Deponie-Suche: Atom-Endlager möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert

Deponie-Suche: Atom-Endlager möglicherweise erst im nächsten Jahrhundert

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Für schwach und mittelradioaktiven Atommüll gibt es bereits Lager - etwa Morsleben.

Die Endlager-Kommission rechnet nicht damit, dass der Zeitplan für die Atommüll-Lagerung eingehalten werden kann. Ein Szenario geht von fast 100 Jahren mehr aus.

Die Endlager-Kommission kippt die bisherigen Ziele für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle. Der bislang im Standortauswahlgesetz vorgesehene Zeitplan sei "unrealistisch", heißt es in einer Meldung des Informationsdienstes des Bundestages.

Bislang war geplant, bis 2031 einen Ort gefunden zu haben - also in 15 Jahren. Die Kommission hat nun in einem Entwurf zu ihrem Bericht, der WiWo Green vorliegt, ein weiteres Szenario durchgespielt - bei dem die Kommission von 40 bis 60 Jahren ausgeht. Dann gebe es frühestens 2058 einen Beschluss und "erst im nächsten Jahrhundert" eine einsatzfähige Anlage.

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Das allerdings sollten alle Beteiligten verhindert, fordert die Kommission. Denn dieses Szenario, das "nach heutigen Erfahrungswerten" geschätzt sei, werde wegen des langen Zeitraums "umfangreiche Zwischenlagerungen" benötigen - ein Aufwand, der "die Gefahr des Erlahmens und Ermüdens" mit sich bringe. Die Frage nach der Zeit sei nämlich "in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung."

Auf Sicherheit und Öffentlichkeit achten

Es gebe einen Zielkonflikt zwischen Sicherheit, öffentlicher Beteiligung und einer schnellen Entscheidung. Auch wenn der Kommission die ersten beiden Punkte wichtiger sind - die Suche solle "in einem vertretbaren Zeitrahmen" bleiben. Verfahrensschritte sollten möglichst parallel verfolgt werden, insofern dies möglich ist, und auch der Forschung falle ein wichtige Rolle zu.

Auf genaue Zahlen wird sich die Kommission aber wohl nicht festlegen. Das Umweltministerium wollte ein Endlager schon 2050 eröffnen - ein Zeitplan, der nun in weite Ferne rückt. Deutlich wahrscheinlicher dürfte eine Eröffnung im letzten Viertel dieses Jahrhunderts sein, wenn auch die letzten Brennstäbe abgekühlt sind.

In der Kommission sitzen Wissenschaftler, Vertreter von Umweltverbänden, Religionsgemeinschaften, Industrie, Gewerkschaften und Politik. Schon im April hatten sich Mitglieder wie der Vorsitzende Michael Müller (SPD) dahingehend geäußert, dass die Lagerung unter bestimmten Bedingungen erst im kommenden Jahrhundert möglich sei.

Aktualisierung: In einer ersten Fassung hatten wir berichtet, dass die Kommission davon ausgehe, es gebe frühestens 2058 einen Beschluss und demnach auch vor 2100 kein Endlager. Diese Zahlen basieren auf Informationen des Informationsdiensts "Heute im Bundestag". Ein Sprecher der Endlager-Kommission spricht hier allerdings von einem "gravierenden Fehler" des Informationsdienstes, da es sich nur um ein Szenario handle, das sich die Kommission nicht zu eigen mache. Deshalb haben wir den Beitrag an diesen Stellen angepasst.

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