Bloggerin Lauren Singer: "Seit ich auf dem Markt kaufe, spare ich 90 Prozent meines Mülls"

Bloggerin Lauren Singer: "Seit ich auf dem Markt kaufe, spare ich 90 Prozent meines Mülls"

von Lea Deuber

Lauren Singer produziert im Jahr nur ein Einmachglas voll Müll. Nun will sie ein Waschmittel ohne Chemikalien verkaufen.

Die 22-jährige New Yorkerin Lauren Singer lebt seit drei Jahren ohne Müll und stellt dafür ihre eigenen Pflegeprodukte her. Ihre Erfahrungen teilt sie auf ihrem Blog trash is for tossers. Nun hat sie mit einer Crowdfunding-Kampagne auch Geld für den Start ihres Unternehmens the simply co. gesammelt. Dort kann man in Zukunft ihre selbst hergestellten Pflegeprodukte kaufen. In einem Interview erzählt sie, was sie antreibt und warum sie hofft, dass ihre Geschäftsidee kopiert wird.

WiWo Green: Frau Singer, Sie produzieren pro Jahr nur ein Marmeladenglas voll Müll. Wie machen sie das?

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Lauren Singer: Ich kaufe Lebensmittel nicht mehr abgepackt, sondern nur noch auf Märkten, trage Secondhand-Kleidung und stelle meine Pflegeprodukte selbst her.

War die Umstellung schwer?

Singer: Es ist eigentlich ein andauernder Prozess. Selbst wenn ich gebrauchte Kleidung kaufe, ist das Preisschild mit einem Plastikstückchen befestigt. Ganz ohne Müll geht es also nicht. Aber ich spare dabei auch viel Geld. Rund 15 Prozent des Preises von abgepackten Lebensmitteln sind die Kosten für die Verpackung.

Sie leben seit drei Jahren fast müllfrei. Was war der Anstoß dafür?

Singer: Ich habe Umweltwissenschaften studiert und saß damals mit einer Kommilitonin im Kurs, die ihr Essen immer komplett in Plastik verpackt mitbrachte. Das hat mich geärgert. Als ich zu Hause in meinen Kühlschrank geschaut habe, stellte ich aber fest, dass bei mir auch alle Lebensmittel in Kunststoff abgepackt waren. Das wollte ich ändern.

Kann man lernen, auf Müll zu verzichten?

Singer: Nachdem ich beschlossen hatte, mein Leben umzustellen, habe ich den Blog einer Familie aus Kalifornien gefunden: zerowastehome.com. Sie leben komplett müllfrei. Das hat mich inspiriert, weil es mir gezeigt hat, dass so ein Leben möglich ist.

Glauben Sie wirklich, dass alle Menschen so leben können?

Singer: Natürlich muss man sich verändern. Das fällt nicht jedem leicht. Aber man muss auch nicht unbedingt gar kein Müll mehr produzieren, sondern nur den Verbrauch reduzieren. Drei Dinge kann jeder leicht umsetzen: Als Erstes muss man sich seinen Müll anschauen. Nur wer weiß, was er verbraucht, kann auch reduzieren. Des Weiteren muss man sich überlegen, wie man dort sparen kann. Ich habe zum Beispiel besonders viele Lebensmittelverpackungen verbraucht. Seit ich nur noch auf dem Markt kaufe, spare ich 90 Prozent meines Mülls. Außerdem nutze ich nur noch Stoffbeutel zum Einkaufen und habe immer eine eigene Wasserflasche dabei. Wenn ich weggehe, verzichte ich auf den Strohhalm im Cocktail. Ich denke also immer vorher nach und überlege, wo ich sparen kann. Wenn ich reise, nehme ich zum Beispiel immer ein Stofftaschentuch mit, Besteck aus Metall und kleine Einmachgläser, um Lebensmittel zu transportieren. Zuletzt stelle ich viele Produkte selbst her, anstatt sie zu kaufen.

Sie tragen Rouge, Wimperntusche und Lippenstift: Ist das alles selbstgemacht?

Singer: Ja, ich musste zwar am Anfang herumprobieren, mache das jetzt aber alles selbst. Als ich mit meinem Blog begonnen habe, bekam ich viele Anfragen von Menschen, die nach Produkten ohne chemische Zusatzstoffe gesucht haben. Als ich begann in diese Richtung zu recherchieren, stelle ich fest: Es gibt kaum solche Produkte. Daraufhin habe ich beschlossen, meinen Job zu kündigen, eigene Produkte zu entwickeln und diese zu verkaufen.

Und nun haben Sie ihr eigenes Unternehmen?

Singer: Genau, auf The simply Co. vertreibe ich jetzt zum Beispiel Waschpulver. Für die Finanzierung meines Unternehmens habe ich eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Das Ziel war 10.000 Dollar einzusammeln. Diese hatte ich nach 45 Stunden zusammen. Nach den 30 Tagen der Kampagne waren es mehr als 42.000 Dollar.

Und wie läuft das Geschäft an?

Singer: Ich hatte damit gerechnet, am Anfang rund 100 Kunden zu beliefern. Nun habe ich bereits zehn Mal so viele Bestellungen, so dass ich erst einmal die Bestellfunktion auf meiner Unternehmensseite deaktivieren musste. Sie können sich nicht vorstellen, wie mein Appartement im Moment aussieht. Es gibt nur einen Trampelpfad bis zur Haustür. Im kommenden Monat beginnt meine erste Investment-Runde. Dann werde ich auch einen eigenen Produktionsraum anmieten und Angestellte einstellen.

Sie sind im Moment weltweit unterwegs, um für Ihre Idee zu werben. Verstehen Sie sich selbst als Botschafter für Nachhaltigkeit?

Singer: Ich will, dass die Menschen sich fragen, wieso wir überhaupt so viele Chemikalien in unseren Produkten akzeptieren und dass sie stärker darauf achten. Das Ziel meines Unternehmens ist zu zeigen, dass natürliche Produkte genauso wirksam wie künstliche sind. Vielleicht ist das für jedes normale Unternehmen eine Horrorvorstellung, aber theoretisch kann jeder meine Produkte zu Hause selbst machen. Dafür betreibe ich auch einen Youtube-Channel, auf dem ich meine Rezepte vorstelle. Wenn ich Menschen zeigen kann, dass die Produkte funktionieren und jeder so leben kann, habe ich mein Ziel erreicht.

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Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe “Müllfrei im Haushalt: Wie wir unsere Abfälle drastisch reduzieren können”, mit der wir in diesem Sommer konkrete Tipps zur Müllvermeidung vorstellen.

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