Bio-Gold: Das beliebteste Metall der Welt muss endlich fair werden

Bio-Gold: Das beliebteste Metall der Welt muss endlich fair werden

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Goldschmuck gibt es künftig auch fair und sauber.

von Marius Hasenheit

Wenige Gramm Gold ziehen Tonnen giftigen Materials nach sich. Gerade privat bieten sich aber faire Lösungen an.

Wer sich das das Ja-Wort gibt und auf goldene Eheringe setzt, der denkt vermutlich an alles - nur nicht an die über 20 Tonnen Giftmüll, die ein Ehering verursacht.

Die ökologischen und sozialen Folgen des Goldabbaus sind enorm. Gold wird nicht nur Schmuck, es ist auch ein Anlageprodukt, für Staaten und Privatpersonen gleichermaßen. Und ein Rohstoff für die Feinelektronik: Das Edelmetall ist in all unseren Smartphones und Laptops enthalten. Glaubt man Analysten, dann dürfte der Bedarf deutlich steigen. Umso schlechter für die Umwelt.

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Denn der Abbau des begehrten Edelminerals ist alles andere als umweltverträglich. Besonders der oberirdische Abbau, bei dem das Gold mittels Quecksilber und Natriumcyanid „ausgewaschen“ wird, ist problematisch. Beide Stoffe schädigen unter anderem das Nervensystem und die Nieren der Goldarbeiter.

Gift gerät ins Grundwasser

Da die Giftstoffe teilweise in großen Becken unter freiem Himmel angewendet werden, um das begehrte Edelmetall zu lösen und zu binden, gelangen die Gifte in großer Menge in das Grundwasser. Einmal in der Natur, sammeln sich die Gifte auch in der Nahrungskette an.

Giftig ist jedoch nicht nur das Natriumcyanid selber, sondern auch die immense Menge von damit behandeltem Material. Etwa Schlamm, mit darin enthaltenen Schwermetallen, Schwefelsäure und Cyanid, die oft in das Grundwasser gelangen.

Sogar in Minen, die die alten Römer im heutigen Frankreich betrieben haben, lassen sich heute noch chemische Abbauprodukte messen. Manche Minenbetreiber machen es sich noch leichter - und verklappen das giftige Bergbaumaterial einfach in das Meer.

Vertreibung und Konfliktfinanzierung

Doch nicht nur die Folgen für die Umwelt, sondern auch die sozialen Folgen des Goldabbaus sind verheerend. Besonders wenn Minen im Globalen Süden, den sogenannten Entwicklungsländern, eröffnen, werden Bewohner von ihrem Land vertrieben. Teilweise sind von der Landvertreibung auch Ureinwohner betroffen, die dadurch für sie heiliges Land verlieren. Im schlimmsten Fall geraden die Vertriebenen dann noch in einen Krieg, der mit dem Gold finanziert wird - sogenannte Konfliktmineralien sind ein großes Problem.

So wird Gold immer knapper, denn die Ausschöpfung der Minen erlebte vielen Einschätzungen nach zuletzt ihren Zenit. Um weitere Vorkommen abzubauen, werden in Ländern Goldminen errichtet, die bisher von keinem Interesse waren. In Europa ist Griechenland ein solches Beispiel. Dort will das Unternehmen Hellas Gold, welches zu 95 Prozent dem kanadischen Konzern Eldorado Gold gehört,  die auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki entdeckten Goldvorkommen abbauen.

Die Gelegenheit scheint günstig, in dem krisengeschüttelten Land erhoffen sich viele Griechen durch die Mine neue Jobs. Doch es gibt auch massiven Protest. In der bergigen Region bei Thessaloniki soll das Gold schließlich ebenfalls mittels Cyanid  gewonnen werden, weshalb viele Anwohner verseuchtes Grundwasser befürchten.

Die Alternativen: Bio, Fair Trade und Recycling

Wer an historische Bilder vom nordamerikanischen Goldrausch denkt, hat vielleicht hölzerne Waschschüsseln vor dem inneren Auge. Auch heute noch wird das Wasch- oder Nuggetgold auf diese Art und Weise mithilfe der Schwerkraft gewonnen – und das überraschend lokal!

Die Holcim Kies und Beton GmbH in Süddeutschland fördert in ihrem Kieswerk in Rheinzabern ganz ohne Chemikalien Gold als Nebenprodukt. Der Bergbau-Professor Hermann Wotruba von der Technischen Universität Aachen bescheinigt dem Unternehmen  die umweltfreundliche Herstellung des „Biogoldes“. Auch wird es industriell zunehmend interessant, Gold aus Altgeräten zu recyceln. Elektroschrott wird so zu einer Ressource.

Während recyceltes Gold relativ leicht zu finden ist, wird es bei Fairtradegold schon schwieriger. 2011 wurde weltweit das erste Siegel für Gold und Silber nach Standards von "Fairtrade International" in Großbritannien eingeführt. Seitdem bemüht sich Fairtrade e.V., das Siegel auch in Deutschland einzuführen.

Wer sichergehen will, dass sein Goldschmuck aus Minen stammt, die nach ökologischen und sozialen Standards betrieben werden, kann zum Beispiel auf das Hamburger Schmuckatelier Jan Spille zurückgreifen. Dieses lässt sich von dem kolumbianischen Bergbauunternehmen Oro Verde und dem argentinischen Unternehmen Ecoandina direkt beliefern und kann so die Herkunft des Goldes garantieren. Wer dort für seine Hochzeit Ringe kaufen möchte, muss mit einem Aufpreis von etwa 15 Prozent rechnen.

Gold aus dem Meer

Doch vielleicht sorgt der Goldhunger noch für weitere Überraschungen abseits der herkömmlichen Minen. Immer mehr Goldsucher schauen auf das Meer, denn es umfasst die größten Goldreserven der Erde. Das Metall ist darin in geringen Konzentrationen als Chloridkomplex gelöst. Dessen gigantisches Volumen im Kubikkilometermaßstab übertrifft das bisher bergmännisch geförderte Gold deutlich.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg versuchte Fritz Haber Gold aus dem Meereswasser zu gewinnen um die deutschen Reparationszahlungen zu bedienen, scheiterte aber an den geringen Konzentrationen. Später versuchte es Ernst Bayer mit einer weiterentwickelten Methode der Anreicherung, doch auch diese Methode lohnte sich wirtschaftlich nicht.

Wie auch immer unser Goldbedarf zukünftig gedeckt wird - Verbraucher achten zunehmend auf soziale und ökologische Folgen. Der Markt für recyceltes, biologisch gewonnenes oder fair gehandeltes Gold wird in den kommenden Jahren wachsen.

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