Bienensterben: Europaweite Studie schlägt Alarm

Bienensterben: Europaweite Studie schlägt Alarm

von Thiemo Bräutigam

Im Winter sterben in Europa ungewöhnlich viele Bienen, wie eine EU-Studie zeigt. Eine Suche nach den Gründen vereitelten die Mitgliedsländer aber.

Sie mögen klein und unscheinbar wirken, doch für unsere Ökosysteme sind sie von entscheidender Bedeutung. Die Rede ist von Bienen. Die Bestäubungsdienstleistung der Bienen nimmt der Mensch kostenlos in Anspruch. Ökonomen beziffern den Wert der Bestäubung auf mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr. Doch die Populationen sowohl von Honig- wie auch von Wildbienen stehen unter erheblichem Druck.

In den Medien und der wissenschaftlichen Fachliteratur häufen sich die besorgniserregenden Meldungen zum Bienensterben. Mal sind es Pestizid-Cocktails und sogenannte Neonicotinoide, mal genetisch modifizierte Pflanzen, die dafür verantwortlich gemacht werden.

Anzeige

Auch Krankheiten und Parasiten wie die Varroamilbe tragen zum Bienensterben bei. Das Phänomen wird von vielen Seiten bestätigt, was jedoch bisher fehlte, war eine umfangreiche und grenzüberschreitende Studie, wie ausgeprägt es in Europa ist.

Diese wird nun von der EPILOBEE-Initiative geliefert. Die Studie umfasst 17 europäische Länder. Die Methodik wurde harmonisiert, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Zahlreiche Stressfaktoren wurden dabei ausgemacht. Von Viren, Bakterien und Pestiziden über Klimaveränderungen und den Haltungsbedingungen konnte ein ganzes Bündel an Einflüssen festgestellt werden.

Sterblichkeit im Winter besonders hochDie EPILOBEE unterscheidet dabei nach den Sterblichkeitsraten in den Winter- und Sommermonaten. Die natürliche Mortalität beziffern die Wissenschaftler hier auf 10 Prozent des Bienenvolkes. Höhere Werte deuten auf eine zusätzliche Belastung durch weitere Stressfaktoren hin. Ein deutliches Ergebnis der Studie: Die Sterblichkeitsrate in den Wintermonaten ist besonders in den nordeuropäischen Ländern sehr hoch.

In Belgien, Dänemark, Estland, Schweden und England liegt die Rate im Winter deutlich über 20 Prozent, in Belgien sogar bei 33 Prozent. Auch in Deutschland, Frankreich, Portugal, Lettland und Polen liegt die Sterblichkeitsrate über dem Schnitt.

In den Sommermonaten liegt hingegen nur Frankreich leicht über dem als natürlich angenommenen Wert. Die saisonalen Schwankungen sind dabei weniger erstaunlich, als die zum Teil starken Unterschiede zwischen den Ländern.

Gründe für den winterlichen Massentod sind unbekanntEPILOBEE liefert mit gut 32.000 untersuchten Bienenvölkern in ganz Europa erstmals einen Gesamtüberblick über das Bienensterben in Europa. Allerdings: Auf der Suche nach den Gründen führt die Studie nicht weiter.

Die Autoren der Studie hatten ursprünglich einen starken Fokus auf Pestizide legen wollen, was jedoch durch die Regierungen der betroffenen Länder untersagt wurde.

Ein möglicherweise fataler Fehler, deuten doch aktuelle Studien auf einen erheblichen Einfluss der Pestizide beim Bienensterben hin. Was das extrem hohe Bienensterben im Winter auslöst, konnte deshalb nicht geklärt werden.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%