Dämme und Deiche: Die Nordseeküste rüstet sich für den Klimawandel

Dämme und Deiche: Die Nordseeküste rüstet sich für den Klimawandel

von Angela Schmid

Die Nordsee rüstet auf: Der Klimawandel macht neue Deiche und Dämme notwendig.

Steigendes Wasser, Sturmfluten und schnell aufziehende Unwetter: Was in Karibik-Staaten bereits Alltag ist, droht auch der Nordsee.

Denn der Klimawandel macht sich auch an der deutschen Küste bemerkbar. 92 Kilometer Deiche müssen allein in Schleswig-Holstein bis 2025 verstärkt werden. Eine kostspielige Angelegenheit für das nördlichste Bundesland. "Ein Kilometer Erhöhung des Deichbaus kostet zwischen drei und vier Millionen Euro", erklärt Frank Barten vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN).

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Der Schutz von Hab und Gut ist ohnehin eine kostspielige Angelegenheit. In Schleswig-Holstein verschlingt allein der jährliche Unterhalt rund 25 Millionen Euro. Dafür bleiben rund 430 Kilometer Landesschutzdeich wasserdicht. Hinzu kommen Deicherhöhungen.

In Niedersachsen sind es insgesamt 60 Millionen Euro für 610 Kilometer. "Die Deiche sind immer so sicher, wie ihre Unterhaltung gewährleistet werden kann", so Barten. Meistens ist sie gut. Im Land zwischen den Meeren ist 1976 das letzte Mal ein Deich gebrochen.

Doch ob das auch bei der nächsten Flut so sein wird, ist immer offen. Dieser Tage mehr als sonst, denn die Entwicklung des Meeresspiegels wird immer schwieriger vorauszusehen. Laut UN-Forscherzusammenschluss IPCC, auch als "Weltklimarat" bekannt, werden die Weltmeere bis 2100 um 0,5 bis 1,4 Meter anstiegen. "Irgendwo in der Mitte liegt vermutlich die Wahrheit", schätzt Barten. Aber schon jetzt steht fest, dass die meisten Deiche dem nicht mehr standhalten würden.

Sie sind zwar so ausgelegt, dass sie Überschwemmungen aushalten. Aber auch diese Belastungsfähigkeit hat ihre Grenze, und die liegt ziemlich genau bei zwei Litern pro Deichmeter und Sekunde Überlauf.

Teure Investitionen in die Zukunft der DeicheWo das überschritten wird, muss nachgebessert werden, und zwar nach den Vorgaben des "Generalplans Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein", der nach der Flutkatastrophe von 1962 erstellt wurde und seither etwa alle zehn Jahre erneuert wird.

Schleswig-Holstein rüstet sich bereits mit neuen Deichen für den Klimawandel: Sie sind höher, die Außenböschung ist flacher und die Deichkrone breiter. Das Verhältnis von Höhe zu Breite beträgt dann nicht mehr 1 zu 6, sondern in der Regel 1 zu 10. Dadurch verlieren die auflaufenden Wellen einen erheblichen Teil ihrer Wucht, bevor sie die Krone erreichen können – wenn überhaupt.

Das neuartige Profil hilft dabei, den Deich bei Bedarf relativ einfach durch Aufsetzen einer Kappe um einen Meter zu erhöhen. "Das kostet jetzt etwa 20 Prozent mehr, spätere Generationen können dann bis zu 80 Prozent der Baukosten einsparen", erklärt LKN-Direktor Johannes Oelerich. Mit diesem Konzept sei Schleswig-Holstein Vorreiter in Europa. Allein 26 Millionen Euro haben zwei neue Deiche im vergangenen Jahr gekostet.

Auch Niedersachsen stellt sich auf den Klimawandel ein. Die Küstenschutzdeiche werden künftig um zusätzliche 25 Zentimeter erhöht - die bisherige Sicherheitsreserve von ebenfalls 25 Zentimeter wird damit verdoppelt. Das ist auch deswegen hilfreich, weil in der Wettervorhersage wichtige Details fehlen.

Welche Probleme das verursacht, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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