils 14.000 Euro bezahlen. Alle Bäume zusammen genommen, die auf seinen 850 Hektar Land wachsen, bringen es auf einen Wert von 225 Millionen Euro.

Es ist also auch mit Risiko verbunden, wenn sich Stefan Lorberg gemeinsam mit seinem Sohn überlegt, welche Bäume sie für die nächsten Jahre anpflanzen wollen. Es geht um viel Geld. Denn wenn die Bäume in drei bis sieben Jahren verkauft werden, muss es auch jemanden geben, der diese Baumsorte genau dann kaufen möchte. Nur etwa zehn Prozent der Bäume spart sich Lorberg länger auf. Mit seinem Unternehmen hat er im vergangenen Jahr einen Umsatz von 25 Millionen erreicht.

Große Nachfrage in OsteuropaDer größte Teil davon kommt derzeit aus Osteuropa und macht etwa 25 Prozent seines Wachstums aus. Denn viele Städte legen dort große Parkanlagen an. Natürlich – wie bei der Elbphilharmonie – ohne kleine Setzlinge, sondern mit großen Bäumen.

Warten, hegen und pflegen, damit die Bäume bei den anderen direkt in prächtiger Größe erscheinen. Und wenn es mal ganz schnell gehen soll, wie bei einem ukrainischen Villenbesitzer, spielt bei den Kunden das Geld keine Rolle mehr. Damit der 15 Meter hohe Baum schnell zu ihm gebracht werden konnte, besorgte der Kunde ein Transportflugzeug auf seine Kosten.

Wenn die Kunden etwas mehr Geduld haben, werden die Bäume per Lastwagen an ihr Ziel gebracht oder gar verschifft. Denn deutsche Bäume sind auch über Europa hinaus bekannt – zum Beispiel in Kanada oder China. Bis die Bäume dort ankommen, dauert es fünf bis sechs Wochen. So lange Wege können die Bäume aber nur im Winter zurücklegen. Dann sind sie in der Ruhepause und überleben den Trip mit etwas Pulver auf den Wurzeln, das Wasser bindet und so den Baum über längere Zeit mit Wasser versorgt. Denn die Bäume dürfen in viele Länder nicht mit Erde importiert werden. Die Gefahr, dass fremde Insekten in das Ökosystem eindringen und vielleicht sogar eine Plage mangels Fressfeinden auslösen, ist zu hoch.

Einzelne Exportaufträge in MillionenhöheDer größte Auftrag Lorbergs war bisher die Restaurierung des Sommergartens in Sankt Petersburg. Dorthin lieferte er 13.000 Heckenelemente und 178 Torbögen im Wert von 2,4 Millionen Euro. In diesem Herbst schickt er noch 800 Bäume nach Ankara in die Türkei. Der Export von Bäumen, Hecken und weiteren Zierelementen machen bei ihm ein Drittel des gesamten Verkaufs aus.

Die Begeisterung für deutsche Bäume liegt auch an den hohen Standards. B-Ware gibt es kaum. Dafür sorgt auch der Bund deutscher Baumschulen, der sich hohe Qualitätsstandards gesetzt hat.

In den 80er Jahren kam Lorberg noch eine weitere Geschäftsidee. Damals fragte ihn ein Filmproduzent, ob er ihm für ein Filmset nicht ein paar Bäume leihen könne. Das war der Beginn des Unternehmenszweigs „Rent a Tree“. Wie mittlerweile auch andere Baumschulen verleiht er die Bäume, wenn ein Filmset, eine Gala oder gar Preisverleihung etwas Grün zur Dekoration braucht.

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