Besser Bauen: Diese 10 Projekte zeigen die Architektur der Zukunft

Besser Bauen: Diese 10 Projekte zeigen die Architektur der Zukunft

von Nora Marie Zaremba

Überdachte Parks, Konzertsäle in aufblasbaren Hallen, Hochhäuser aus Holz – so verändern Architekten die Städte.

Die Zeiten klobiger Zweckbauten und Betonwüsten aus umweltschädlichen Materialien scheinen passé. Die Architektur der Zukunft ist flexibel, um Nachhaltigkeit bemüht und obendrein ziemlich erfinderisch, wie diese zehn ausgewählten Projekte zeigen.

1. Begrünte Kraftwerke

Wenn wir unsere Energie in Zukunft zunehmend aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gewinnen, was passiert dann eigentlich mit stillgelegten Kohlekraftwerken? Eine Idee kommt von derArchitekturfirma AZPA mit Sitz in London. Sie möchte das Kraftwerk Wedel bei Hamburg in einen „dicht bewachsenen grünen Hügel" verwandeln, so jedenfalls schreiben es die Architekten in einer Pressemitteilung. Entsprechend nennt sich das Projekt auch „Breaking the mold“ - was übersetzt so viel wie „mit der Tradition brechen“ bedeutet. Die Fassade soll komplett mit Kriechgewächsen bepflanzt werden, die das graue Gebäude nicht nur ansehnlicher, sondern im wahrsten Sinne des Wortes grün machen. Denn die Gewächse nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf.

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2. Innenräume aus dem 3D-Drucker

Was lässt sich nicht alles mit 3D-Druckern herstellen: Häuser, Autos, Boote, Kuscheltiere und vieles mehr. In Zukunft werden sogar unsere Innenräume aus dem Drucker kommen. Pioniere auf diesem Gebiet sind die beiden Schweizer Architekten Michael Hansmeyer und Benjamin Dillenburger. Im Rahmen ihres Projekts „Digital Grotesque“ haben sie einen 16 Quadratmeter großen Raum gedruckt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Mit ihren aufwendigen Verzierungen erinnern die Wände an das Innere barocker Residenzen oder Kathedralen.

3. Überdachte Gärten

Die traurige Realität: Smog belastet inzwischen die meisten Städte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Diverse Architekturfirmen wollen dieses Problem mit überdachten Parks lösen. So wie beispielsweise das britische Büro Orproject. Nach ihren Plänen soll mitten in Peking ein gigantischer, überdachter Garten entstehen, in dem sich die Bewohner der Hauptstadt von der dreckigen Luft erholen können (Bild oben). Ein anderer überdachter Park ist in Moskau geplant. Der Entwurf der New Yorker Firma Diller Scofidio + Renfro nennt sich „Wild Urbanism“ und integriert verschiedene Klimazonen - Tundra, Steppe, Feuchtgebiet und Wald - unter einer Haube.

4. Verspielte Brücken

Die Brücke der Zukunft verbindet A mit B nicht mehr nur auf einer langweiligen geraden Linie. Es darf gerne ausgefallener und verspielter sein. So wie etwa dieser wellenförmige 3-D-Entwurf einer Brücke des niederländischen Architekturbüros Next Architects. Inspirieren ließen sich die Kreativen von der Struktur des Möbiusbands. Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Ring, der um 180 Grad gedreht ist. Was hat das Ganze nun aber mit Nachhaltigkeit zu tun? Nun, die Brücke ist ausschließlich für Fußgänger gedacht. Entstehen soll sie über dem King Harbor River nahe der chinesischen Stadt Changsha.

5. Unsichtbare Architektur

Ob es nun gleich der unsichtbare „Infinity Tower“ ist, wie er in der Nähe von Seoul entstehen soll, oder es sich erstmal nur um eine Art Scheune mit einer kompletten Spiegel-Fassade (Bild oben) handelt, sicher ist: "Unsichtbare" Gebäude werden die Architektur der Zukunft wesentlich mitbestimmen. Die Scheune kommt vom New Yorker Büro stpmj. Von außen mit Spiegelfolie umhüllt, reflektiert die Fassade die Landschaft. So entsteht der Eindruck, das Haus sei gar nicht da. Beim geplanten Wolkenkratzer aus Südkorea hingegen entsteht die Illusion der Unsichtbarkeit durch einen technischen Trick: Auf allen Seiten des Turms sind sowohl Monitore als auch Kameras befestigt. Die Kameras nehmen die umliegende Landschaft auf und die Bilder der jeweiligen Rückseite werden auf den Monitoren der jeweiligen Vorderseite gezeigt. So verschwindet der 450 Meter Turm einfach aus dem Stadtbild.

