Bio-Landwirtschaft: Wenn wir nicht vegan werden, werden die Flächen knapper

Bio-Landwirtschaft: Wenn wir nicht vegan werden, werden die Flächen knapper

Bio-Landwirtschaft die Einen, viel Fleisch die Anderen: Wenn wir so leben, werden bald die Böden knapp.

Angenommen, wir würden die Abordnung von Wäldern stoppen, um den Klimawandel einzudämmen. Könnten wir unter dieser Bedingung noch die gesamte Weltbevölkerung ernähren? Diese Frage stellte sich eine österreichische Gruppe aus Forschern der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und des Research Institute of Organic Agriculture.

Auf den geeigneten Flächen entstünde eine Konkurrenz zwischen Ackerbau und Viehzucht. Je nach Verteilung zwischen beidem und verschiedenen Anbau- bzw. Zuchtarten hat die Gruppe einen Gesamtertrag an Nahrungsmitteln berechnet. Dieser steht dann verschiedene Arten von Ernährungsverhalten gegenüber.

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Es wird schnell deutlich, dass es sich um ein stark vereinfachtes Modell handelt, denn externe Einflussfaktoren wie Handelsbarrieren schließt die Gruppe aus. Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Uni Göttingen, hält die Ergebnisse der Studie jedoch durchaus für plausibel.

Die Wissenschaftler entwickelten 500 verschiedene Szenarien für das Jahr 2050. In diesen kombinieren sie verschiedene Faktoren und beurteilen die Machbarkeit des Szenariums. "Machbar" bedeutet in diesem Fall, dass das Angebot die globale Nachfrage nach Lebensmitteln deckt und gleichzeitig die Viehwirtschaft innerhalb einer ökologisch sinnvollen Grenze bleibt. "Anhand von Szenarien wird aufgezeigt, wie die Weltbevölkerung in 2050 theoretisch ernährt werden könnte und welche Rolle dabei Erträge in der landwirtschaftlichen Produktion und globale Konsummuster spielen", erklärt Qaim.

Vegane Ernährung mit Biolandwirtschaft ist möglichDie Gruppe kommt zu dem Ergebnis, dass knapp zwei Drittel der Szenarien "machbar" oder "wahrscheinlich machbar" sind. Bei allen anderen Szenarien kommt es zu Unterernährung. Setzen die Forscher beispielsweise die durchschnittliche Ernährungsweise eines US-Amerikaners im Jahr 2000 für die gesamte Weltbevölkerung im Jahr 2050 an, so kann die notwendige Kalorienaufnahme nur über eine Ausweitung des Ackerlandes um mindestens 40 Prozent auf Kosten des hoch produktiven Weidelandes und ohne die Haltung von Rindern erreicht werden.

Bei allen Arten des Lebensmittelkonsums wird die Machbarkeit nur unter Einschränkung verschiedener Faktoren erreicht. Lediglich im Falle des Szenarios vollständig veganer Ernährung sieht das Ergebnis anders aus. Bei dieser Variante sind alle Kombinationen möglich, einschließlich einer vollständigen Umstellung auf Biolandwirtschaft, die per Definition weniger Nahrungsmittel pro Fläche hervorbringt.

Ertragsfortschritte in der Landwirtschaft spielen weiter eine RolleQaim weist darauf hin, dass die Autoren die politische Umsetzbarkeit der Szenarien nicht analysieren: "Globaler Fleischverzicht lässt sich politisch nicht einfach verordnen." Ziel der Studie war daher vermutlich, mit der oft wiederholten These zu brechen, der Anstieg der Weltbevölkerung habe gezwungenermaßen eine höhere Nachfrage nach Kulturboden zur Folge. Die Studie weist darauf hin, dass diese Annahme so nicht bestehen bleiben muss.

Trotzdem wird die Welternährung mit gleichzeitigem Klimaschutz nicht einfach zu haben sein. "Wir müssen unseren Konsum überdenken", sagt Quaim. Gleichzeitig zeige der Artikel, der im Fachmagazin Nature erscheint, deutlich, dass Szenarien mit höheren Erträgen viel mehr Optionen zur nachhaltigen Welternährungssicherung offenhalten. Ertragsfortschritte in der Landwirtschaft spielten daher weiter eine Rolle.

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