Blaue Schatzkammer: Die Weltmeere sind mehr als 20 Billionen Euro wert

Blaue Schatzkammer: Die Weltmeere sind mehr als 20 Billionen Euro wert

von Peter Vollmer

Ein Report des WWF dokumentiert den Wert der Ozeane. Der ist durch Umweltschäden allerdings bedroht.

In der Marktwirtschaft hat alles seinen Preis. Nun auch die Weltmeere: Mindestens 21,8 Billionen Euro sind sie wert. So steht es im Report "Reviving the Ocean Economy", den die Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature  (WWF) veröffentlich hat.

Ausgerechnet Umweltschützer kleben nun also ein Preisschild auf die Ozeane. WWF-Generaldirektor Marco Lambertini erklärt dies damit, dass ökonomische Kennziffern auch die Menschen überzeugen könnten, denen die ökologische Notwendigkeit alleine egal sei.

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Erwärmung, Überfischung, VerschmutzungDie Studie berechnet die Erträge von Fischerei, Tourismus, Handel oder Transport. Aufgrund fehlender Daten schlossen die Forscher Effekte wie die Sauerstoffproduktion der Meere, ihre Temperaturstabilisierung oder kulturelle Wertschätzung aus. Dennoch bleibt ein Gesamtwert von eben jenen rund 22 Billionen Euro.

"Damit wären die Weltmeere die siebtgrößte Volkswirtschaft", schreiben die Autoren. Und ein ökonomischer Krisenstaat, denn zwei Drittel dieses Wertes hängen von Umwelteinflüssen ab, die den Meeren mehr und mehr schaden. "Wie Weltmeere, die unseren Planet erst bewohnbar machen, zeigen deutliche Anzeichen einer schlechter werdenden Gesundheit", warnt Lambertini.

Eines der Probleme: Die Meere kühlen die Atmosphäre und nehmen im Gegenzug einen großen Teil der globalen Erwärmung auf. Je nach Lage haben sich die Meere in den vergangenen 50 Jahren daher um ein halbes Grad erwärmt. Tendenz steigend. 90 Prozent aller Fischvorkommen sind überfischt. 50 Prozent aller Korallen sind bereits verschwunden – bei einem weiteren Temperaturanstieg könnten Riffe als Ökosystem 2050 tot sein.

Man erkenne allerdings nicht nur die Probleme, sondern habe auch Lösungen parat, sagt Lambertini. Und so stellt der Report acht ausführliche Maßnahmen vor, die sich vor allem an Politiker und Unternehmer richten.

So fordert der WWF etwa mehr Meeres- und Küstengebiete unter Naturschutz zu stellen. Derzeit sind nur rund 3,4 Prozent der Ozeane geschützt. Erfahrungen aus dem italienischen Torre Guaceto zeigten, dass sich der Fischfang außerhalb einer eingerichteten Naturschutzzone verdoppeln könne, da die Fischpopulation im geschützten Bereich deutlich wachse.

Weiter fordert der WWF beispielsweise ein verstärktes Engagement gegen den Klimawandel oder den Schutz bedrohter Fischbestände.

Zur Rettung der Weltmeere müssen "alle an Bord sein""Diese acht Ziele sind erreichbar", sagte der Hauptautor der Studie, Ove Hoegh-Guldberg, dem Fachmagazin Nature. "Wir hatten bereits einen großen Anschub auf internationaler Ebene, um nachhaltige Entwicklungsziele mit Blick auf den Ozean festzulegen", sagt Hoegh-Guldberg vor allem mit Blick auf die Vereinten Nationen.

Es müssten allerdings "alle an Bord sein, wir dürfen nicht einzelne Gruppen beschuldigen, sondern müssen die internationale Gemeinschaft zusammenbringen, um dies zu schaffen." Eine weitere der acht Maßnahmen, die er im Report vorschlägt, ist daher die weitere Vernetzung aller beteiligten Institutionen. Etwa Zusammenarbeit von Nachbarstaaten, die sich ihre Grenzregionen derzeit noch gegenseitig leerfischen.

Alle Maßnahmen sind ausführlich in dem 60-seitigen Report beschrieben, den Sie hier herunterladen können.

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