Chemikalie in Suppendosen: Das bedeuten die US-Funde für unsere Gesundheit

Chemikalie in Suppendosen: Das bedeuten die US-Funde für unsere Gesundheit

von Angela Schmid

In US-Suppendosen wurde Bisphenol A gefunden - was in Deutschland keinen überrascht. Der Stoff ist notwendig. Noch.

Amerikanische Dosenhersteller sind aufgeschreckt. Eine Studie, die im Auftrag verschiedener Non-Profit-Organisationen durchgeführt wurde, hat Bisphenol A (BPA) in Suppendosen entdeckt. Daraufhin kündigten Campbell Soup Company und Del Monte (zusammen haben die Unternehmen einen Jahresumsatz von über 10 Milliarden Euro) an, den umstrittenen Stoff zu ersetzen. Nur: Das Problem ist nicht neu.

Bisher gibt es allerdings noch keine technische Alternative, die sich nicht auf die Lebensmittel auswirkt. Bisphenol A ist nämlich ein Grundstoff zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat und kommt auch in Babyschnullern, Plastikgeschirr und Thermopapier wie Kassenbons vor.

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Dennoch ist BPA ein hormoneller Schadstoff, der bereits in winzigen Mengen in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen kann. Der Bedarf an dem Stoff ist allerdings groß und aus der Lebensmittelbranche ist er nicht mehr wegzudenken. Etwa 410.000 Tonnen werden nach Aussage des BUND jährlich in Deutschland vermarktet - der den Stoff bereits seit Jahren im Visier hat.

Streit um GrenzwerteSchon im Sommer 2007 hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Wert für die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge um das Fünffache auf 50 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht erhöht, was von Umwelt- und Verbraucherschützern stark kritisiert wurde. Anfang 2015 kam die Kehrtwende - die EFSA senkte den Wert auf vier Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

Eine  Toleranzgrenze, die die Wissenschaftler zurzeit für unbedenklich halten und dem Menschen aussetzen. Ein rein statistischer Wert. Denn niemand weiß, wieviel von dem Stoff jeden Tag in den Körper gelangt. Analysen des BUND haben BPA zudem im Hausstaub von Kindertagesstätten nachgewiesen. Seit dem 1. Juni 2011 ist EU-weit der Einsatz des umstrittenen Stoffes immerhin in Babyfläschchen verboten.

Geregelt wurde zudem, dass 600 Mikrogramm (µg) pro Kilogramm Lebensmittel aus der Dose in die Suppe gelangen dürfen. Oder in alle anderen Lebensmittel. Grenzwerte, die die Behörde als unbedenklich einstuft. Obwohl die EFSA zu dem Schluss kommt, dass es in hohen Konzentrationen wahrscheinlich eine schädliche Wirkung auf Nieren und Leber auf die Brustdrüsen hat. Sie erkennen auch an, dass der Stoff, eine "potenzielle Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen könnte".

Schwierige Suche nach AlternativenDas Image von BPA ist in der Bevölkerung mies. Amerikanische Hersteller von Kunststoffen werben bereits mit BPA-freien Produkten. Was die deutschen Hersteller unter Zugzwang setzt. "Es gibt intensive Bemühungen der Dosenhersteller nach Alternativen", erklärt  Dr. Sieglinde Stähle, Wissenschaftliche Leiterin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL).

Das ist nicht so einfach. Bisher sei noch keine Substanz gefunden worden, die BPA in Bezug auf seine Funktionalität ersetzen könne, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Spitzenverbandes der Lebensmittelwirtschaft. Der Stoff sorgt für die Spannkraft eines Lackes, der in einer Dose möglichst dünn sein muss, keine Risse bilden und sich nicht auflösen darf. Außerdem seien alternative Stoffe bisher kaum untersucht worden.

Der BUND sieht das nicht so gelassen. Laut der Umweltorganisation wiesen alle Ergebnisse unabhängiger wissenschaftlicher Untersuchungen der letzten Jahre auf eine Gesundheitsgefährdung hin, wohingegen alle von der Industrie durchgeführten Studien Entwarnung gaben. Eine US-Studie von 2010 geht davon aus, dass Bisphenol A die männlichen Sexualfunktionen einschränkt. Körperliche Veränderungen durch den Stoff stellten zwei Jahre später auch Bonner Forscher fest.

Der BUND fordert Im Rahmen der Umsetzung des seit Juli 2007 gültigen neuen Chemikaliengesetzes REACH ein Verbot des Stoffes für alle Anwendungsbereiche, für die sicherere Alternativen vorhanden sind. So weit ist Frankreich bereits: Der Staat hat BPA ganz verbannt. Bisher als einziger in der EU.

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