Biosupermärkte: Wie ihre Kunden dem Klima schaden

Biosupermärkte: Wie ihre Kunden dem Klima schaden

von Wolfgang Kempkens

Der Einkauf im Biomarkt ist acht Mal klimaschädlicher als in herkömmlichen Supermärkten, zeigt eine Studie aus Hessen.

Wer im Bioladen, Biosupermärkten oder gleich im Hofladen eines Bauern einkauft schädigt die Umwelt weitaus stärker als Kunden eines herkömmlichen Supermarktes. Das ist das überraschende Ergebnis einer breit angelegten Umfrage unter Bewohnern in mehreren Städten Mittelhessens.

Die vermeintlich Umweltbewussten emittieren im Durchschnitt pro Kilogramm eingekaufter Ware achtmal so viel Kohlendioxid wie die, die sich im Supermarkt bedienen.

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Elmar Schlich, Professor für Prozesstechnik in Lebensmittel und Dienstleistungsbetrieben an der Universität Gießen, der die Studie erstellte, nennt verschiedene Gründe für den gewaltigen „Consumer Carbon Footprint“ der Biokäufer, was so viel heißt wie Kohlendioxid-Fußabdruck des Verbrauchers.

So sei der Anfahrtsweg zum Bioladen im Normalfall erheblich weiter als zum nächstgelegenen Supermarkt. Die Mengen, die im Bioladen erstanden werden, seien außerdem erheblich geringer als die bei einem Besuch des Supermarktes. Ursache dafür sei das stark eingeschränkte Angebot in Bioläden. Außerdem fahre man häufiger hin, weil es vor allem auf Frische ankomme.

CO2-Fußabdruck ist enormSchlich warnt aber davor, alle Bioladenbesucher über einen Kamm zu scheren. Es gebe darunter einige, die ganz ohne CO2-Emissionen auskommen, Fußgänger etwa oder Radler. In einem Fall registrierten die Forscher allerdings eine Emission von fast 40 Kilogramm Klimagas beim Kauf von einem Kilogramm Ware.

Im Durchschnitt waren es bei den 400 befragten Supermarktkunden 124 Gramm CO2 pro Kilogramm Ware, bei 275 Bioladenbesuchern rund 1000 Gramm. Als Ausweg schlägt der Professor eine Aufstockung des Angebots in Bioläden vor. Grundsätzlich will er die Konsumenten zu einem emissionsärmeren Einkaufsverhalten animieren.

Schlich hat vor einiger Zeit bereits Aufsehen erregt, als er nachwies, dass beim Obsttransport aus 16.000 Kilometer entfernten Ländern weniger CO2-Emissionen entstehen als beim Kauf von Äpfeln bei hiesigen Erzeugern. „Wer mit seinem Auto etliche Kilometer in die Stadt zum Biomarkt oder weit ins Umland zum Hofladen fährt, um dort ‚Bio‘ zu kaufen, tut der Umwelt keinen Gefallen“, sagt Schlich.

Wie die Forscher einräumen, können diese Daten nur für die untersuchte Region in Mittelhessen sprechen. Ob sie sich verallgemeinern lassen müssten weitere Studien ergeben.

Nachtrag: Wie sehr schaden Biomarkt-Kunden dem Klima wirklich? Das fragten uns Dutzende Leserinnen und Leser nach einem Artikel. Hier die wichtigsten Antworten.

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