Bike Sharing: New York fiebert Leihfahrrädern entgegen

Bike Sharing: New York fiebert Leihfahrrädern entgegen

von Jürgen Klöckner

Nach Paris und London nun auch New York: Die Megametropole will ab Mai 10.000 Leihfahrräder bereitstellen. Vor dem Start gibt es aber Ärger.

Berlin bietet seit fast zehn Jahren Bike Sharing an, Paris feierte 2007 seine „Vélorution“, London drei Jahre später. Ab Mai fahren nun auch endlich in New York Leihfahrräder. „Citi Bike“ heißt das System, das Pendant zu „Call a Bike“ der Deutschen Bahn, das es bereits in neun deutschen Großstädten gibt. Zum Start sollen 5.500 Fahrräder für Einheimische und Touristen bereitgestellt werden. Das Angebot ist zunächst auf Brooklyn und Manhattan begrenzt.

Derzeit werden die beiden Stadtteile mit knapp 300 Leihstationen übersät - über Twitter laufen regelmäßig neue Fotos von Arbeitern ein, die die Fahrradparkplätze von LKWs hieven und aufstellen. Mit ähnlich vielen Rädern starteten auch Paris und London. Bis Herbst soll Citi Bike auch auf umliegende Viertel ausgeweitet werden und die Zahl der Fahrräder auf über 10.000 steigen.

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Der Hype ist wenige Wochen vor dem Start groß: Derzeit können sich Nutzer vorab gegen eine Jahresgebühr von fast 100 Dollar registrieren - in nur wenigen Stunden meldeten sich über 2.500 New Yorker an. Das ist im Vergleich zu Berlin noch recht wenig: Hier nutzten im vergangenen Jahr 21.000 angemeldete Kunden das Angebot.

Eigentlich sollte Citi Bike schon im Sommer 2012 starten, verzögerte sich allerdings wegen Softwareproblemen. Damals sagte New Yorks Verkehrskommissarin Janette Sadik-Khan: „Um ein Bike-Sharing-System ins Laufen zu bringen, müssen wir nicht einfach nur Räder auf die Straßen stellen. Jede Station ist wie ein Computer, der perfekt vernetzt werden muss. Das ist nicht einfach, aber auch keine Rocket-Science.“ Was genau schief ging, wurde damals nicht bekannt.

Verantwortlich war damals der Betreiber Alta Bicycle Share, der einen Großteil der Bike-Sharing-Projekte in den Vereinigten Staaten und Australien auf die Beine stellt. 2011 erhielt das Unternehmen von Bürgermeister Michael Bloomberg den Zuschlag für New York. Dieser hatte damals angekündigt, dass Citi Bike die Stadt „revolutionieren“ würde. Die Stadt erstickt im Verkehr, zu Fuß ist man in Teilen Manhattans schneller als mit dem Auto.

Werbung auf RädernObwohl also selbst Bloomberg dem Start von Citi Bike entgegenfiebern dürfte, kostet es die Stadtkasse kaum Geld. Anders als beispielsweise in Berlin ist das Projekt größtenteils privat finanziert. Der Senat der deutschen Hauptstadt greift „Call a Bike“ mit einer Millionen Euro jährlich unter die Arme, obwohl die Deutsche Bahn das Projekt betreibt.

Citi Bike hingegen hat finanzstarke Sponsoren hinter sich. Das Kreditkartenunternehmen MasterCard schießt 6,5 Millionen Dollar zu und verantwortet das Bezahlsystem. Die Citigroup, unter dessen Dach die Citibank steht, steckt über fünf Jahre lang insgesamt 41 Millionen Dollar in das Radprojekt. Dafür taucht sie im Namen und Logo auf, die Räder und Leihstationen sind in der Unternehmensfarbe Blau lackiert.

Auf Twitter gab es deswegen vor allem in den letzten Wochen Kritik: Wütende New Yorker fühlen sich von so viel Citibank-Werbung auf den neuen Rädern und Stationen belästigt und verschreien das Projekt als „Ads on wheels“ - also als Werbung auf Rädern. Man darf also gespannt sein, wie der Start verläuft.

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