Datenschutz: Mülleimer soll Handys abhören - und dann Werbung schalten ...

Datenschutz: Mülleimer soll Handys abhören - und dann Werbung schalten ...

von Felix Ehrenfried

... die Werbebranche ist begeistert - Datenschützer nicht.

Der große schwarze Kasten, der aktuell in immer mehr Straßen der Londoner Innenstadt zu finden ist dürfte Werbespezialisten bald Freudentränen in die Augen treiben - und Datenschützer die Sorgenfalten auf die Stirn.

Denn die Mülleimer der Firma Renew besitzen Farbdisplays auf ihrer Außenhülle, über die Werbung geschaltet wird. Das besondere dabei: Der Mülleimer reagiert mit seiner Werbung auf die Umwelt, schaltet also Anzeigen, die den Vorlieben der Passanten entsprechen. Das ist jedenfalls der Plan, den Renew-Chef Kaveh Memari verfolgt.

Anzeige

Möglich soll das eine Technik im Inneren des Mülleimers machen, die Smartphones mit eingeschalteter WiFi-Funktion erkennt. Von diesen Geräten liest der schwarze Kasten dann die sogenannten Cookies aus. Das sind winzige Textinforamtionen, die sich auf dem Handy bei dem Besuch von Websites einnisten, und damit Benutzervorlieben oder vorherige Suchanfragen speichern.

So würde der Mülleimer erfahren, welche Seiten die Smartphonenutzer in seiner Umgebung in der Vergangenheit besucht haben. Daraus zieht er Rückschlüsse über die Vorlieben der Passanten und passt die Werbung an. Mittlerweile stehen rund 100 Mülleimer mit Internetverbindung der Marke Renew in London, laut Unternehmensangaben besitzen rund ein dutzend davon die "Smartphone-Tracking" Funktion.

Werbung maßgeschneidert - und ziemlich fragwürdigMit der Technik, so die Vorstellung von Renew und dem Tracking-Softwareentwickler Presence Aware, sollen Unternehmen die Werbung maßgeschneidert an Passanten bringen können. Auch soll es möglich sein, dank des intelligenten Mülleimers der Konkurrenz die Nutzer abzuluchsen.

Ein Beispiel: Eine Fastfoodkette besitzt in seinen Restaurants eine Technik die Cookies auf den Smartphones der Nutzer ablegt. Dann erkennt der Mülleimer, ob der Passant bereits Kunde der Fastfoodkette ist und kann passende Werbung platzieren. Ist das nicht der Fall, können Werbesprüche wie "Wie wär's mit Fastfoodblitz?" den Kunden zum umdenken und ausprobieren anregen. Auch kann die schlaue Mülltonne durch Abgleich der Cookies erkennen, ob der Nutzer später wirklich seine Gewohnheiten geändert hat.

Aber die Überwachung soll noch weitergehen: Kaveh Memari, Chef von Renew, verhandelt aktuell mit einer Bar, die ein besonders raffiniertes Tracking-System entwickeln will. Mit fünf Sendern im Restaurant (einer am Eingang, einer auf dem Dach, einer an der Kasse und jeweils einer auf Damen/Herren-Toilette) kann der Barinhaber so erkennen, welches Geschlecht sein Gast hat, wie lange er da war, wie teuer er gegessen hat und ob er lieber draußen oder drinnen gesessen hat. Mit diesen Infos können Spezialisten gezielt Werbung erstellen, die dann auch vom schlauen Mülleimer ausgestrahlt werden könnte.

Mittlerweile sind die Tracking-Mülltonnen rund ein Monat in der Londoner Innenstadt im Einsatz und haben,Renew zur folge, seitdem mehr als eine Millionen Smartphones identifiziert - quasi die Vorstufe, um später dann auch Cookies auszulesen. Mit dem Konzept will das Unternehmen jetzt in weitere Großstädte, wie New York, Kuala Lumpur und Dubai expandieren.

Datenschutzbedenken hat Renew keineDatenschutzbedenken hat CEO Kaveh Memari dabei keine: "Solange wir keine Namen und Adressen mit den Smartphone-Infos verknüpfen ist alles legal." Jedoch besitzt jedes Smartphone eine einzigartige Nutzerkennung, die sogenannte Mac-Adresse. Genau die liest der schlaue Mülleimer aus.

Die Adresse könnte theoretisch mit anderen Nutzerdaten, wie einer Paybackkarte verknüpft werden. Das ginge allerdings zu weit, so Memari. In der Europäischen Union sind Websitebetreiber übrigens dazu verpflichtet, Besucher zum Ablegen von Tracking-Cookies um Erlaubnis zu fragen.

Wer keinen Wert auf die personalisierte Werbung an Mülleimern legt, dem hilft ein einfacher Rat. Die WiFi-Verbindung des Handys beim Verlassen des Büros oder der Wohnung deaktivieren. Immer mehr Londonern scheinen die Spion-Mülleimer jetzt wohl auch unheimlich zu werden: Datenschützer und Politiker wollen nun prüfen, ob diese Art der Überwachung überhaupt zulässig ist.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%