6. Kompostierbare Türme

„Hy-Fi“ heißt der diesjährige Gewinner des Young Architects Program des Museum of Modern Art (MOMA), das besonders nachhaltige Projekte auszeichnet. Den Plänen seiner Erfinder zufolge, dem New Yorker Büro „The Living“, wird der Turm komplett aus Pilzen, genauer gesagt aus speziellem Pilzschaum, und aus Kompost gebaut. Einen Sommer lang wird er den Innenhof der PS1-Galerie des MOMA gestalten, danach wird er dann komplett recycelt. Als ökologischer Baustoff werden Pilze in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Das US-Startup Ecovative,  das den Pilzschaum maßgeblich entwickelt hat, stellt mittlerweile vieles aus Pilzen her – Verpackungen, Surfbretter oder auch Minihäuser.

7. Festungen gegen Naturkatastrophen

Die Zunahme von Extremwetterereignissen an vielen Orten der Welt, könnte eine Folge des Klimawandels sein, wie zahlreiche wissenschaftliche Modellrechnungen zeigen. Der spanische Architekt Dionisio González hat diese Prognosen nun zum Anlass genommen, besonders resistente Häuser zu entwerfen. Sie sollen dank ihrer rundlichen und flachen Bauart Starkregen, Hurrikans und Tsnuamis trotzen - und das selbst am Strand. Die Serie trägt den Titel „Dauphin Island", benannt nach einer Insel vor der Küste von Mexiko. Naturkatastrophen haben hier schon öfter eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und viele der knapp 1.200 Insel-Bewohner obdachlos gemacht. Noch existieren die Häuser des Architekten González lediglich auf dem Papier. Aber sie zeigen, dass eine Architektur der Zukunft nicht nur nachhaltig, sondern durchaus anpassungsfähig ist.

8. Grüne Wolkenkratzer aus Holz

Betonklötze ade! Dieser 34 Stockwerke hohe Wolkenkratzer ist komplett aus Holz gebaut und obendrein mit Bäumen bepflanzt. Entworfen wurde er von den schwedischen Architekten C.F. Møller and Dinnell Johansson, die sich von der Bauweise traditioneller Holzhäuser ihrer Heimat haben inspirieren lassen. Bis 2023 soll der Wohntum in der Stockholmer Innenstadt stehen. Dann wäre er das höchste bepflanzte Holz-Haus der Welt. Einziger Wermutstropfen: Der Stabilität zuliebe wird der Turm auf einem Sockel aus Beton gebaut.

9. Schwamm-Gärten, die Dreck aufsaugenIn Zukunft könnten Gärten aus Moosen und Schwämme Abhilfe schaffen, wenn städtische Parks von liegengelassenem Müll verdreckt sind. Denn das Grünzeug ist in der Lage, Verschmutzungen im wahrsten Sinne des Wortes „aufzusaugen“. Der erste Entwurf für einen solchen Schwamm-Park kommt von dem New Yorker Architekturbüro dlandstudio. Die Mitarbeiter haben sich dem Müll-Problem im New Yorker Gowanus Kanal angenommen. Durch extra angelegte Schwamm-Gärten soll eine Fläche von über vier Quadratkilometern gesäubert werden - und das alles ohne Chemie. Auch toll: Besucher können sich bei einem Spaziergang durch das Feuchtgebiet über die beeindruckenden Fähigkeiten der Schwämme und Moose informieren.

10. Aufblasbare Konzerthallen

Was von außen wie eine gigantische Kidney-Bohne aussieht, ist die erste aufblasbare Konzerthalle der Welt. Hinter dem Projekt mit dem Namen „Ark Nova” steckt der bekannte britische Skulpturist Anish Kapoor. Für das Projekt hat er mit dem japanischen Architekten Arata Isozaki zusammengearbeitet. 2012 ist die Idee entstanden, mit einer Ballon-Halle durch jene Orte Japans zu touren, die der Tsunami von 2011 besonders zerstört hat. Aufblasbare Materialien, mit denen sich Gebäude schnell auf- und abbauen lassen, könnten in Zukunft öfter zum Einsatz kommen - beispielsweise zur Errichtung temporärer Wohn- oder Krankenhäuser und Schulen.

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