Chile: Das Öko-Entwicklungsland auf dem Weg zum biologischen Landbau

Chile: Das Öko-Entwicklungsland auf dem Weg zum biologischen Landbau

von Angela Schmid

Deutsche Forscher haben Chiles Bio-Markt mit dem deutschen vergleichen. Die Parallelen sind erstaunlich.

Der Biomarkt wächst und wächst: Auch 2014 wuchs der Umsatz mit deutschen Bio-Produkten um knapp fünf Prozent auf 7,91 Milliarden Euro. Zahlen, die Öko-Fans in Entwicklungsländern zum Staunen bringen. Etwa in Chile.

In dem Andenstaat sind Bio-Lebensmittel eine Seltenheit. Es gibt sie nur in ausgesuchten Läden und Restaurants zu kaufen, Informationskampagnen zum Öko-Landbau gibt es weder von staatlicher Seite, noch von der Wirtschaft.

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Den Vergleich zwischen einem biologischen Entwicklungsland wie Chile und einem Schwergewicht wie Deutschland fand auch ein Team von Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Göttingen spannend – und untersuchte anhand der beiden Staaten die Einflussfaktoren auf den Bio-Konsum. Dabei fanden die Forscher interessante Parallelen.

In der Anfangsphase der deutschen Bio-Welle, als die Konsumenten noch lila Hosen und Sandalen trugen, zählte vor allem der Umweltgedanke. Den Menschen ging es um Natur- und Tierschutz. Der Gesundheitsaspekt gehörte noch nicht für jeden dazu.

Ähnlich in Chile: Die Pioniere des Bio-Konsums wollen zumeist Umwelt und Natur schonen, Nutztieren bessere Lebensbedingungen ermöglichen und eine kleinbäuerliche, regionale und saisonale Versorgung mit Lebensmitteln schaffen. Das fanden die Forscher mithilfe von Online-Fragebögen heraus, deren Auswertung nun in der Fachzeitschrift Journal of Food Products Marketing erschienen ist.

Mittelschicht finanziert Bio-WachstumChile exportiert seit langem sehr erfolgreich Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Wein. Allerdings aus konventionellem Anbau. Bioprodukte sind in Chile ein Nischenmarkt. Aber die Nachfrage besteht. „Dieser Trend lässt sich derzeit in vielen jungen Industrie- und Schwellenländern beobachten“, erklärt Marie von Meyer-Höfer vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen und Leiterin der Studie.

Dazu zählt sie vor allem die sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Länder, in denen eine Mittelschicht wächst und die Menschen ihr zusätzliches Einkommen für Ernährung und Lifestyle ausgeben - sich aber auch Gedanken um Gesundheit und soziale Aspekte machen.

In Deutschland ist die Nachfrage nach Bio-Artikeln bereits größer als das Angebot. Und das, obwohl der Anbau zunimmt: In Bayern, Rheinland-Pfalz und auch Hessen werden derzeit Flächen „ökologisiert“, erklärt Joyce Moewius vom „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW). Denn zur ökologischen kommt nun wieder die regionale Ernährung in Mode.

Das ist in Chile wiederum kein Problem, regionalen Anbau gibt es – nur wenn niemand „Bio“ kennt, fragt niemand „Bio“ nach. „Es ist daher vor allem Aufgabe der Politik, Anreize für den Ausbau des chilenischen Bio-Marktes und der dazugehörigen Information zu schaffen“, findet von Meyer-Höfer.

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