CO2: Klimagase in der Atmosphäre auf Rekordhoch

CO2: Klimagase in der Atmosphäre auf Rekordhoch

von Jan Willmroth

Die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre hat einen neuen Höchststand erreicht. Nun könnten die natürlichen CO2-Speicher bald an ihre Grenzen stoßen.

Es ist keine Überraschung, wohl aber eine weitere alarmierende Nachricht vor der UN-Klimakonferenz in Doha in der kommenden Woche: Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Dem jährlichen Greenhouse Gas Bulletin der World Meteorological Organization (WMO) zufolge erreichte die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases CO2 ein Rekordhoch von mehr als 390 ppm (engl. parts per million, die gängige Angabe für die Menge an CO2 pro Kubikmeter Luft). Das seien 40 Prozent mehr als vor der Industrialisierung, so die WMO-Experten. Noch drastischer ausgedrückt: Nach derzeitigen Erkenntnissen gab es eine solch hohe Konzentration seit 15 Millionen Jahren nicht mehr.

Seit 1750 wurden nach Angaben der WMO 375 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid freigesetzt, das meiste davon durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe. Ungefähr die Hälfte davon verbleibt in der Atmosphäre und hält Sonnenwärme auf der Erde, die andere Hälfte schlucken Ozeane und Wälder.

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"Diese Milliarden von Tonnen zusätzlichen Kohlendioxids werden Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleiben unseren Planeten wärmer machen und das gesamte Leben auf der Erde beeinflussen", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. "Künftige Emissionen werden die Situation nur verschärfen."

Ein Blick auf die langfristige Statistik zeigt, dass die globale CO2-Konzentration in den vergangenen 50 Jahren annähernd stetig gestiegen ist:

Zuletzt erreichten auch die weltweiten Emissionen von Kohlendioxid nach Berechnungen des Internationalen Wirtschaftsforums Erneuerbare Energien einen neuen Rekord: 34 Milliarden Tonnen waren es in 2011, 0,8 Milliarden mehr als im Jahr davor. Wenn der Ausstoß nicht bald deutlich reduziert wird, könnte sich die obige Kurve noch steiler forsetzen. Denn die natürlichen CO2-Speicher, die bislang so zuverlässig fast die Hälfte der Emissionen einfangen konnten, werden das nicht unbedingt weiterhin tun, wie die WMO jetzt schreibt. "Wir haben schon gesehen, wie die Ozeane saurer werden, weil sie CO2 einfangen, mit möglichen Folgen für die Nahrungskette in den Meeren und Korallenriffe", sagt Jarraud. Es gebe viele solcher komplexen Wechselwirkungen zwischen Meeren, der irdischen Biosphäre und Treibhausgasen - zuverlässige Voraussagen sind nach derzeitigem Stand der Wissenschaft allerdings nicht möglich. "Wir müssen noch mehr beobachten und wissen, um diese Interaktionen zu verstehen", sagte Jarraud.

Auch die Konzentration der anderen wichtigen Klimagase Methan und Stickstoffoxid stieg in 2011 wieder deutlich an. Methan ist das zweitwichtigste Treibhausgas - mit einer Konzentration, die heute zweieinhalb mal so hoch ist, wie vor der Industrialisierung. 60 Prozent des Methanausstoßes ist menschengemacht und kommt aus der Viehhaltung, Rohstoffabau, Müllhalden und dem Verbrennen von Biomasse. Die Stickoxid-Konzentration in der Atmosphäre ist zwar nur um ein Fünftel höher als im vorindustriellen Zeitalter, das Gas ist aber umso gefährlicher: Laut WMO ist der Erwärmungseffekt über eine Dauer von 100 Jahren fast 300 mal größer als der von Kohlendioxid.

Während sich die WMO mit konkreten Prognosen zurückhält, wurde bereits Anfang der Woche die Weltbank mit einer Warnung eindeutig: "Turn down the heat!" (pdf), "Dreht die Hitze runter", lautet der Titel ihres jüngsten Reports. Darin zeichnet sie ein düsteres Bild einer Welt, die sich schon bis 2060 um vier Grad erwärmt haben könnte. Die Folge wären schneller steigende Meeresspiegel (aktuell sind es laut Weltbank etwa 3,2 cm in zehn Jahren, andere Studien sprechen von mehr als drei Millimetern pro Jahr), extreme Dürren, wie sie sonst nur einmal in wenigen hundert Jahren auftreten, und weitere extreme Wetterphänomene. Vor allem die ärmeren und ärmsten Länder hätten am meisten unter diesen Folgen des Klimawandels zu leiden, warnen die Autoren.

Schon heute ist die globale Erwärmung zu spüren: Wer 27 oder jünger ist, hat im globalen Mittel noch nie einen Monat unter der Durchschnittstemperatur erlebt - der Oktober war der 332. Monat in Folge, dessen Temperaturen über dem Mittel lagen.

Lesetipp: Wie misst man eigentlich die CO2-Konzentration - und wo? Für englischsprachige Leser ist es hier anschaulich erklärt

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