Berlins größtes Projekt: Die Hauptstadt will 2050 klimaneutral sein

Berlins größtes Projekt: Die Hauptstadt will 2050 klimaneutral sein

von Marius Hasenheit

Die Klimabilanz von Berlin ist noch dürftig, bis 2050 soll sich das ändern - nun werden die ersten Schritte bekannt.

Berlin wird konkret: Schon im vergangenen Jahr trat die Stadt der "Carbon Neutral Cities Alliance" bei; einem Netzwerk, in dem Städte wie London, Yokohama oder New York langfristig CO2-neutral werden wollen.

Nun gibt es auch eine konkrete Zahl: Die durch das Berliner Abgeordnetenhaus eingesetzte Enquete-Kommission „Neue Energie für Berlin“ hat Maßnahmen entwickelt, mit denen die Stadt ihr Ziel im Jahr 2050 erreichen könnte.

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Eine klimaneutrale Stadt, in der es also keine Kohlenstoffdioxidemissionen gibt - wie ist das überhaupt möglich? Der erste Schritt soll der Ausstieg aus der CO2-intensiven Braunkohle sein. Dies sei schon 2020 möglich.

Im Jahr 2030 dürfte dann auch keine Energie mehr aus Steinkohle kommen. Das hieße, dass die Tage der drei Kohlenkraftwerke von Vattenfall gezählt wären. Immerhin eine elektrische Bruttoleistung von 1.000 Megawatt und Wärme von einer Leistung von 2.000 Megawatt.

Das will kompensiert werden. Dazu sollen neue, klimafreundlichere Gaskraftwerke gebaut werden. Der Vorteil dieser Gaskraftwerke ist, neben ihrer geringeren CO2-Emissionen, dass sie sich relativ kurzfristig an- und abgeschalten lassen. Gerade diese Flexibilität macht den Energieträger als Übergangstechnologie zu erneuerbaren Energiequellen so interessant.

Nur: Solche Gaskraftwerke gibt es bereits, etwa das im bayerischen Irsching, und sie laufen teilweise nicht einmal. Deshalb kündigte Eon bereits an, Irsching abzuschalten. Denn solange die abbezahlten Kohlemeiler laufen, produzieren sie den günstigeren Strom. Allerdings: Mit seiner Ankündigung setzte Eon die Regierung unter Zugzwang, so dass Gaskraftwerke bald per Gesetz rentabler werden könnten. Berlin wird genau hinschauen.

Regenerative Energien für BerlinUnd auf lange Sicht sollen ohnehin regenerativen Energiequellen, wie Geothermie, Solarthermie und Biomasse den Wärmebedarf und Photovoltaik und Windenergie den Strombedarf der Stadt decken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist noch einiges zu tun – gerade einmal knapp drei Prozent der Stromerzeugung werden momentan durch regenerative Energiequellen gedeckt. Auch wenn Berlin natürlich dankbarer Abnehmer für Windkraft aus Brandenburg ist.

Im besten Fall muss Berlin die Kohleenergie jedoch gar nicht kompensieren, sondern kann sie komplett einsparen – dafür ist die Energieeffizienz, insbesondere des Gebäudestandes, entscheidend. Die energetische Sanierung ist also ein Schlüsselfaktor für die Klimaziele Berlins. Momentan wird etwa ein Prozent der Berliner Gebäude energetisch saniert – diese Quote müsse man nun fast verdoppeln. Um zusätzlich für die Erneuerungen zu motivieren, wird inzwischen eine Art „Abwrackprämie“ für ineffiziente Ölheizungen diskutiert.

Wem gehören die Netze? Wie soll das Stadtwerk aussehen?Während bei den Meilensteinen auf dem Weg zur CO2-neutralen Zukunft Einigkeit unter den politischen Parteien herrscht, gibt es noch Streit um das Stadtwerk und die Energienetze. Das Berliner Stadtwerk wurde 2014 gegründet. Während alle anderen Parteien für ein „Klimastadtwerk“ plädierte, welches eigene Ökostrom-Kraftwerke errichten sollte, sperrte sich die CDU dagegen.

Auch die Eigentumsfrage der Energienetze ist immer noch ein Streitthema. Seit einem geplatzten Bieterwettbewerb diskutiert der Senat über einen Einstieg des Landes und damit eine Rekommunalisierung der Netze, die bisher von Vattenfall und der Gasag betrieben werden.

In einer Stellungnahme in der  18. Sitzung der Enquete-Kommission erinnnerte Ina Richter, vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) aus Potsdam, an die Notwendigkeit, die Bürger Berlin am Umbau der Stadtversorgung zu beteiligen. Schließlich lasse sich das Ziel der Klimaneutralität nur mit, nicht gegen die Bürger erfüllen.

Ein sogenannter sozio-technischer Transformationsprozess stehe bevor. Das bedeutet: Nicht nur die Technologie muss vorhanden sein, auch die Lebensstile und Konsumgewohnheiten der Berliner müssen sich ändern. Das beginnt nun mit mehr Bürgerbeteiligung: Die Protokolle der Enquete-Kommission sind öffentlich zugänglich. Zusätzlich plädiert Ina Richter für mehr direkte Mitsprachemöglichkeiten.

An Aufgaben und Herausforderungen mangelt es also dem Senat und der Enquete-Kommission also nicht. Und auch ein gutes Vorbild gibt es bereits: Kopenhagen, ebenfalls im klimaneutralen Städtebund, will bereits im Jahr 2025 klimaneutral sein.

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