Big-Data-Forschung: Das eigene Bienenvolk per Smartphone überwachen

Big-Data-Forschung: Das eigene Bienenvolk per Smartphone überwachen

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Der intelligente Bienenstock. (Foto: Beeograph)

von Felix Ehrenfried

Um dem Bienensterben auf die Schliche zu kommen, ermöglicht ein Start-up Patenschaften für ganze Völker - Smartphoneüberwachung inklusive.

Das Bienensterben ist ein globales Phänomen. Während in den USA Imker zeitweise das Sterben von jedem vierten Bienenvolk beklagen ist der Rückgang der Bienenpopulation hierzulande noch verhältnismäßig moderat. Verrichteten nach Angaben des Deutschen Imkerbundes 1990 noch rund 1,2 Millionen Bienenvölker ihren Dienst für Deutschlands Honigproduktion, liegt dieser Wert heute nur noch bei rund 800.000 Völkern.

Ein Münchner Start-up will jetzt mithilfe eines smarten Bienenstocks und Big Data das Verhalten von Bienenvölkern untersuchen, um so das Sterben von Honigbienen weltweit besser verstehen zu können. Hinter dem Unternehmen mit dem passenden Namen Beeograph versteckt sich ein internationales Forscherteam, das in der bayrischen Landeshauptstadt München an seinem revolutionären Bienenstock bastelt.

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Dieser "Bienenstock 2.0." soll mit Sensoren ausgerüstet sein, die die Bienen bei ihrer Arbeit nicht stören, gleichzeitig aber detailliert das Verhalten der schwarz-gelben Insekten aufzeichnen. So werden Parameter wie Lichtintensität und Temperatur im Stock, aber auch das Bienensummen, die Menge der Honigproduktion oder die Intensität der Bewegungen des Volkes dokumentiert.

Mit Solarenergie und Wi-Fi

Anschließend sollen Algorithmen aus der riesigen Datenmenge bisher unbekannte Zusammenhänge und Muster herausrechnen. Diese sollen dann helfen, das Bienensterben weltweit einzudämmen.

Zur Sammlung der Daten setzt Beeograph auf das Interesse von Privatpersonen. So kann jeder Bienenfan einen Hightech-Stock als Pate erwerben, dieser wird dann von Beeograph im Namen des Käufers aufgestellt.

Mit Solarpanels und Sender ausgestattet überträgt der Bienenstock alle gesammelten Parameter direkt auf das Smartphone des Käufers und Beeograph selbst. So kann der Bienen-Pate jederzeit das Verhalten seines Volkes beobachten, gleichzeitig sammelt Beeograph die Daten für ihre Big Data Analyse. Um das Wohlergehen des Bienenvolkes kümmern sich professionelle Imker, als Dankeschön erhalten die Paten regelmäßig Honig aus dem eigenen Stock.

Finanzierung per Crowdfunding

Zur Finanzierung der ersten Bienenstöcke für eine Testphase und der Gewinnung erster Paten hat Beeograph vor wenigen Tagen eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo gestartet. 35.000 Euro will das Unternehmen einsammeln, die Patenschaft für einen gesamten Bienenstock kostet dabei 690 Euro.

Die ersten Bienenstöcke sollen im Frühjahr 2017 in Griechenland, Bulgarien und am Starnberger See aufgestellt werden. Verläuft die erste Phase erfolgreich, will Beeograph Ende 2017 das Netzwerk seiner smarten Bienenstöcke weiter ausbauen, um so den Einfluss des Standorts auf das Verhalten der Insekten weiter untersuchen zu können.

Das eigene Bienenvolk per Smartphone kontrollieren

it dem Projekt Beeograph hat das Forscherteam einen interessanten Ansatz entwickelt, den Ursachen des Bienensterbens mit Big Data auf die Schliche zu kommen. Dass das Thema Relevanz hat, zeigt ein Blick in die USA. Hier hat die Regierung höchstpersönlich eine Taskforce zur Erforschung der Ursachen eingerichtet. Währenddessen sucht das Forschungsnetzwerk Coloss in Europa mit Umfragen nach den Ursachen des Bienensterbens.
Beeograph verknüpft dabei sein Forschungsinteresse mit der Option, Privatpersonen die Patenschaft für ein Bienenvolk zu übertragen. Das dürfte in der heutigen Zeit von urban gardening und neuer Freude am Selbstangebauten viele ansprechen. Daneben ist die Kontrolle des „eigenen“ Bienenvolks per Smartphoneklick ein definitiver Hingucker unter Freunden und auch der Honig aus dem privaten Stock dürfte viele reizen.
Wem dafür allerdings 690 Euro zu teuer sind sollte ein Blick auf das Konzept von NearBees werfen: hier kann man online Honig vom benachbarten Imker ordern und das, für unter zehn Euro. Zur Untersuchung der Ursachen des Bienensterbens trägt man damit aber nicht direkt bei.

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