Bestseller-Autorin Naomi Klein: "Ölkonzerne gehören ausgelöscht"

Bestseller-Autorin Naomi Klein: "Ölkonzerne gehören ausgelöscht"

von Nora Marie Zaremba

Kein Klimaschutz mit Kapitalismus, und: Für fossile Energiekonzerne darf es keine Zukunft geben, schreibt Naomi Klein.

Mit einer persönlichen Anekdote hat Naomi Klein kürzlich ihre Lesung in Berlin eröffnet. „Ich lese meinem zweijährigen Sohn abends aus Bilderbüchern mit Tieren vor. Er mag den Elch besonders.“

Vor einem überwiegend jungen Publikum im Haus der Kulturen der Welt gesteht die kanadische Autorin: „Ich habe Angst, dass er niemals einen Elch sehen wird.“

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Kein Klimaschutz mit KapitalismusDiese Sorge hat sie dazu gebracht, ein Buch zu schreiben. Es will die vermeintlichen Auswirkungen des Kapitalismus auf die Umwelt in aller Klarheit benennen. Das Buch heißt "Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima" und ist nun auch auf deutsch im Fischerverlag erschienen.

Weltweit bekannt wurde Naomi Klein mit dem Buch „No Logo“, das mittlerweile als Bibel der Antiglobalisierungsbewegung gilt. Dann folgte "Die Schock-Strategie". Damit watscht Klein die Politik der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) ab.

Es verwundet nicht, dass sich ihr neues Werk erneut der Kapitalismuskritik widmet. Die These: Wenn der Mensch am derzeitigen Wirtschaftssystem festhält, wird der Kampf gegen die Erderwärmung scheitern. Kleins Buch ist randvoll mit politischen und wirtschaftlichen Ereignissen, die das belegen sollen.

Wie der Freihandel Umweltschutz ausradiert

So beschreibt die Globalisierungskritikerin, wie die USA jahrelang ein mexikanisches Programm zum Aufbau regenerativer Energien behindert hätten.

Vorgaben zum lokalen Wertschöpfungsanteil seien mit dem Freihandelsabkommen NAFTA nicht vereinbar - so habe die Regierung ihre Blockaden gerechtfertigt.

Auch andere Ökoprogramme seien mit derselben Begründung einkassiert worden, schreibt Klein.

Wie ein Thriller liest sich das Kapitel über "Geo-Engineering" - das das Klima durch den Einsatz technischer Mittel beeinflusst. Klein schildert darin ein Treffen internationaler Geoingenieure.

Sie schlagen etwa vor, Schwefeldioxid zu versprühen, um die Atmosphäre künstlich abzudunkeln; oder einen riesigen Schirm vor die Sonne zu setzen. Szenarien, bei denen einem mulmig zu Mute werden kann.

Ölkonzerne gehören "ausgelöscht"Will man den Klimawandel wirklich bekämpften, brauche es einen Systemwandel. Dafür müsse man die größten Verschmutzer, nämlich die Öl-, Gas- und Kohlekonzerne, nicht nur zum Ausgleich der bereits angerichteten Schäden bewegen, sondern sie ganz „auslöschen“.

Die Übermacht dieser "dreckigen Industrie" ist in Kleins Augen das Schlimmste, was der entfesselte Kapitalismus hervorgebracht hat.

Wer sich mit Klimaschutz beschäftigt, dem dürfte vieles aus "Kapitalismus vs. Klima" bekannt sein. Neu ist sicherlich die Akribie, mit der Klein Beispiel an Beispiel reiht. Weniger neu ist hingegen, den sogenannten Kapitalismus für den Klimawandel verantwortlich zu machen.

Wer nach der Lektüre verzagt, dem sei gesagt: Auch in Deutschland gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Und das endet nicht beim Kauf einer energiesparenden Glühbirne.

Divestment-Initiativen machen HoffnungSo beschreibt Klein Projekte engagierter Bürger, wie den Hamburger Volksentscheid, der das Strom-, Gas- und Fernheizungsnetz wieder in kommunale Hände gelegt hat.

Sie weist auf die Erfolge der wachsenden Divestment-Bewegung hin, eine Massenbewegung, die von öffentlichen Einrichtungen den Abzug ihrer Gelder aus fossilen Energieträgern fordert (wir berichteten).

Solche Initiativen sollen Hoffnung machen. Denn sie zeigen, dass Bürger nicht tatenlos zusehen müssen. Im Gegenteil haben sie laut Klein überall auf der Welt die Chance, von Regierungen und Konzernen aktiv einzufordern, mit dem Klimaschutz endlich ernst zu machen.

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Naomi Klein: Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima, erschienen im Fischerverlag

 

 

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